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Erding:Innovative Operation

Mediziner des Kreiskrankenhauses Erding haben erstmals in Bayern einem Patienten einen neuartigen Blutdruck-Schrittmacher implantiert - der Blutdruck hat sich schnell normalisiert

Zusammen mit Oberarzt Lorenz Bott-Flügel (Bild), dem Leiter des Herzkatheterlabors, hat der Chefarzt der Gefäßchirurgie, Mojtaba Sadeghi, den Eingriff  ausgeführt 

(Foto: Peter Bauersachs)

Als erstes bayerisches Klinikum nutzt das Erdinger Kreiskrankenhaus seit vergangener Woche eine neuartige Methode, um schweren Bluthochdruck zu behandeln. In einer Operation ist einem Patienten ein Schrittmacher eingesetzt geworden, der seinen schwer einstellbaren Bluthochdruck stabilisieren kann.

Der Chefarzt der Gefäßchirurgie, Mojtaba Sadeghi, hat den Eingriff zusammen mit Oberarzt Lorenz Bott-Flügel, dem Leiter des Herzkatheterlabors, ausgeführt. Sadeghi zeigte sich erfreut über das gute Ergebnis: Der Patient musste nach der OP nur noch zwei Tage im Krankenhaus bleiben. Die Befunde waren gut, der Blutdruck hatte sich normalisiert.

Es gibt nur wenige Krankenhäuser in Deutschland, die diese Methode anwenden. Weltweit, so schätzt Bott-Flügel, trügen bislang lediglich 500 Menschen einen Blutdruckschrittmacher in ihrem Körper. Langfristig werde sich die Methode aber auch in anderen Krankenhäusern durchsetzten, sagt Sadeghi, je mehr positive Ergebnisse veröffentlicht werden. In einem großen Klinikum wie dem Deutschen Gefäßzentrum könnten Dutzende solcher Eingriffe im Jahr vorgenommen werden. In Erding rechnet man mit fünf bis zehn Fällen pro Jahr.

Sadeghi betont die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit bei dieser innovativen OP. Denn bevor er als Gefäßchirurg den Schrittmacher einsetzt, wird der Patient von Seiten des Hochdruckzentrums am Krankenhaus darauf überprüft, ob er für diese Art der Behandlung überhaupt geeiegnt ist. Die Operation ist eine so genannte Reservemethode: "Erst wenn alle anderen konservativen Behandlungsmethoden entweder durchgeführt oder ausgeschlossen wurden, wird diese Operation in Betracht gezogen", sagt Bott-Flügel.

Sie ist nur etwas für Patienten, die schon lange Blutdruckprobleme und mehr als vier Medikamente dagegen eingenommen haben, schon einmal einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder ein Aneurysma der Bauchschlagader hatten. "Das sind Patienten, die schon die ganze Odyssee hinter sich haben", sagt Bott-Flügel. Auch der Patient von letzter Woche hatte bereits einen Schlaganfall.

Die neue Operationsmethode sei im Vergleich zu anderen kardiologischen Leistungen fast schon eine Kleinigkeit, sagt Sadeghi. Sie dauere nur etwa eine Stunde, die Wunden am Körper seien nicht groß. Grundlage der Behandlung ist die Erkenntnis, dass an der Regulation des Blutdrucks Nervenknötchen der Halsschlagadern maßgeblich beteiligt sind. Diese Knötchen, auch Barorezeptoren genannt, sitzen in den Wänden der Blutgefäße.

Bei dem Behandlungsverfahren wird dem Patienten ein Schrittmacher an der Brust implantiert. An die Halsschlagader genähte Elektroden leiten elektrische Signale an diese Barorezeptoren. Durch diese Stimulation wird das Gehirn dazu veranlasst, den Blutdruck zu senken. Während der Chirurg bei der Operation die Sonde einsetzt, prüft ein zweiter Arzt ständig die Reizbarkeit der Rezeptoren am Monitor. Es geht um die richtige Stelle der Sonde. Neun verschiedene Stelle werden ausprobiert, bis die ideale Stelle gefunden ist. Denn der Blutdruck darf weder zu viel noch zu wenig stimuliert werden.

Zu Komplikationen führe der Eingriff im seltensten Fall, sagt Sadeghi. Kritisch sei nur die chirurgische Seite des Eingriffes: "Theoretisch kann es bei jeder Operation am Hals zu einer Verletzung der Schlagader kommen, aber das passiert sehr selten." Vor der Operation müssen sich die Patienten auf jeden Fall einer Antibiotikatherapie unterziehen, durch die eine Infektion des Fremdkörper, des Schrittmachers, vermieden werde.