Erding Fliegerhorst bildet auch 2013 aus

Nach dem erfolgreichen Kampf um den diesjährigen Jahrgang gibt es nun eine Zusage für eine Fortführung der Werkstatt. Die Gründe für die Entscheidung sind unklar

Von Mathias Weber

Es war eine außergewöhnliche politische Koalition, die sich da vor fast einem Jahr zusammen gefunden hat: Politiker aus allen Lagern hatten sich zusammen getan und versucht zu retten, was am Erdinger Fliegerhorst noch zu retten war. "Nach der Katastrophennachricht der Standortschließung war das die zweite Katastrophe", erinnert sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer. Die Ausbildung an der Ausbildungswerkstatt am Fliegerhorst sollte beendet werden, Jahre bevor der Fliegehorst die Türen schließen würde. Doch nicht nur konnte der diesjährige Jahrgang gerettet werden: Wie jetzt bekannt wurde, wird es auch im nächsten Jahr noch einen weiteren Ausbildungsjahrgang geben. Diese Nachricht überrascht, war doch noch 2011 die offizielle Losung aus dem Verteidigungsministerium: An Standorten, die geschlossen werden sollen, wird nicht weiter ausgebildet. Ein breites parteiübergreifendes Bündnis - vom Bürgermeister bis zu den Bundestagsabgeordneten - hatte sich darauf hin vor einem Jahr zusammen gefunden und an höchsten Stelle interveniert. Schurer hat in Berlin das Verteidigungsministerium gebeten, zu überprüfen, ob nicht doch noch eine Fortführung der Ausbildung möglich wäre. Es war möglich: Der 2012er-Jahrgang durfte noch antreten und nun auch der 2013er. Während für Schurer die Entscheidung für noch einen Ausbildungsjahrgang nicht überraschend kam - ihm wurde vom Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt versichert, dass eine Fortführung des Programms untersucht werde - hatte Fliegerhorst-Kommandeur Oberst Michael Rethmann nicht mehr an eine Verlängerung geglaubt. "Insgesamt ist es die Absicht der Politik, die Menge der Auszubildenden zu reduzieren", sagt er. Eine einfache Rechnung: Welche Ausbildungsstätten nutzen der Bundeswehr mehr, welche weniger? "In Erding bleiben nur wenige Azubis bei der Bundeswehr, die meisten wechseln in die Wirtschaft oder besuchen weiterführende Schulen", sagt Rethmann.

Er hatte trotzdem die Weiterführung der Ausbildung für zumindest ein Jahr beantragt, die Erlaubnis kam schließlich überraschend. Über die Gründe der Weiterführung kann auch Rethmann nur spekulieren. Der politische Druck sei nicht mehr so groß gewesen wie im vergangenen Jahr: "Vielleicht wollte man von Berlin aus ein positives Signal senden", sagt Rethmann. Auch in anderen Ausbildungswerkstätten wie in Landsberg und Kaufbeuren sei ein zusätzlicher Jahrgang bewilligt worden.

Die Werkstatt im Erdinger Fliegerhorst ist ein angesehener Ausbilder: Innerhalb von drei Jahren können sich junge Frauen und Männer zum Fluggerätemechaniker oder zum Elektroniker für Geräte und Systeme ausbilden lassen, 38 Ausbildungsplätze gibt es pro Jahr. Die Azubis sind gefragt, nicht nur in der Bundeswehr, sondern auch im zivilen Bereich. Obwohl die Zahl der Bewerber auf einen Ausbildungsplatz rückläufig ist, hatten sich 2011 noch immer 150 junge Menschen beworben - im Schnitt vier auf einen Ausbildungsplatz. Laut Rethmann hat dies weniger mit der absehbaren Schließung des Standortes zu tun als dem generellen Bevölkerungsrückgang. "Das Renommee unserer Werkstatt ist nach wie vor exzellent", sagt er.

Der SPD-Bundestagabgeordnete Schurer kann sich vorstellen, dass es auch 2014 einen weiteren Ausbildungsjahrgang geben könnte. Ihm sei in Berlin versichert worden, dass der Fliegerhorst nicht vor 2018 die Türen schließt, ein weiterer Jahrgang könnte also theoretisch ausgebildet werden. Die Ausbildung dauert maximal vier Jahre. Oberst Rethmann hingegen steht einer solchen Möglichkeit skeptisch gegenüber, an einen möglichen Jahrgang 2014 glaubt er nicht. Das hat auch praktische Gründe: Über die nächsten Jahre hinweg wird immer mehr Personal vom Fliegerhorst abgezogen werden - und damit auch die Flugzeuge. Rethmann aber möchte, dass die Auszubildenden auch an "echten" Motoren und Fluggeräten arbeiten, die dann auch wieder in die Luft steigen werden. "Wenn nur noch theoretisch gearbeitet wird," sagt Rethmann, "finde ich das nicht gut."