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Erding Gladiators:Abenteuer Oberliga

Es fehlten 25.000 Euro Vebands-Kosten als ''Ticket'' in die Oberliga. Zur Freude der Fans stimmte das Präsidium dem Aufstieg der Gladiators nun zu - allerdings gibt es Auflagen, was die Spieler betrifft.

Etwa 70, teilweise grün-weiß gewandete Eishockey-Fans haben am Mittwochabend ihren Stehplatz auf der Tribüne der Eissporthalle mit einem Stehplatz in einem Konferenzraum im dritten Stock des Best Western Hotels getauscht. Und sie bekamen während der Pressekonferenz von Günter Weidenhammer, dem Präsidenten des TSV Erding, das zu hören, was sie sich so sehr wünschten: "Wir geben grünes Licht für eine Oberliga-Mannschaft." Die Gladiators spielen in der kommenden Saison also in der dritthöchsten Liga Deutschlands. Die Fans quittierten das mit tosendem Applaus.

Der Jubel kehrt zurück: Weil Sonthofen aus finanziellen Gründen in der Bayernliga bleiben will, bekommen die Erdinger nun doch ihre Chance in der Oberliga.

(Foto: Peter Bauersachs)

Jede Menge lange Gesichter hatte es in den Reihen der Gladiatoren gegeben, als das entscheidende Spiel im Finale um die Bayerische Meisterschaft gegen die Sonthofen Bulls mit 1:3 verloren ging und der Aufstieg in die Oberliga verspielt zu sein schien. Vor einer Woche dann erklärten die Bulls auf ihrer Homepage, dass sie von ihrem Aufstiegsrecht aus wirtschaftlichen Gründen nicht Gebrauch machen wollten. Jetzt war es an Erding, eine Entscheidung zu treffen.

Die Eishockey-Sparte wollte gerne ein Stockwerk höher spielen, vor allem um seine junge Mannschaft zu belohnen, die unter der Ägide von Coach Petr Vorisek eine unerwartet starke Bayernliga-Saison spielte und nicht nur eingefleischte Fans verzückte. Entscheiden musste das Präsidium des Hauptvereins, und das hatte - wie in Sonthofen - durchaus Bedenken. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht", sagte Weidenhammer.

Vor einigen Jahren hatte sich der TSV bei einem Ausflug in den Profibereich finanziell übernommen. Er habe damals geschworen: "Nie wieder Profi-Sport beim TSV", sagte Weidenhammer. Dabei bleibe es auch nun, keiner der Erdinger Cracks wird also künftig vom Eishockey leben können. Das von Gladiators-Pressesprecher und -Berater Patrick Kreßler entworfene Finanzierungskonzept habe ihn und seine drei Stellvertreter überzeugt, sagte Weidenhammer. "Nur die 25.000 Euro, die jeder Oberliga-Verein an den Verband abgeben muss, haben uns erschreckt." Sollte ein Verein während der Saison insolvent gehen, würden die übrigen Clubs aus dieser Kaution bedient und so mögliche Einnahmeverluste durch den Ausfall von Heimspielen ausgeglichen.

Verhandlungen mit den Spielern - einige werden wohl gehen

Letztlich war die Kaution aber kein K.-o.-Kriterium für das Präsidium: "So etwas lässt sich ja auch über eine Bürgschaft regeln." Abteilungsleiter Ralf Kürten bedankte sich ausdrücklich bei Weidenhammer für die konstruktive Zusammenarbeit und begrüßte auch die fortbestehende Kontrollfunktion durch den Hauptverein. Weidenhammer kündigte an, eingreifen zu wollen, wenn sich die Sparte nicht an das Konzept halte.

Für das Abenteuer Oberliga Süd soll der Stamm des Aufstiegs-Teams erhalten bleiben. "Einige werden sicher den Weg nicht mitgehen wollen", mutmaßte der neue Coach Markus Knallinger. Aber mit allen Spielern sei noch nicht verhandelt worden. Kürten vermeldete aber zumindest die Vertragsverlängerung mit Torsteherin Viona Harrer, die in der Vergangenheit bereits mit Bad Tölz in der Oberliga auf dem Eis war, und mit dem Kopf der Mannschaft, Ales Jirik.

Als Saisonziel nannte Knallinger den Klassenerhalt. Das dürfte schwer genug werden, denn wie bisher sollen es eher junge talentierte Spieler aus der eigenen Schmiede richten als renommierte Neuzugänge. Der Coach kündigte folgerichtig einen zeitigen Beginn der Vorbereitung an: "Schon ab Ende Mai heißt es für die Spieler: Freizeitaktivitäten mit Markus."