Ein Erdinger und ein Oberneuchinger Mit Spachtel nach Abu Dhabi

Alles läuft: Vitus Pirschlinger (rechts) und Michael Schmidt beim Abschlusstraining.

(Foto: Marco Einfeldt)

Zwei angehende Gärtner fahren zur Berufsweltmeisterschaft

Von Laura Dahmer, Erding

Sägen, spachteln, hämmern, graben - und das in Rekordgeschwindigkeit. Das wird die wichtigste Aufgabe von Vitus Pirschlinger aus Erding und Michael Schmidt aus Oberneuching in Abu Dhabi sein. Die zwei treten bei den "World-Skills" an, einer Weltmeisterschaft für Ausbildungsberufe. Ihre Disziplin: Landschaftsgärtnerei. Vier Tage lang müssen die Auszubildenden dort jeden Tag einen Gestaltungsentwurf umsetzen, gegen 23 Konkurrenten aus Ländern wie China, Kolumbien oder Australien. Ihre Spielwiese ist sieben Quadratmeter groß - 22 Stunden haben die beiden, um aus diesem Platz kleine Gärten zu machen.

Zur Vorbereitung haben Pirschlinger und Schmidt vier Wochen lang jeden Tag in einer Halle ihres Ausbildungsbetriebes, dem Gaissmaier Landschaftsbau in Freising, Steinpfade gebaut, Mauern gezogen und Wasserspiele installiert - unter dem prüfenden Blick von Johannes Gaugel, der die beiden als Teamexperte betreut und nach Abu Dhabi begleitet. "Ich habe versucht, sie an das gesamte Gebiet des Landschaftsbaus heranzuführen und sie teils mit schwierigen und komplizierten Aufgaben konfrontiert", erzählt er. Neben der schnellen Arbeit kommt es vor allem auf eins an: Genauigkeit. Die Abmessungen dürfen nur um ein oder zwei Millimeter von den Vorgaben abweichen. "Wir haben uns erst darauf konzentriert, wirklich präzise zu arbeiten. Dann haben wir unsere Schnelligkeit immer weiter erhöht", erklärt Pirschlinger. Auch die Arbeitsteilung haben sie einstudiert.

Dabei sind die beiden Landschaftsgärtner schon ein eingespieltes Team. Seit drei Jahren bestreiten sie gemeinsam Wettbewerbe, sind schon zwei Mal Bayerischer und in diesem Jahr auch Deutscher Meister geworden. Die World-Skills sind für sie trotzdem ganz anders: "Das ist zum ersten Malein internationales Kräftemessen - mit anderen Kulturen und ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen", erklärt Schmidt. Ihr Ausbilder Martin Gaissmaier sieht darin einen Mehrwert: "Bei dieser Gelegenheit können sie über den eigenen Tellerrand hinausblicken. Die Japaner zum Beispiel haben eine ganz andere Gartenkultur und arbeiten mit anderem Werkzeug. Oder sie können mal sehen, wie ein arabischer Garten ausschaut. Das sind einmalige Chancen." Von diesen Erfahrungen profitiere auch der Betrieb. "Sie kommen dann wieder und sagen mir: ,Chef, so geht das nicht. Ich hab noch Ideen'", sagt Gaissmaier und schmunzelt.

Pirschlinger und Schmidt stehen in diesem Jahr erschwerten Bedingungen gegenüber: Während bisher die genauen Wettbewerbsentwürfe drei Monate im Voraus veröffentlicht wurden, gibt es in diesem Jahr nur noch Skizzen. "An denen wird dann noch 30 Prozent verändert", weiß Schmidt. Damit fällt es dem Team schwerer, sich genau vorzubereiten. "Ich habe sie verschiedene Pflanzungen und Steine ausprobieren lassen, Wasserstellen und Feuerspiele in Übungen eingebaut", sagt Gaugel.

Er gibt sich optimistisch: "Die beiden sind bis in die Zehenspitzen motiviert und sind sehr fleißig." Druck machen sich Vitus Pirschlinger und Michael Schmidt keinen. Sie blicken zwar nervös, aber auch mit Freude auf die Weltmeisterschaft. "Wir holen das Beste aus uns raus, der Rest zeigt sich dann", meint Pirschlinger. Am 15. Oktober geht es los, sein Teamkollege freut sich: "Es ist mein erstes Mal in Abu Dhabi!"