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Entlastungspflege in Erding:Entlastung für Pflegeeltern

Jugendamt nimmt Plätze in Wohngruppen des Josefsheims in Wartenberg unter Vertrag, in denen Pflegekinder kurzzeitig unterkommen können, wenn Belastungsgrenze erreicht ist

Der Landkreis will Pflegeeltern entlasten: Man will ihnen eine Entlastungspflege anbieten, wenn sie in schwierigen Situationen oder Krisen vorübergehend die Betreuung ihres Pflegekindes nicht leisten können. Dazu hat das Jugendamt einen Platz in zwei Wohngruppen des Wartenberger Josefsheims unter Vertrag genommen. Damit soll vermieden werden, dass Pflegeeltern in schwierigen Situationen die Pflege abbrechen. Die Einführung der Entlastungspflege geht auf den Wunsch von Pflegeeltern zurück. Beim alljährlichen Pflegeelterntreffen wurde diese Problematik thematisiert. Dieses Angebot sei bislang in Oberbayern einmalig, sagte der Fachbereichsleiter des Jugendamtes, Peter Stadick, im Jugendhilfeausschuss.

Stadick betonte, dass Pflegeeltern in der Regel eine hohe Motivation aufweisen würden, Kinder aus unterschiedlichen Gründen aufzunehmen, beispielsweise aus einem sozialen Verantwortungsgefühl. Die Tatsache, dass die Betreuung eines Pflegekindes auch zu Überforderungssituationen führen könne, könnten sich die Familien oftmals nur schwer eingestehen, da diese in ihren Augen einem Versagen gleichkäme. In der jüngeren Vergangenheit habe sich jedoch immer wieder gezeigt, dass Pflegeeltern an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Als Beispiel nannte Stadick eine Familie, bei der die Mutter der Pflegemutter im Sterben liege.

Eine dauerhafte Überlastung der Pflegefamilie führe letztendlich zum Abbruch des Pflegeverhältnisses. In Einzelfällen sei es in den vergangenen Monaten notwendig gewesen, Vollzeitpflegeverhältnisse zu beenden oder zur Krisenbewältigung Pflegekinder regelmäßig für einige Tage aus den Pflegefamilien zu nehmen und in Bereitschaftspflege-Familien zu geben. Solchen Situationen möchte das Jugendamt Erding künftig bereits frühzeitig entgegenwirken und für die notwendige Entlastung der Pflegeeltern sorgen. Den Vollzeit-Pflegeeltern soll präventiv vom Pflegekinderfachdienst des Jugendamtes eine sogenannte Entlastungspflege angeboten werden. Vorgesehen ist, dass einzelne Plätze in stationären Jugendhilfe-Wohngruppen im Landkreis Erding vorgehalten werden, die für diesen Zweck für einige Tage, insbesondere an den Wochenenden mit Pflegekindern belegt werden. Hinsichtlich der Wochenenden wies Stadick darauf hin, dass auch an den Schulbesuch gedacht werden müsse. Falls die Entlastungspflege unter der Woche stattfinden müsse, habe das Josefsheim aber auch einen Fahrdienst organisiert.

Das Jugendamt habe bereits Gespräche mit dem Josefsheim und der Heimaufsicht der Regierung von Oberbayern geführt. Die Heimaufsicht befürworte dieses bisher einmalige Vorhaben ausdrücklich, da es realistisch geeignet sei, Pflegeeltern für die Pflegekinder möglichst lange zu erhalten, um den Kindern Entwicklungschancen im familiären Kontext zu ermöglichen und zugleich eine Heimunterbringung zu vermeiden. Das Jugendamt Erding strebe einen möglichst zeitnahen Starttermin an. Und sollten die Plätze für die Entlastungspflege zwischendurch mal nicht benötigt werden, so können sie auch als Inobhutnahme-Platz oder auch als regulärer Wohngruppen-Platz belegt werden. Die Art der Belegung stehe dem Jugendamt somit frei. Auch könnten diese Plätze zur Belegung an ein anderes Jugendamt überlassen werden - gegen entsprechende Kostenübernahme. Der Tagessatz für die beiden Plätze werde wie üblich über die Entgeltkommission München vereinbart. Dieser dürfte voraussichtlich zwischen 170 und 200 Euro betragen.

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) ergänzte, dass man Pflegeeltern zudem ermöglichen wolle, auch mal einen Urlaub ohne Pflegekind anzutreten. Deshalb biete man in den großen Ferien ein Jugendzeltlager am Notzinger Weiher für alle Pflegekinder im Landkreis an. Geplant sei zudem, sagte Jugendamtsleiter Stadick, eine Osterferienfahrt in Zusammenarbeit mit der Caritas anzubieten.