"Das ist kein Spaß" Gefahr fürs Trinkwasser

Ein Unbekannter befüllt in Schwaig einen Anhänger aus dem Hydranten mit einem nicht genehmigten Anschluss - eine Gefahr fürs Trinkwasser.

(Foto: Zweckverband/oh)

Der Zweckverband Moosrain befürchtet durch unsachgemäßes Anzapfen der Hydranten eine Kontaminierung der Leitungen

Von Regina Bluhme, Erding

Diebe bereiten dem Zweckverband zur Wasserversorgung Moosrain Probleme: Sie zapfen ohne Genehmigung die Hydranten im Verbandsgebiet von Oberding, Eitting, Moosinning, Neuching und Finsing an. Wobei der Diebstahl laut Zweckverband finanziell kaum ins Gewicht fällt. Viel schlimmer ist, dass durch das Anzapfen Keime ins Trinkwasser gelangen können. Im April war es schon mal so weit, erklärte Wolfgang Haberger, Geschäftsleiter des Zweckverbands, am Dienstag im Gemeinderat Oberding.

Das Anzapfen der öffentlichen Hydranten ist grundsätzlich erlaubt. Aber Baufirmen beispielsweise, die auf Wasser angewiesen sind, müssen zuvor eine Genehmigung einholen und sich ein von der Gemeinde freigegebenes Anschlussrohr mit entsprechender Sicherungseinrichtung und einen Wasserzähler ausleihen. Das hat eine Firma, die im April mit der Kanalreinigung in Eicherloh zu Gange war, nicht gemacht. Sie zapfte den Hydranten mit einer eigenen, fremden Verbindung an. "Wir haben davon erfahren, es wurde per Foto dokumentiert und dann haben wir gleich sofort gespült und Wasserproben genommen", so Wolfgang Haberger. Das Ergebnis der Probe "war nicht gut". Das Gesundheitsamt wurde informiert, es erfolgte ein weiterer Spülgang und es wurden mehrere Proben genommen. "Nach der zweiten Spülung haben wir grünes Licht bekommen", sagte Haberger. Er hatte mehrere Fotos zur Sitzung mitgebracht. Der Vorgang ist nämlich kein Einzelfall, wie Haberger mit weiteren Bildern belegte: An der Hauptstraße in Oberding ist eine Firma mit Teerschneidearbeiten zu Gange, vor der Schule in Oberding wird die Grünanlage gepflegt, in Niederding ist ein Betrieb mit der Kanalreinigung beschäftigt - und jedes Mal wird der Hydrant mit einem eigens mitgebrachten Verbindung angezapft. Niemand wisse, mit was der Anschluss vorher in Berührung gekommen sei, wie und wo er gelagert wurde. Zum Glück hätten diese Fälle aber zu keinerlei Verunreinigung geführt.

Es gehe hier gar nicht ums Geld, betonte Haberger. 1000 Liter kämen gerade mal auf 77 Cent. Aber: Es bestehe bei jeder unsachgemäßen Entnahme die Gefahr dass das Trinkwasser kontaminiert werde. "Ich will nicht einmal dastehen und verkünden müssen, dass wir unser Trinkwasser in Oberding abkochen müssen", erklärte Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU). Wer sich "kostenlos am Wasser bedienen will", der sollte aber auch bedenken, dass er damit auch womöglich Keime in das Trinkwasser bringe, "und das ist kein Spaß".

Thomas Altstetter, Prokurist der Stadtwerke Erding, verweist auf ein weiteres Problem. Wenn der Anschluss nicht fachgerecht angebracht werde, könnten theoretisch durch Druckstöße die Leitungen beschädigt werden. Aktuell gebe es aber beim Hydrantenanzapfen in seinem Bereich keine Probleme. Wer einen Anschluss brauche, der bekomme ihn auch genehmigt, aber dann mit einem Rohranschluss inklusive Wasserzähler. Dafür verlangt Erding eine Kaution zwischen 500 und 900 Euro.

Auch der Zweckverband hat entsprechende Standrohre zum Ausleihen. Laut Haberger wird dort 500 Euro Kaution verlangt zuzüglich 120 Euro Bearbeitungsgebühr plus Grund- und Wassergebühr. Wer sich ohne Genehmigung bedient, der begeht Diebstahl, betonte Haberger. Der Zweckverband werde im Fall des Falles auch Anzeige erstatten. Verbessert werden müsse auch die Zusammenarbeit mit den Straßenmeistereien, die zum Beispiel an Staatsstraßen tätig sind. "Diese wissen oft nicht, welcher Hydrant zu welcher Gemeinde gehört."

Haberger und Mücke versuchten es mit einem Appell: Wer "verdächtige Wasserentnahmen" bemerke, solle diese bitte melden. Auch wer Firmen "wasserrelevante Aufträge" erteile, solle diese darauf hinweisen, sich mit dem Zweckverband in Verbindung zu setzen. Gemeinderätin Gabi Kronseder (SPD) schlug vor, den Appell im Amtsblatt zu veröffentlichen. "Das haben wir schon mal gemacht", erwiderte Mücke wenig zuversichtlich.