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Erding:Alternativlose Absage

Sinnflut-Festival 2019

Konzerte mit Biergartenfeeling, das gab es bei Sinnflut schon immer. Mit viel größerem Abstand als sonst - hier eine Aufnahme aus dem vergangenen Jahr - hätte es auch heuer gehen können, dachten die Veranstalter.

(Foto: Stephan Görlich)

Ein als kleiner Ausgleich für das ausgefallene Sinnflut-Festival gedachter Kultur-Biergarten Ende Juli darf nicht stattfinden. Die Veranstalter wollten 800 Plätze anbieten, das Landratsamt lässt nur 100 Gäste zu

Von Lilly Schäfer, Erding

Es wird keine Alternativveranstaltung für das wegen der Corona-Pandemie abgesagte Sinnflut-Festival geben. Die Sinnflut-Macher Peter Feller und Börnie Sparakowski hatten ein Konzept für einen weiträumigen Kultur-Biergarten mit 800 Plätzen vorgelegt, das jedoch vom Landratsamt abgelehnt wurde. Die Veranstalter bekamen lediglich eine Teilerlaubnis für einen Biergarten für maximal 100 Personen. "Es waren einfach zu viele Besucher für das Event vorgesehen", erklärt Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, Pressesprecherin des Landratsamts.

Geplant war ein Biergarten zur gewohnten Sinnflut-Zeit Ende Juli auf dem Volksfestplatz. Auf einer große Bühne hätte ein vielfältiges Kulturprogramm von Kabarett bis Musik stattfinden sollen, sagt Feller. Das Programm stand bereits und die Verträge mit allen Beteiligten lagen zur Unterschrift bereit. Der Biergarten hätte 100 Tische mit je zwei Metern Abstand zum nächsten in alle Richtungen haben sollen.

"Mit nur 100 Leuten brauchen wir gar nicht erst anzufangen", sagt Feller, "dafür lohnt sich der ganze Aufwand nicht." Er kritisiert die Deckelung der Gästezahl, die es in anderen großen Biergärten nicht gebe. "Anscheinend ist ein temporärer Biergarten kein Biergarten, sondern eine Veranstaltung", klagt Feller, "dabei sind die Voraussetzungen doch dieselben, da fehlt es mir ein wenig an Verständnis."

Die Sprecherin des Landratsamts erklärt, dass bei der 100 Personen-Regelung auch die Reichweite des Sinnflut-Festivals eine Rolle spiele. Das Kulturfest zieht seit Jahren ein überregionales Publikum an. Im Falle einer Infektionskette wäre die Nachverfolgung der Kontaktpersonen schwierig. Die Begrenzung auf 100 Besucher sei zudem analog zur Regelung beim Erdinger Streetfood-Festival, dass aus diesem Grund ebenfalls nicht stattfindet. Der Veranstalter, die Rocking High GmbH aus Günzburg, hatte die 100 Personen-Begrenzung angefochten, war damit aber gescheitert. Die aktuelle Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sieht vor, dass bei kulturellen Veranstaltungen im Freien höchstens 100 Besucher erlaubt sind. Nur "bei Veranstaltungen mit zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen beträgt die Anzahl der möglichen Besucher (...) unter freiem Himmel höchstens 200". Daraufhin sei sofort klar gewesen, dass für den Sinnflut-Biergarten die gleiche Regelung gelten müsse. Im Gegensatz zu einer Außengastronomie mit Bedienung sei hier eine Essensausgabestelle vorgesehen gewesen.

Feller ist enttäuscht und kritisiert, dass es zu wenig Unterstützung seitens der Politik für die Kultur- und Veranstaltungsbranche gebe. Mit Blick auf andere große Biergärten finde er es schade, dass es hinsichtlich der Personenanzahl keinen Spielraum für Kompromisse gab. Nicht nur den Veranstaltern fielen durch die Absagen die Einnahmen in diesem Jahr komplett weg, sie fehlten auch den mehr als 250 Sinnflut-Kooperationspartnern von den Aufbau- und Installationsfirmen, über die Musiker und Künstler, bis hin zu den Gastronomen.

Feller sorgt sich besonders um die Musiker und Künstler, die keinen Nebenverdienst haben. Um zumindest die Aussteller ein wenig zu unterstützen, rufen die Sinnflut-Macher auf ihrer Webseite dazu auf, die Online-Shops der Künstler zu besuchen. Auf www.sinnflut.biz finden sich eine Auflistung und Links zu den jeweiligen Webseiten der Aussteller. Doch das sei auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Feller: "Die Menschen wollen nicht nur Kleider kaufen oder Online-Konzerte sehen, sie haben einen unbändigen Hunger nach Gesellschaft und Abenteuer."

Auch die Nacht der Blauen Wunder im Oktober in Dorfen, in Landshut, Rosenheim und Bad Tölz muss womöglich abgesagt werden. Die einzige Veranstaltung, die voraussichtlich möglich sei, ist der St. Prosper Kabarettpreis in der großen Halle im Sportpark Schollbach, der auf den 12. September verschoben wurde. Feller hofft, dass er dafür eine Genehmigung für 180 Teilnehmer erhält.

© SZ vom 03.07.2020

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