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Erding: Jugendparlament gewählt:Nachwuchs für den Stadtrat

Die Erdinger Schüler haben ihr Jugendparlament gewählt, doch die Wahlbeteiligung war äußerst mau. Die Initiatoren geben sich nun selbstkritisch.

Die Stimmen sind ausgezählt, das Ergebnis ist amtlich: Die 13 Mitglieder des Jugendparlamentes in Erding stehen fest. Damit haben Jugendliche zum ersten Mal die Chance, sich aktiv in die Stadtpolitik einzubringen und die Interessen der hiesigen Jugend zu vertreten. Die Wahlbeteiligung war allerdings wenig berauschend: Von 2794 Wahlberechtigten gaben nur 303 ihre Stimme ab.

Wahl zum Jugendparlament im Korbinian-Aigner-Gymnasium: Die 13 Mitglieder des Rates stehen fest.

(Foto: Peter Bauersachs)

Wann die konstituierende Sitzung stattfinden wird, muss noch mit den Parlamentariern abgestimmt werden, sagte Hubert Sandtner, CSU, Jugendreferent der Stadt. In dieser ersten Sitzung gibt sich das Parlament eine Geschäftsordnung. Zudem werden ein Vorsitzender und sein Stellvertreter gewählt. Nach der Hälfte der Amtszeit, also nach einem Jahr, wechseln die beiden den Posten.

Felix Bohrisch ist einer der 13 Gewählten. Der 14-Jährige hat sich nach eigenen Angaben sehr über seine Wahl gefreut: "Es gibt vieles, das ich ändern will und jetzt habe ich die Gelegenheit dazu." Ihm sei bewusst, dass vielleicht nicht alles durchzusetzen sei. "Aber viele von uns vertreten die gleiche Meinung", sagte er. Bohrisch freue sich besonders auf die Gemeinschaft, aber auch darauf, Dinge zu verändern: "Das ist schließlich der Hauptsinn des Parlaments."

Marc-Philipp Rogalski, 15, ist ebenfalls sehr zufrieden mit der Parlamentsaufstellung. Er freue sich am meisten auf die gemeinsame Arbeit und die Diskussionen, sowohl mit seinen Parlamentskollegen als auch mit dem Stadtrat. Die Kandidaten, die außerdem für zwei Jahre ins Amt gewählt wurden, lauten in alphabetischer Reihenfolge: Feyza Altinisik, 15 Jahre, Oliver Bock,16, Loredana Colletta, 19, Jill Horseman, 15, Lisa Lorenz ,16, Ena Sofic, 19, Svenja Tikovsky ,16, Florian Weishaupt,17, Patrizia Wiesbeck ,18, Anna-Paloma Wimmer 16 und Tuba Yildirimci ,18.

"Aber so ist Demokratie eben"

Die Initiatorin Christiane Kickum war bei der gestrigen Auszählung im Rathaus zugegen und sagte, sie sei "total zufrieden" mit dem Ergebnis. Das Parlament sei gut durchgemischt, die Mitglieder würden verschiedene Themenbereiche abdecken: "Es ist wichtig, von allem ein bisschen mit dabei zu haben." Dass nur so wenige Jungwähler ihre Kreuzchen gesetzt hätten, finde sie sehr schade.

Die jugendlichen Wahlberechtigten hatten wahrlich genügend Gelegenheiten, 13 der 21 aufgestellten Kandidaten in das Parlament zu wählen. Die Wahlurnen waren jeden Tag in einer anderen Schule, an den Nachmittagen und am Wochenende auch im Rathaus aufgebaut; insgesamt also 13 verschiedene Wahlstationen innerhalb sieben Tage. Auch Sandtner verwies auf die "hervorragenden Wahlmöglichkeiten". Umso enttäuschter sei er über die geringe Wahlbeteiligung: "Ich dachte, dass die Jugend interessierter ist. Aber so ist Demokratie eben." Allerdings sei aller Anfang schwer. "Lieber klein anfangen und sich dann steigern als umgekehrt", sagte er. Um bei den nächsten Wahlen mehr Zulauf zu bekommen, müsste man sich Anregungen von den Jugendlichen holen, sagte Kickum. Einige seien schon auf sie zugekommen und hätten sich über die ungünstigen Wahlzeiten beschwert. In zwei Jahren könne man den Wahlvorgang dann anders aufziehen, so Kickum weiter.

Das kommende Wochenende werden die jungen Abgeordneten in einer Jugendbildungsstätte in Waldmünchen verbringen. Begleitet werden sie dabei vom Leiter des Erdinger Jugendzentrums, Ulrich Hofstaller: "Die Jugendlichen sollen dort die Möglichkeit bekommen, sich kennen zu lernen." Dies soll hauptsächlich über sogenannte Kooperations- und Vertrauensübungen geschehen, "damit sie sich aufeinander sowie auf die bevorstehende Arbeit einstellen können", sagte Hofstaller.

Mindestens fünf Mal im Jahr trifft sich das Jugendparlament zu öffentlichen Sitzungen in den Räumlichkeiten des Rathauses. Das Parlament hat die Befugnis, Anträge zu stellen. Diese sollen innerhalb drei Monate im Stadtrat, Ausschuss oder durch die Verwaltung behandelt werden.