Eigentümer mit Stadtbaumeister im Clinch Neue Ödnis

Viele Stumpen und ein paar Äste, mehr ist nicht übrig geblieben von der Abholzaktion auf dem Grundstück an der Haager Straße in Erding. Schade: Nachbarn hatten gehofft, man könnte einige der schönen alten Bäume in die folgende Bebauung mit integrieren.

(Foto: Renate Schmidt)

An der Haager Straße wurden rigoros Bäume gefällt

Von M. Weber, Erding

Es ist ein wunderbares Stückchen Erding: Zwischen Stadtpark, der Sempt und dem Heiliggeist-Stift gibt es ein kleines Wohngebiet, vier kurze Straßen nur, Einfamilienhäuser, kein Verkehr. Jetzt aber ist die Siedlung entblößt: Wo bis vor kurzem noch viele Bäume - fast schon ein kleiner Wald - die Häuser von der S-Bahn-Strecke und vor allem der viel befahrenen Haager Straße abgeschirmt hat, ist nun - nichts mehr. Die vielen Bäume auf dem Grundstück an der Haager Straße, zwischen der Tankstelle, der Siedlung und dem Fischers Seniorenzentrum, sind innerhalb von drei Tagen abgeholzt worden. Ein echter Kahlschlag. Übrig geblieben sind nun noch ein uraltes, halb verfallenes Bauernhaus und ein verlassenes Wohnhaus.

In der jüngsten Sitzung des Stadtrates wollte Hans Balbach (Erding Jetzt) wissen, was auf dem prominenten Grundstück passiert ist. Stadtbaumeister Sebastian Henrich gab Auskunft: Zweimal sei der Eigentümer wegen einer Bauvoranfrage bei ihm Vorstellig geworden; auf dem 6100 Quadratmeter großen Grundstück ist offenbar Wohnbebauung geplant. Henrich wollte sich aber auf keine Gespräche einlassen, sagte er, bevor nicht klar ist, was mit den Bäumen auf dem Grundstück passiert. Er wollte die Bäume gezählt und vermessen wissen und Auskunft über deren Vitalität.

Aus den Aussagen Henrichs war herauszuhören, dass man wohl nicht gut miteinander auskam. Sie sieht die Abholzung an der Haager Straße nun aus wie eine Trotzreaktion. Die aber rechtlich offenbar nicht zu beanstanden ist: Die Stadt hat keine Baumschutzverordnung und das Gebiet ist nicht durch einen Bebauungsplan überplant, der Vorgaben zum Baumbestand machen könnte. Dass es nun bald vorangeht mit der Wohnbebauung an der Haager Straße ist unwahrscheinlich. Henrich deutete an, einen Bebauungsplan aufstellen zu wollen, und das kann dauern. Auch darin enthaltene Vorgaben, etwa was die Größe und Höhe der Bebauung angeht, könnte beim Investor nicht auf Begeisterung stoßen. Die Investition in das Grundstück soll nicht gering gewesen sein, sollten nun nur Einfamilienhäuser erlaubt werden, würde das den Gewinn schmälern.

Die Nachbarn in der Siedlung am Stadtpark bedauern, dass die Bäume weichen mussten. Sie hätten sich gewünscht, dass man einige von ihnen in die Neubebauung mit einbezieht. Nebenan geht man pfleglicher mit dem Baumbestand um. Matthias Vögele, Geschäftsführer der Fischers Stiftung, lässt in seinem kleinen Wald jedes Jahr eine Baumbeschau durchführen. Er sieht die Bäume als Kapital, das dem Bild der Stiftung zuträglich sei. Auf dem Nachbargrundstück ist die Chance aber vertan und es herrscht erst einmal Ödnis: Vögele hat schon einige verwirrte Eichhörnchen beobachtet, die nicht mehr wissen, wo ihre Bäume geblieben sind.