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Coronavirus im Landkreis:Latte gerissen

Der Landkreis Erding überschreitet nun einen Warnwert: Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 41,3. Jetzt greifen auch hier die Maßnahmen wie Sperrstunde und erweiterte Maskenpflicht

Von Antonia Steiger, Erding

Nun hat auch der Landkreis Erding den Warnwert von 35 Corona-Neuinfizierten pro 100 000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen überschritten. Darüber setzte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) die Öffentlichkeit am Mittwochmittag in Kenntnis sowie über die Folgen, die dieser Umstand für die Bürger hat: Von sofort an dürfen sich nur noch höchstens zehn Personen oder Mitglieder aus zwei Hausständen treffen. Die Maskenpflicht wird ausgedehnt, unter anderem auf Marktplätze wie den Schrannenplatz und auch die Lange Zeile in Erding, außerdem an S-Bahn- und Busbahnhöfen, vor Einkaufszentren, bei Wochenmärkten und bei Demonstrationen oder Messen. Und neuerdings setzt um 23 Uhr die Sperrstunde ein. Diese Verordnung gilt vorerst bis Sonntag, 25. Oktober.

Lange durfte man sich im Landkreis Erding sicherer fühlen als in der Nachbarschaft: Während dort die Sieben-Tage-Inzidenz zum Teil die 50 weit überschritten hat, blieb der Landkreis Erding sogar unter dem Warnwert von 35. Am Mittwoch hat er nun doch 41,3 erreicht. 17 Fälle waren über Nacht hinzugekommen, insgesamt stieg deren Zahl auf 973. Bis das Landesamt für Gesundheit und das Robert-Koch-Institut in seinen Grafiken die Kennzeichnung des Landkreises laut bayerischer Corona-Ampel aktualisiert hat, dürfte es aber noch ein paar Tage dauern, sagte Bayerstorfer. Er setze nun auf die Solidarität und Rücksichtnahme in der Bevölkerung, wie auch die Gesundheitsamtsleiterin Sibylle Borgo: Sie sagte bei dem Pressegespräch am Mittwoch im Landratsamt, man arbeite weiterhin mit zehn Vollzeitkräften und vier Teilzeitkräften an der Ermittlung von Kontakten infizierter Personen, und es werde noch weitere Unterstützung geben. Bislang klappe alles ganz gut.

Aber wenn die Zahlen weiter steigen, reiche die Nachverfolgung nicht mehr aus. Dann sei es dringend erforderlich, dass die Kontakte eingeschränkt werden, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Weil das Contact Tracing aber bislang gut funktioniert habe, befänden sich Betroffene manchmal schon in Quarantäne, wenn bei ihnen eine Infektion festgestellt werde. Dies ist Borgo zufolge ein Grund, weswegen die Infiziertenzahlen im Landkreis niedriger seien als anderswo. Zuversichtlich zeigte sich auch Dirk Last, Ärztlicher Direktor des Klinikums Erding: Eine Person mit Covid-19 wird derzeit im Klinikum behandelt, in der vergangenen Woche sei zuletzt ein Covid-Patient auf der Intensivstation gelegen, den man wegen der besseren Beatmungsmöglichkeiten mittlerweile aber nach Großhadern verlegt habe. Eine Infektnotaufnahme oder eine eigene Corona-Intensivstation seien derzeit nicht erforderlich. Im Moment könne das Klinikum auch alle ambulanten Leistungen anbieten. Bei steigenden Zahlen müsse dies aber vermutlich eingeschränkt werden.

"Wir können sofort reagieren", betonte auch Bayerstorfer. Wie Borgo sagte, finden die meisten Ansteckungen im Familienkreis, in der Arbeit und im privaten Umfeld statt, teilweise werden sie auch aus anderen Landkreisen eingetragen. Große Familienfeiern als Ursprung größerer Ansteckungen seien nicht bekannt. Bayerstorfer betonte, dass in Kindertagesstätten und Schulen keine Verbreitung feststellbar sei. Daher gebe es keine neue Richtlinien. Ob Masken in den weiterführenden Schulen am Platz getragen würden müssen, entschieden die Schulen.

Bürgerversammlungen, wie es zuletzt eine am Dienstag in der Semptsporthalle in Erding gegeben hat, wird es im Landkreis wohl nur noch wenige gebe. Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 sollen sie nicht mehr stattfinden, darauf hat sich Bayerstorfer laut eigener Aussage mit Hans Wiesmaier verständigt, dem Sprecher der Bürgermeister im Landkreis. Er sehe die Demokratie nicht in Gefahr, sagte Bayerstorfer, wenn in einer Gemeinde mal keine Bürgerversammlung stattfinde, auch wenn dies die Gemeindeordnung anders vorschreibe. Deutlich mehr als hundert Besucher zuzulassen, wie es ein Bürgermeister geplant hatte, das werde er nicht dulden.

Allgemein gelte aber, dass Veranstaltungen mit bis zu hundert Personen in geschlossenen Räumen erlaubt seien, und mit bis zu 200 Personen, wenn feste Sitzplätze zugewiesen seien. Auch die Parteien müssten sich etwas einfallen lassen, sagte Bayerstorfer. Bald stünden die Nominierungsversammlungen an.

© SZ vom 22.10.2020

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