Erding Hitze in den Werkstätten

Forscher haben im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums untersucht, wie sich Unternehmen wie Huber Technik aus Erding auf den Klimawandel einstellen können

Von Katrin Langhans, Erding

Wärmer soll es im Jahr 2060 im Landkreis werden, es wird weniger Frosttage geben, die Lufttemperatur wird um drei bis fünf Grad steigen und Extremwettersituationen wie zum Beispiel starker Regen werden zunehmen. Für Unternehmen heißt das, dass sie Lagerung, Produktionsabläufe und Energiemanagement an den Klimawandel anpassen müssen. Huber Technik aus Erding hat zwei Jahre lang als eines von sieben Unternehmen an einer bundesweit einmaligen Studie mit dem Titel "Folgen des Klimawandels - Perspektiven für das Baugewerbe, den Handel und die produzierende Wirtschaft" teilgenommen. Forscher vom Bifa-Umweltinstitut und der LMU München führten die Studie im Auftrag des Bayerisches Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz durch.

Am Donnerstag wurden die Ergebnisse erstmals in Erding bei Huber Technik präsentiert. Die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf eröffnete die Veranstaltung: "Ich freue mich, heute als Ministerin in meinem Heimatlandkreis zu sein", sagte Scharf. Bayerns Klimaschutz sei schon jetzt auf einem guten Weg. Mit einem jährlichen CO₂-Ausstoß von sechs Tonnen pro Kopf läge Bayern immerhin drei Tonnen unter dem Schnitt. Aber es gäbe auch noch viel zu tun: Scharf erinnerte an das vergangene Hochwasser in Erding und betonte: "Schutzmaßnahmen sind günstiger als die Schäden, die entstehen können."

Um aus Gummi eine gemütliche Stallunterlage für Kühe zu produzieren, braucht man 150 Grad Hitze. Diese wird im Dampfkesselhaus erzeugt.

(Foto: Peter Bauersachs)

Zahlreiche Stunden verbrachten die Forscher in den fünf Produktionshallen von Huber Technik, um herauszufinden, wie das Unternehmen, das Förderbandsysteme und Gummierzeugnisse - zum Beispiel Unterlagen für Kuhställe - produziert, sich gegen den Klimawandel wappnen kann. Bis 2060 soll es bis zu 16 Hitzetage mehr geben, und auch die Sonnentage können um bis zu vierzig Tage zunehmen. Außerdem soll die Lufttemperatur steigen. Das könnte den Produktionsablauf verlangsamen, weil die Maschinen, die bei 150 Grad Laufgangbeläge für Kuhställe vulkanisieren, empfindlich reagieren könnten. Außerdem wird es schwieriger werden, die Räume mit Lüftung im Sommer unter 30 Grad zu halten. "In den vergangenen Jahren haben wir bereits Lüftungskamine und ein wärmeisoliertes Dach einbaut", sagt Geschäftsführerin Heidi Huber-Kamm. Eine weitere pragmatische Lösung könnte es sein, die Abwärme der Maschinen sinnvoll zu nutzen und die Energie mittels Wärmeleitung an umliegende Gebäude weiter zu geben. Die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach wird bei Hitze außerdem mehr Energie erzeugen. Schon jetzt deckt sie etwa die Hälfte des Energieverbrauchs des Unternehmens ab.

Dadurch, dass sich die Eis- und Frosttage im Landkreis um 20 bis 30 Tage verkürzen werden, muss weniger geheizt werden. Auch die Produktion wird voraussichtlich flüssiger laufen, da Lieferschwierigkeiten, die bei Frost auftreten, wegfallen. Sogar das extreme Wetter - so makaber es klingt - könnte sich positiv für Huber Technik auswirken. Nach Hochwasserschäden müssen Produktionsbetriebe schnell Ersatz für kaputte Förderbänder odern. Huber Technik produziert in Deutschland, die Lieferwege sind daher kurz.

Heidi Huber-Kamm (mitte links) und Paul Kamm (rechts) begrüßten Ministerin Ulrike Scharf (links) in der Firma Huber Technik.

(Foto: Peter Bauersachs)

Indem sich ein Unternehmen - so wie Huber Technik - auf den Klimawandel einstellt, spart es nicht nur langfristig Kosten. "Immer mehr Kunden fragen heute, wie energieeffizient das Produkt hergestellt wird", sagte Michael Schneider, der Direktor des Bifa Umweltinstituts. So könnte am Ende auch der Absatz steigen.