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Erding:Bitte vortreten

Autobahnbruecke und Pfarrer Josef Kriechbaumer

Pfarrer Josef Kriechbaumer vom Dekanat Dorfen.

(Foto: Stephan Goerlich)

Die Bewegung Maria 2.0 findet auch im Landkreis Anhänger. Allerdings nicht unbedingt bei der Katholischen Frauengemeinschaft

Von Diana Mammana, Erding

Einerseits sind Veränderungen in der katholischen Kirche gewollt, andererseits herrscht Unverständnis. Eine geschlechtergerechte Kirche, in der alle Menschen Zugang zu Weiheämtern haben, und die Abschaffung des Pflichtzölibats sind unter anderem Forderungen der Bewegung Maria 2.0, die mit ihren Thesen am vergangenen Wochenende für Veränderungen sensibilisieren wollten. Im Landkreis Erding ist von dieser Bewegung nicht viel zu spüren gewesen. In den Pfarrgemeinden Schröding, Burgharting, Inning und Hohenpolding hingen die Thesen der Bewegung Maria 2.0 zwar an der Kirchentür. Zeit zum Lesen blieb aber keine, recht schnell wurden die Zettel wieder entfernt. Im Pfarrverband Erding hat man von aktiven Frauen dagegen gar nichts mitbekommen.

"Im Prinzip haben sie schon recht. Und wir haben bei uns im Pfarrverband auch schon viel umgesetzt", sagte Pfarrer Josef Kriechbaumer vom Dekanat Dorfen. Er befürwortet ein freiwilliges Zölibat: "Es sollte jedem freigestellt sein, ob er heiraten möchte oder nicht. Das hat auch schon im ersten Jahrtausend gut funktioniert", so der Pfarrer. Mit der Aufhebung des Pflichtzölibats würden auch die Ursachen sexualisierter Gewalt bekämpft, was ebenfalls eine Forderung der Mitstreiterinnen von Maria 2.0 ist.

"Die Menschen, die zum Gottesdienst kommen, hängen an der traditionellen Linie", sagt Pastoralreferent Toni Emehrer aus der Pfarrgemeinde Holzland. Und das bringt den Ursprung der Debatte auf den Punkt: Ein substantielles Problem der Kirche sei, dass fortschrittliches und modernes Denken nicht integriert sei, sagt Emehrer. "Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass die Menschen nicht kommen, wenn sie sich nicht angesprochen fühlen." Die Kirche habe längst den Zusammenhang zu gesellschaftlichen Themen verloren. "Die Kirche hat ein Imageproblem", so Emehrer. Frauen sollten seiner Ansicht nach mehr Präsenz am Altar und in der Liturgie haben.

In den Katholischen Frauengemeinschaften (KFD) im Landkreis scheint das Thema nicht besonders viel Aufmerksamkeit zu erzeugen. Zwar seien einige Anliegen durchaus im Sinne der katholischen Frauengemeinschaften und würden auch von der KFD unterstützt, sagte Ursula Gröppmair von der KFD Notzing. Eine klare Position zu den Forderungen möchte jedoch niemand beziehen. Die Meinungen würden intern zu sehr auseinander gehen, heißt es von einigen. Andere finden, die Frauen seien bereits in die Strukturen der Kirche integriert und damit ein unverzichtbarer Teil des Fundaments der kirchlichen Gemeinschaft, wie eine Vertreterin der Katholischen Frauengemeinschaft sagte, die anonym bleiben möchte. Sie würden den Forderungen auf andere Art und Weise nachgehen. Wartenbergs Pfarrer Gregor Bartkowski ist der Ansicht, diese Themen müsse die Weltkirche in Rom besprechen. Er wollte sich nicht weiter äußern und verwies auf höhere Instanzen.

Um das Thema Gleichberechtigung im Vatikan vorzutragen, müssten jedoch zunächst Veränderungen in den kirchlichen Gemeinden gewollt sein, betonte die CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf, die auch Landesvorsitzende der Frauenunion und Mitglied im Diözesanrat der Erzdiözese München und Freising ist. "Es ist immer noch nicht in alle Köpfe gedrungen. Je mehr Diskussion es in der Öffentlichkeit darüber gibt, um so mehr Sensibilität wird es in der Kirche geben." Scharf steht hinter der Forderung, dass auch Frauen zu Weiheämtern zugelassen werden sollen. Von der Diakonweihe bis hin zur Priesterweihe müsse das möglich sein, findet sie. Der Weg bis dahin sei aber noch weit. Die Frauenunion unterstütze die Forderungen der Bewegung Maria 2.0 bereits seit dem vergangenen Jahr. "Alle Aktivitäten seitens der Frauen für mehr Teilhabe und für mehr Gleichberechtigung in der Kirche sind gut", so Scharf. Auch Pfarrer Emehrer macht klar: "Es gibt nur eine Zukunft der Kirche, wenn wir substantielle Veränderungen vornehmen. Wenn wir wollen, dass die Kirche nicht am Rand, sondern inmitten der Gesellschaft bestehen bleibt."

© SZ vom 27.02.2021
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