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Erding in die Metropolregion?:Mehrwert für Stadt und Land

fassadenpreis 2017

In Fraunberg mag man die Metropolregion, seit das Gemeindezentrum 2018 mit einem Preis für Baukultur ausgezeichnet worden ist.

(Foto: oh)

Erding ist seit Jahren ein weißer Fleck in der Metropolregion München. OB Gotz will das ändern und nun mit seiner Stadt beitreten. Auch Bürgermeister-Sprecher Wiesmaier sieht die Sache positiv. Landrat Bayerstorfer zögert noch

Von Florian Tempel, Erding

Vor sechs Jahren warnte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) vor einem zugleich sinnlosen wie teuren Beitritt zur Metropolregion München: "Ich sag's ganz ehrlich, ich kann keinen positiven Effekt sehen." Dafür aber müsste der Landkreis einen Vereinsbeitrag von sechs Cent pro Einwohner zahlen, mehr als 8000 Euro im Jahr. Wobei es noch teurer werde, "weil eine deutliche Erhöhung" der Beiträge bevorstehe, wusste Bayerstorfer. Was dann aber doch nicht passierte. Der Mitgliedsbeitrag beträgt für Kreise und Kommunen immer noch sechs Cent pro Bürger. Und neue Umstände versprechen nun, es noch günstiger für den Landkreis Erding zu machen. Denn Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) will die Große Kreisstadt Erding als eigenes Mitglied an der Metropolregion teilhaben lassen. Die Stadt müsste dann den Jahresbeitrag für ihre Einwohner übernehmen, wodurch eine Mitgliedschaft für den Landkreis gut 2200 Euro billiger wäre.

Die Metropolregion ist als Verein organisiert, dem aktuell 22 Landkreise vom Donauries bis Traunstein und vom Ostallgäu bis Dingolfing-Landau angehören, dazu sechs kreisfreie Städte, 44 weitere Kommunen sowie 130 Unternehmen und 33 Organisationen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Landkreis Erding ist ein weißer Fleck mittendrin. Alle Nachbarlandkreise sind dabei. Die Metropolregion versteht sich als Kooperationsplattform, um Stadt- und Landthemen aller Art zu diskutieren und gemeinsam zu bearbeiten.

OB Gotz hat sich seinerzeit, als die SPD 2014 im Kreistag einen Beitritt zur Metropolregion München beantragt hatte, dezent zurückgehalten. Die Ablehnung überließ er anderen. Der damalige Neuchinger Bürgermeister Hans Peis (CSU) sagte zum Beispiel, ihm sei die Sache "wurscht", er könne aber nicht erkennen, welchen Nachteil es hätte, nicht dabei zu sein. Und Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) vertrat die Auffassung, eine Mitgliedschaft sei sinnlos, weil "uns München dann auch nicht lieb haben wird". Ganz im Gegenteil würde sich der Landkreis "noch mehr in den Klammergriff der Landeshauptstadt begeben".

Nun ist alles anders. OB Gotz teilt mit, "die Bedeutung der Metropolregion habe für ihn nie zur Debatte gestanden". Es habe jedoch Hindernisse für eine Erdinger Mitgliedschaft gegeben: Der S-Bahn-Ringschluss wäre womöglich nicht zu realisieren gewesen, weil das Projekt "dann im Zusammenhang mit vielen anderen in der Region gesehen worden und untergegangen wäre". Und da die Metropolregion bisher für die dritte Startbahn gewesen sei, Erding aber immer dagegen, "sei hier der Interessenkonflikt offensichtlich" gewesen.

Wolfgang Wittmann, der Geschäftsführer des Vereins Metropolregion München versichert, man habe sich zur dritten Startbahn nie positioniert, sondern stets herausgehalten, ebenso wie bei anderen Themen, "die nicht konsensfähig waren", wie etwa die zweite Stammstrecke in München.

Das ist jedoch eh alles Schnee von gestern, nun lockt etwas Neues: Eine Internationale Bauausstellung (IBA), die sich im Großraum München von 2022 bis 2032 den "Räumen der Mobilität" widmen soll. Internationale Bauausstellungen gibt es in Deutschland seit mehr als hundert Jahren. Die erste fand 1901 statt und schuf mit der Mathildenhöhe in Darmstadt einen Meilenstein des Jugendstils. Jede weitere hat auf ihre Weise Geschichte geschrieben und einen Beitrag zur Baukultur geleistet. Neben der Stadt und dem Landkreis München wollen sich bislang auch die Landkreise Freising und Dachau an der IBA beteiligen, Fürstenfeldbruck überlegt noch.

Gotz will mit der Stadt Erding bei der IBA dabei sein. Darüber hinaus werde er vom Verein Metropolregion auch ganz persönlich umworben. Er sei "immer wieder zu Gesprächen über wichtige überregionale Themen eingeladen worden" und nunmehr gebeten worden "als Sprecher der Kommunen zu fungieren", teilt er mit.

Wittmann sagt, er finde es "schön, wenn nun Erding dazu kommt". Ein Beitritt sei leicht, nach einem Stadtratsbeschluss muss nur ein einfaches Formular ausgefüllt werden.

Ob auch der Landkreis in der Metropolregion mitmachen möchte, ist noch unklar. Hans Wiesmaier (CSU), Fraunberger Bürgermeister und Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags, findet die Metropolregion mittlerweile ganz gut. "Ich stehe dem positiv gegenüber. Es ist wirklich so, dass sich was verändert hat", sagt Wiesmaier, und die Metropolregion habe "auch für die Kleinen einen Mehrwert". Zu diesem Sinneswandel hat wohl unter anderem beigetragen, dass Fraunberg für sein Gemeindezentrum 2018 den Sonderpreis der Metropolregion in der Kategorie "qualitative und identitätsstiftende Baukultur" erhalten hat. So etwas schmeichelt.

Aus dem Büro von Landrat Bayerstorfer heißt es, es habe "noch keine Abstimmung mit der Stadt Erding" gegeben. Der Landrat stehe "dem Schritt jedoch ergebnisoffen gegenüber und wird das Thema Metropolregion in den politischen Gremien erneut vorstellen".

© SZ vom 11.11.2020

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