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Erding:Auf dem Holzweg

Hinter dem Namen "SkulpTour" verbirgt sich eine Wanderroute durch den Landkreis Erding, auf dem der Radfahrer zeitgenössischer Kunst begegnen wird - egal welchen Ort er ansteuert

- Vor ungefähr zwei Jahren reifte in dem Oberdinger Holzbildhauer Wolfgang Fritz eine Vision, die jetzt den Namen "SkulpTour" trägt und die den unschätzbaren Vorteil hat, dass sie in die Tat umgesetzt werden kann. Hinter dem Titel verbirgt sich ein Radwanderweg durch den Landkreis Erding, auf dem der Radfahrer zeitgenössischer Kunst begegnen wird, egal welchen Ort auch immer er ansteuert. Dahinter steht der Gedanke eines sanften Tourismus auch außerhalb der Zentren wie der Herzogstadt mit ihrer Therme. Den Auftakt wird ein Holzbildhauersymposium bilden, das im Mai 2013 im Markt Wartenberg stattfindet und an dem neun ausgesuchte Künstler teilnehmen werden.

Weil das Projekt für alle 26 Gemeinden auf einmal nicht zu stemmen ist, wurde das Landkreisgebiet in drei Bereiche, sogenannte Cluster, unterteilt. Cluster Eins umfasst das Holzland, das mit den Gemeinden Berglern, Fraunberg, Hohenpolding, Inning am Holz, Kirchberg, Langenpreising, Steinkirchen, Taufkirchen und Wartenberg die Vorreiterrolle übernimmt. Mit Taufkirchen, Fraunberg und Wartenberg schälten sich drei gleichwertige Bewerber heraus. Also musste die Moosinninger Bürgermeisterin Pamela Kruppa Glücksfee spielen, die in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins die Marktgemeinde aus dem Lostopf zog.

Das Motto des Holzbildhauersymposiums heißt "Mitten im Ort". Die neun Werke entstehen also nicht irgendwo draußen, wo es außer den Künstlern kaum jemand mitkriegt, sondern im konkreten Fall auf dem Wartenberger Marktplatz. Die Bevölkerung wird voll eingebunden sein, ebenso die Gäste, die mehrere Tage bleiben. Wolfgang Fritz schwärmte bei einem Pressegespräch von der "Szenerie, wenn mitten im Häusergeviert", drei bis vier Meter lange Baumstämme, ein jeder 50 bis 80 Zentimeter dick, Tag für Tag mehr zu einer Kunstskulptur werden.

Hans Wiesmaier, der Fraunberger Bürgermeister und Kreisvorsitzende des Gemeindetags, baut darauf, dass "Kunst auch Leute zusammenbringen kann". Überhaupt war er voll des Lobs, dass alle Gemeinden bei dem Projekt mitgezogen haben, sodass dessen Finanzierung gesichert ist. Pamela Kruppa sagte, als Fritz ihr das Vorhaben vor eineinhalb Jahren vorgestellt habe, habe sie es gleich als "hochspannend" empfunden. Sie sieht in ihm eine Vernetzung von Sport, Erholung, Kultur und Kunst. Wartenbergs Bürgermeister Manfred Ranft wiederum wird die Anlieger informieren müssen. Denn Holzbildhauerkunst ist mit Lärm verbunden. Am 9. Mai 2013, also an Christi Himmelfahrt, könnten den Wartenbergern am traditionell verkaufsoffenen Tag die Künstler vorgestellt werden - und am Pfingstmontag deren fertige Werke. Ranft weiß schon einen Platz, wo die Skulptur stehen könnte: am Radweg vor dem Skaterplatz.

Das Unternehmen "SkulpTour" hat zudem einen internationalen Anstrich. Die neun Künstler stammen mit Wolfgang Fritz selbst, dem Wartenberger Dirk Auf dem Hövel und dem Langenpreisinger Johannes Vollrath zu je einem Drittel aus dem Landkreis Erding sowie mit Josef Briechle, Egidius Knops und Eike Rothe aus der Bundesrepublik. Den internationalen Part übernehmen der gebürtige Niederländer Roger Löcherbach, der Schweizer Tobias Mattern sowie der Kanadier Volker Steigemann, der aus Vancouver den weitesten Anreiseweg hat. Wer für welche Gemeinde das jeweilige Kunstwerk fertigt, ist noch offen. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass Dirk Auf dem Hövel den Wartenberger Stamm zuschneidet.

Obwohl die Finanzierung des Projekts gesichert ist, werden noch Firmen oder auch Privatleute gesucht, die - wie schon die Sparkasse - als Sponsoren oder als Paten auftreten. Pro Skulptur könnte es einen bis drei Paten geben, die eine Mindesteinlage von 500 Euro leisten müssten. Geradezu ideal wäre es, wenn die Sponsoren noch aus dem gleichen Ort stammen. Gesucht werden auch noch die passenden Baumstämme: Buche darf es sein, auch Erle, Esche, Platane oder Rubinie.