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Corona im Landkreis:Zuversichtlich durch die zweite Welle

Zwar ist die Zahl der Covid-19-Neuinfizierten unverändert hoch und die schweren Verläufe nehmen zu. Aber im Klinikum Erding stehen derzeit noch ausreichend Kapazitäten zur Verfügung

Von Thomas Daller, Erding

Das Klinikum Erding kommt nach Angaben des Landratsamtes noch gut durch die zweite Corona-Welle. Es gibt zwar im Vergleich zur ersten Welle mehr multimorbide Patienten mit schwereren Verläufen und auch der Krankenstand des Pflegepersonals ist höher als im November 2019, aber es stehen noch ausreichend Kapazitäten zur Verfügung. Auch das Hilfskrankenhaus am Fliegerhorst Erding wurde zurückgebaut, man geht derzeit nicht davon aus, dass das Infektionsgeschehen so entgleitet, dass man es dennoch benötigen könnte. Zudem wurde das Klinikum Dorfen bislang als "weiße Klinik" ohne Corona-Patienten geführt. Das wird nach aktuellem Stand so beibehalten.

Am Dienstag gingen die Zahlen wieder nach oben: Dem Gesundheitsamt wurden 95 neue Covid-Fälle im Landkreis gemeldet. Es gab erneut einen Todesfall, somit steigt diese Zahl auf 18. In den vergangenen sieben Tagen gab es damit im Landkreis Erding auf 100 000 Einwohner bezogen 209,4 Neu-Infizierte (Sieben-Tage-Inzidenz). Die Zahl der Genesenen steigt um 64 auf 1703 Personen. Damit gelten derzeit 481 Personen als infiziert (Vortag: 451). Im Klinikum Landkreis Erding werden derzeit 17 Covid-19-Patienten behandelt, vier davon auf der Intensivstation. Davon wird einer beatmet. Derzeit ist die Isolierstation 2B mit 13 Patienten belegt (Stand 24. November). Theoretisch wäre die Station bei entsprechender Kohortierung mit maximal 38 Patienten belegbar.

Aufbau von Corona-Notfallkrankenhaus in Erding, 2020

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt zwar im Landkreis Erding wieder über 200. Dennoch glaubt man im Landratsamt. dass das im Frühsommer geschaffene Behelfskrankenhaus auf dem Fliegerhorstgelände weiterhin nicht in Betrieb genommen werden muss.

(Foto: Renate Schmidt)

Ob die Schwere der Verläufe bei diesen Patienten in der zweiten Welle eher zu- oder abgenommen habe, sei im Moment noch nicht abschließend beurteilbar, sagte Landratsamts-Pressesprecherin Daniela Fritzen: "Was aber auffällt, ist, dass auf der Infektstation, also nicht auf der Intensivstation, vermehrt multimorbide Patienten liegen im Vergleich zur ersten Welle. Insofern haben wir es hier derzeit mit schwereren Verläufen zu tun." Die durchschnittliche Verweildauer der Covid-Patienten betrug im Zeitraum von Beginn der Pandemie bis zum 31. Oktober elf Tage.

Die Pandemie prägt die Arbeitsabläufe im Klinikum: Aktuell werden bereits wieder manche planbaren Eingriffe verschoben. Von den sechs zur Verfügung stehenden OP-Sälen sind derzeit vier regelhaft in Betrieb. Die Intensivstation wird durch die Ärzte der Abteilung Anästhesie mit aktuell 21,0 Vollkräften betreut sowie durch die Pflege mit aktuell 28,2 Vollkräften betreut. Hinzu kommen 20,0 Vollkräfte in der Pflege auf der Intermediate Care sowie 10,7 Vollkräfte auf der Schlaganfalleinheit. Wie in der ersten Welle bestehe zudem die Möglichkeit, auf Personal aus der Anästhesiepflege im OP zurückzugreifen.

Weaning-Station im Klinikum Harlaching, 2016

Ein Corona-Patient im Klinikum Erding muss derzeit beatmet werden. Insgesamt werden dort 17 Patienten behandelt.

(Foto: Florian Peljak)

Verlegungen nach München für aufwendig zu beatmende Patienten finden statt. Verlegungen von Patienten zwischen den Kliniken sind ebenfalls möglich, das werde durch den Ärztlichen Leiter Krankenhauskoordination koordiniert. Die Verlegung von Patienten in andere Kliniken sei auch außerhalb von Pandemiezeiten gängig und werde daher auch jetzt, wo nötig, durchgeführt. Dabei werden sowohl Patienten von anderen Krankenhäusern nach Erding verlegt als auch umgekehrt.

Die Überstundenbelastung sei uneinheitlich: Durch das Herunterfahren könnten in manchen Bereichen Überstunden sogar abgebaut werden. In den Hochrisikobereichen bis hin zum Reinigungsdienst komme es zu einem erhöhten zeitlichen Arbeitsaufkommen.

Der Klinik sei es in den vergangenen Monaten zudem gelungen, trotz nahezu leer gefegtem Arbeitsmarkt für Pflegekräfte, weiteres Pflegepersonal einzustellen. Von Januar bis Dezember dieses Jahres habe man die Vollkräfte auf der Intensivstation von 24,4 auf 28,2 aufgestockt, auf der Intermediate Care von 19,2 auf 20,0 und in der Schlaganfalleinheit von 9,1 auf 10,7, teilte Fritzen mit.

© SZ vom 25.11.2020
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