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Corona im Landkreis Erding:Die Kurve flacht weiter ab

Versorgung von Patienten ist laut Landrat Bayerstorfer gesichert

Der Landkreis Erding bewältigt die lokalen Anforderungen durch die Corona-Pandemie im Moment gut. Wie Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) am Dienstag bei einem Pressegespräch mitteilte, flacht nicht nur die Kurve der Neuansteckungen weiter ab. Auch gibt es in der Isolierstation des Klinikums Erding noch freie Kapazitäten. Ebenso sind die Screeningstellen noch nicht an ihrem Limit angekommen: Eine Stelle in Taufkirchen ist schon lange eingerichtet, musste bislang aber nicht in Betrieb genommen werden, weil die bestehenden drei in Erding und Dorfen den Bedarf bewältigen. Und auch das Behelfskrankenhaus am Fliegerhorst mit 160 Betten ist startklar für den Betrieb. Benötigt wird es im Moment nicht.

Von 424 auf 442 ist die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle von Montag auf Dienstag im Landkreis Erding gestiegen. Montags seien es meist etwas mehr, sagte Bayerstorfer. Dann lägen die Testergebnisse vom Wochenende vor. Im Klinikum lagen am Dienstagnachmittag 28 Corona-Patienten: 19 auf der Isolierstation und neun auf der Intensivisolierstation. Sechs dieser neun Patienten wurden beatmet. Insgesamt verfügt das Klinikum Erding über 19 Beatmungsgeräte, nur acht davon sind Intensivbeatmungsgeräte. Die weiteren elf sind normalerweise in den Operationssälen in Gebrauch, sie werden im Moment nicht zur Behandlung von Corona-Patienten benötigt. Von den acht Intensivbeatmungsgeräten werden derzeit sieben benötigt, sechs für Corona-Patienten und eines für einen anderen Patienten. Kapazitäten gibt es auch auf der vergrößerten Isolierstation am Klinikum: Insgesamt stehen dort 78 Betten zur Verfügung, 36 waren am Dienstagnachmittag frei. In den belegten Betten lagen 28 Covid-19-Patienten und von ihnen räumlich getrennt weitere 14 Patienten, die isoliert werden müssen.

In engem Austausch steht das Krisenmanagement am Landratsamt mit den Pflegeeinrichtungen, von denen es 15 im Landkreis gibt, teils für ältere Bewohner, teils für Menschen mit Behinderungen. Wie Bayerstorfer sagte, gibt es in den Einrichtungen derzeit keine Engpässe im Pflegepersonal, wie sie woanders schon eingetreten sind, weil Pflegerinnen und Pfleger erkrankt waren oder vorsorglich in Quarantäne gehen mussten. In drei dieser Einrichtungen gab es schon Corona-Fälle. Die Betroffenen wurden isoliert, was für die Heime keine besondere Herausforderung darstelle. Denn isoliert werden mussten Bewohner auch früher schon, wenn sie zum Beispiel am Norovirus erkrankt waren. Drastische Fälle mit Ansteckungsketten in Heimen hat es nicht gegeben.

Dennoch gilt der Landkreis Erding weiterhin als Hotspot in Bayern, wie Bayerstorfer sagte - auch wenn es anderswo, zum Beispiel im benachbarten Landkreis Freising mehr bestätigte Fälle pro 100 000 Einwohner gibt: 305,83 waren es am Dienstag, 10 Uhr, laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Landkreis Erding, 399,74 im Landkreis Freising und 309,32 im Landkreis Dachau. Man habe sich um diesen Status nicht beworben, sagte Bayerstorfer am Dienstag, ihm sei dies mitgeteilt worden. Die Einstufung als Hotspot hat auch Vorteile für den Landkreis Erding: In Kürze sollen weitere Beatmungsgeräte geliefert werden. Auch der Aufbau des Behelfskrankenhauses erfolgte aus diesem Grund in Erding. Bayerstorfer rechnet des Weiteren mit zwei weiteren Ärzten für den Gesundheitsdienst und 15 Mitarbeitern, "die uns unterstützen werden". Als weitere Maßnahme sind im Landkreis zwei Schwerpunktpraxen geplant, die die Hausärzte entlasten sollen. Corona-Verdachtsfälle sollen dort betreut werden.

"Tief beeindruckt" sei er, sagte Bayerstorfer, von den vielen Freiwilligen, die sich im Landkreis Erding engagieren. Er schilderte den Fall einer Frau aus Niederding, die mit weiteren dreißig Helfern 1000 Behelfsmasken zum Schutz von Mund und Nase nähe. Nur die Materialkosten übernehme der Landkreis, alles andere geschehe unentgeltlich. "Es wird keine Gegenleistung erwartet", sagte Bayerstorfer. Insgesamt würden derzeit 6000 Behelfsmasken produziert. Das seien zwar keine medizinische Masken, könnten aber bei Bewohnern von Pflegeheimen, Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes und des öffentlichen Nahverkehrs zum Einsatz kommen. Wer sich ebenfalls engagieren will, kann sich unter 08122/58-1788 im Landratsamt Erding melden.

© SZ vom 08.04.2020

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