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Elektromobilität im Landkreis Erding:Lieber ein Hybridfahrzeug

Elektroautos werden zwar inzwischen öfters gekauft, spielen aber im Landkreis Erding weiterhin nur eine kleine Rolle.

(Foto: Renate Schmidt)

E-Autos verkaufen sich mittlerweile besser, aber stellen nur knapp 0,5 Prozent aller Zulassungen im Landkreis. Finanzielle staatlichen Kaufanreize und neue Modelle mit größerer Reichweite steigern Nachfrage

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Zehn Millionen Elektroautos sollen 2030 in Deutschland unterwegs sein - das ist der Plan der Bundesregierung. Eine Ziel, das wohl nicht erreicht wird, wie eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte zur Elektromobilität in Deutschland zeigt. Und auch im Landkreis Erding gehen die Zulassungszahlen von E-Auto nicht gerade durch die Decke, aber sie nehmen zu. 2020 waren von insgesamt 4209 Autoneuzulassungen 299 mit einem reinen Elektroantrieb. 2019 sind es nur 133 gewesen. Bei allen im Landkreis zugelassenen Fahrzeugen spielen reine E-Autos derzeit aber nur eine kleine Rolle: es sind knapp 0,5 Prozent - 673. Der Anstieg ist neben den großen finanziellen staatlichen Kaufanreizen auch durch die vielen neuen E-Modelle der Autohersteller mit größerer Reichweite begründet.

"Das Geschäft mit Elektroautos war sehr zufriedenstellend im Vergleich zu 2019", sagt Nico Angelov, Verkaufsberater von Opel Häusler in Erding. Die Nachfrage sei deutlich gestiegen. Die meisten Kunden würden nach der Reichweite der Fahrzeuge fragen. Reichweiten von 300 Kilometer seien wichtig. Außerdem, dass es im Komfort und der Geräumigkeit keine Einschränkungen gebe. Hybridfahrzeuge würden bei Häusler nur eine kleinere Rolle spielen. Auch bei Ford Ewald in Erding hat man eine stärkere Nachfrage gemerkt, sagt Melanie Schleifer. Hybridautos würden aber sehr wohl beim Verkauf eine größere Rolle spielen.

"Wir selber haben nur Hybridautos im Angebot", sagt Georg Hausmann vom Toyotahaus Hausmann. 80 Prozent aller verkauften Fahrzeuge in Erding und Dorfen hätten 2020 zwei Antriebsarten an Bord gehabt. Es gebe mehrere Gründe, warum sich Kunden für so ein Fahrzeug interessieren würden: "Zum einen, weil das Auto besser geht, weil es zwei Motoren hat und damit besser abzieht, weil es drei bis vier Liter weniger Benzin braucht und drittens, weil es weniger Steuerlast hat. Und weil letztlich der Wiederverkaufswert in ein paar Jahren höher ist. Einen Diesel will keiner mehr", sagt Hausmann. "Der große Trend wird 2021 bei den Hybridfahrzeugen sein."

Das zeigen auch die Zulassungszahlen für vergangenes Jahr: 836 Fahrzeuge der Neuwagen hatten einen sogenannten Hybridantrieb - eine Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor. 2019 sind es 446 Fahrzeuge gewesen, bei insgesamt 5567 Neuzulassungen.

Auch Theodor Hellbrügge vom VW-Audi-Autohaus Maier in Erding ist mit 2020 zufrieden. "Bei uns ist das E-Wagengeschäft super gelaufen", sagt der Verkaufsleiter. Einen großen Anteil daran habe der neue ID3 von VW gehabt. Aber auch Hybridfahrzeuge seien gut nachgefragt worden. "Bei denen hilft ganz klar die staatliche Prämie", sagt Hellbrügge. Die Reichweite bei den Autos sei immer ein Thema, aber mittlerweile würde vielen Kunden die heute realistisch erzielten Reichweiten von 300 bis 350 Kilometer langen. Der Umweltbonus sei ebenfalls ein Argument.

Das Knackpunkt sei immer noch die Reichweite sagt Manfred Hopf vom Autohaus Kurth in Altenerding. Da man derzeit nur bei Honda ein E-Auto mit rund 220 Kilometer Reichweite im Angebot habe, habe man 2020 weniger E-Autos verkauft als erwartet. Die Nachfrage sei da, aber im Lockdown dürfe man eh keine Neuwagen verkaufen. Hybridautos seien hingegen gut gegangen. Oft aber auch wegen der hohen Förderung bei Geschäftswagen. Nach Angaben des Landratsamtes waren zum Stichtag 4. Januar 2021 im Landkreis Erding 136 234 Fahrzeuge zugelassen. Nur 673 Fahrzeuge sind mit reinem Elektroantrieb unterwegs gewesen - das sind knapp 0,5 Prozent. 597 waren Autos, 33 Lastkraftwagen, 40 Motorräder und drei Zugmaschinen. Zum gleichen Zeitpunkt waren bei der Zulassungsstelle 2076 Fahrzeuge mit Hybridantrieb registriert, zwei davon Lastwagen. Dazu gab es nach Auskunft vom Landratsamt 530 Fahrzeuge mit anderen "alternativen Kraftstoffarten", darunter 339 Autos, die mit Benzin/Flüssiggas angetrieben wurden und ein Motorrad das mit Wasserstoff/Benzin läuft.

© SZ vom 08.03.2021
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