Erding In altem Glanz

Die Renovierung der Erlöserkirche hat begonnen. Am Ostersonntag wird die evangelische Kirchengemeinde dort vorerst die letzte Heilige Messe feiern. Die Gesamtkosten der Maßnahmen liegen bei 1,4 Millionen Euro

Von Philipp Bovermann, Erding

Nach Ostern beginnt für die Erdinger Erlöserkirche ein neues Leben. Viele Jahre schon ist sie renovierungsbedürftig. Im Anschluss an die Feiertage gehen nun die Arbeiten, die vor kurzem an der Außenfassade begonnen haben, auch im Kircheninneren los.

Seit seinem Baujahr 1963 ist das heute denkmalgeschützte Gebäude, entworfen vom späteren Stararchitekten Hans-Busso von Busse, den Weg alles Irdischen gegangen. Am dringlichsten zu reparieren ist das inzwischen nicht mehr dichte Dach. Nur noch eine dünne Schicht darunter verhindert, dass der Regen in das Innere hineinläuft. Außerdem soll das Dach der evangelischen Kirche eine vernünftige Wärmedämmung bekommen, damit der Wind nicht mehr durch die Ritzen pfeift. Bislang entsprach das Raumklima im Kircheninneren dem Außenklima. Das Baugerüst steht seit Anfang des Monats, am 8. April, haben die Dachdecker ihre Arbeit aufgenommen. Sie tragen die Zementfaserplatten ab, mit denen das geschwungene, rund 800 Quadratmeter große Dach verkleidet ist, und ersetzen sie.

Sanierungsfall Holzbalken: Auch das Innere der Erdinger Erlöserkirche bedarf dringend einer Renovierung.

(Foto: Renate Schmidt)

"Das Gebäude besteht ja fast nur aus Dach", sagt Jörg Rehm. Er ist der mit den Renovierungsarbeiten betreute Architekt. Über die Erlöserkirche schwärmt er, man fühle sich in ihr sofort wohl, sie sei ein "absolut fantastischer Entwurf". Den gelte es nur so weit als möglich wiederherzustellen. Sehen solle man von den Renovierungsarbeiten anschließend möglichst wenig. Den Begriff, ein Gebäude erstrahle "in neuem Glanz", mag er daher nicht. Authentizität sei das Ziel. "Da gehört das Alter mit dazu."

Architekt Jörg Rehm, Pfarrerin Andrea Oechslen und Pfarrer Christoph Keller (von links) auf der Baustelle.

(Foto: Renate Schmidt)

Ab Ostern jedenfalls könne er in der Kirche "keinen mehr brauchen", witzelt Rehm. Am Dienstag werden die Ausstattung und das Mobiliar hinausgeräumt, die Orgel bekommt einen Staubschutz, dann beginnen auch im Innenraum die Arbeiten: Vor allem das Ornamentglas an der Front hinter dem Altar sei eine Herausforderung. Die gesprungenen Scheiben kommen zu einem Kirchenglaser aus Regensburg.

Gleichzeitig werden die Klinkeroberflächen und Ziegel im Innenraum gereinigt. Was nämlich auf dem Boden aussieht wie eine kunstvolle Marmorierung, ist in Wahrheit über Jahrzehnte festgetretener Dreck. Die geschwungenen Holzbalken haben Risse und müssen mit Epoxidharz kraftschlüssig verleimt werden, schließlich tragen sie teilweise das Dach. Die an Drahtschnüren befestigten kleinen Strahler, die später behelfsmäßig zwischen die wuchtigen Originallampen von 1963 gespannt wurden, um die Exponate bei Kunstausstellungen zu beleuchten, kommen raus. Das Licht für die Seitenwände, den Altar und die Empore sollen später gebündelt unter der Decke versteckte Strahler liefern. Unter den Sitzbänken installieren die Handwerker Heizungen, damit für Gottesdienste nicht mehr das gesamte Kirchengebäude aufgeheizt werden muss. Die Gesamtkosten für die Renovierung liegen bei 1,4 Millionen Euro, wovon 350 000 Euro allein auf das Dach entfallen.

Das "große Ziel" ist für den Architekten Rehm, dass bereits die Weihnachtsgottesdienste schon wieder in der Erlöserkirche stattfinden können. Am Ostersonntag wird die Kirchengemeinde eine vorerst letzte Heilige Messe feiern. Kantorin Regina Doll-Veihelmann wird in die Tasten greifen und die Orgel erklingen lassen, die nach Abschluss der Arbeiten ebenfalls eine Generalsanierung erhält. Pfarrerin Andrea Oechslen und Pfarrer Christoph Keller werden die Messe lesen, anschließend räumen sie den Altar ab. Zum Abschluss verschließen sie feierlich das Tor der Kirche. Ab Dienstag gehört sie ganz den Handwerkern.