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Diebstahl in Erding:Teurer als Gold

Katalysator-Diebe machen den Landkreis unsicher. Sie suchen nach Platin und Rhodium

Von Thomas Daller, Erding

Spezialisierte Diebe haben es auf Katalysatoren abgesehen: Seit Anfang Februar wurden sie bei fünf Fahrzeugen im Landkreis entwendet. Die Diebe gehen dabei sehr dreist vor: Bei je einem Fall in Dorfen und Erding schlugen sie in aller Öffentlichkeit auf dem jeweiligen Bahnhofsparkplatz zu. Bei einem weiteren Fall in Finsing hatten sie es auf drei Fahrzeuge abgesehen, die die dortige Feuerwehr zu Übungszwecken verwendet. In Verdacht stehen dabei zwei 30 bis 40 Jahre alte Männer, die kurz davor die Katalysatoren kaufen wollten. Als die Feuerwehr ablehnte, waren die Katalysatoren dennoch kurz darauf weg. Die Polizeiinspektion Erding hat die Fälle an eine bundesweite Ermittlungsgruppe weiter geleitet, die gegründet wurde, weil diese Fälle seit etwa zwei Jahren rasant zugenommen haben.

Früher wurden vornehmlich Navis und Autoradios gestohlen, doch mittlerweile haben ihnen Katalysatoren den Rang abgelaufen. Im Landkreis Erding ist das Phänomen noch neu. Harald Pataschitsch, Leiter der Polizeiinspektion Erding, sagte, bis Mitte Sommer 2020 seien diese Diebstähle überwiegend außerhalb Bayerns aufgetreten, aber nun hätten sie auch hier rasch zugenommen. Das bestätigt auch das Landeskriminalamt: Die Zahl der bis Anfang Dezember 2020 im Freistaat erfassten Taten liege im unteren dreistelligen Bereich. Von 2016 bis 2018 seien noch weniger als zehn Fälle pro Jahr gemeldet worden, 2019 sei die Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich gelegen. Deutlich sei die Zahl der Diebstähle noch einmal seit Mitte des Jahres 2020 gestiegen.

Der Anstieg der Diebstähle könne mit einem Preisanstieg bei Edelmetallen in Zusammenhang stehen, vermutet das LKA. Im Katalysator gibt es einen wabenartigen Keramikträger. Dort befinden sich teure Edelmetalle, um in einem katalytischen Prozess Abgase zu wandeln: Beispielsweise vier Gramm Platin. Das kostet 24 Euro pro Gramm. Dazu noch etwas Palladium und Rhodium. Ein Gramm Palladium bringt auf dem Rohstoffmarkt mehr als 62 Euro. Im Dezember 2018 überstieg der Palladiumpreis erstmals seit 2002 wieder den Goldpreis. Bei Rhodium, das extrem selten ist, kommt es sogar vor, dass ein Gramm zehnmal so teuer ist wie ein Gramm Gold.

Parallel zu diesem starken Preisanstieg begannen die Katalysator-Diebstähle, denn die Geräte lassen sich recyceln. Über einen grauen Markt gelangen die Rohstoffe wieder zu den Herstellern. Die Diebe haben leichtes Spiel: Wie die Polizei anhand von Überwachungsvideos festgestellt hat, erfolgen solche Diebstähle innerhalb weniger Minuten. Eine Akkuflex genügt. Nach Angaben des Landeskriminalamts Bayern sind vor allem Mittelklasse-Autos der Marken Volkswagen, BMW, Opel und Mercedes betroffen. Bei Kleintransportern wie beim Mercedes Sprinter müssen die Täter den Wagen nicht einmal aufbocken. Von außen ist erstmal nichts zu sehen, bis der Fahrer den Zündschlüssel umdreht, das Warnlicht zur Lambda-Sonde angeht und der Auspuff zu röhren beginnt.

Die Polizei nimmt an, dass es sich überwiegend um Bandenkriminalität handelt. Diese Banden sind häufig auf leichte Beute auf Parkplätzen oder schlecht bewachte Schrottplätze spezialisiert. Es geht aber auch richtig teuer: Den größten Schaden richteten Katalysator-Diebe in Bayern bislang in Gersthofen bei Augsburg an. Mehr als 100 Neuwagen bauten Unbekannte Anfang Dezember 2020 auf einem Werksgelände auseinander, um Katalysatoren zu entwenden. Die Diebe erbeuteten Polizeiangaben zufolge Teile im Wert einer sechsstelligen Summe.

Man kann sich als Autobesitzer kaum gegen diese Diebe wappnen. Der ADAC empfiehlt lediglich, die Fahrzeuge in der Garage abzustellen. Für die beiden Pendler, aus deren BMWs am Dorfener und Erdinger Bahnhof die Katalysatoren gestohlen wurden, ist das nur ein schwacher Trost. Die Polizei bittet daher Zeugen, die verdächtige Beobachtungen machen, sich umgehend an die beiden Inspektionen im Landkreis zu wenden.

© SZ vom 10.02.2021
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