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Cineplex-Filmtheater in der Krise:Trübe Aussichten, vage Hoffnungen

Seit Anfang November ist das Erdinger Cineplex-Kino mit seinen zehn Vorführungssälen wieder geschlossen.

(Foto: Renate Schmidt)

Alle Kinos sind geschlossen. Veronika Fläxl, Geschäftsführerin der Cineplex-Filmtheater in Erding und Neufahrn, musste bereits 80 von 200 Mitarbeitern kündigen. Doch sie beteuert auch, dass es nach dem Lockdown weitergehen wird - "irgendwie"

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Über vier Generationen hinweg, seit 1912, betreibt die Familie Fläxl Kinos. Den Filmtheaterbetrieben Fläxl gehören die Multiplexkinos in Erding, Neufahrn und Vilsbiburg mit insgesamt 33 Kinosälen. Zehn davon gibt es in Erding. Seit Anfang November lief dort kein einziger Film mehr. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Geschäftsführerin Veronika Fläxl glaubt nicht, dass die Kinos vor März wieder aufmachen dürfen. Gerüchten über eine endgültige Schließung ihrer Kinos erteilt sie jedoch eine Absage: "Wir kriegen das irgendwie hin und uns wird es danach noch geben - aber das ,irgendwie' kann ich mittlerweile nicht mehr aus dem Satz rauskürzen."

Coronabedingt musste Fläxl bereits 80 der vormals 200 Mitarbeiter entlassen. Nur in der Verwaltung gebe es noch ordentlich etwas zu tun. Die anderen Mitarbeiter, die sonst im laufenden Betrieb beschäftigt waren, und noch nicht gekündigt sind, sind in Kurzarbeit. Die kommenden Wochen würden noch einmal ganz hart, befürchtet Fläxl. Über den Jahreswechsel sei ihr Betrieb ja noch gut hinüber gekommen, auch über Januar und Februar werde das so sein, mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit". Spannend werde jedoch der Monatswechsel von Februar auf März.

Wenn Fläxl nach vorne schaut, blickt sie auch zurück, auf die Zeit nach dem ersten Lockdown: "Unser Konzept war eigentlich sehr erfolgreich und kann auch wieder erfolgreich sein, das trauen wir uns zu sagen." In den Wochen, in denen die Kinos im vergangenen Jahr auf waren, "haben wir zwar nicht rentabel gearbeitet, aber wir haben uns kontinuierlich an die schwarze Null heran gearbeitet." An einem guten Sonntag kamen früher 3500 bis 4000 Gäste ins Cineplex-Kino Neufahrn. Zuletzt seien es im besten Fall 800 Besucher gewesen. Fläxl ist sich in einem aber sicher: "Die Leute wollen ins Kino. Wir hätten wesentlich mehr Tickets verkaufen können, als wir durften. Wir gehen davon aus, dass das Interesse der Leute weiter da ist und heuer auch das Filmangebot wieder stimmt - wenn die Kinos wieder öffnen dürfen."

Um mit kleineren Fixkosten über die Runden zu kommen, ist der ganze Betrieb umstrukturiert worden, sagt Fläxl. "Wir drehen an jeder kleinen Schraube." Wie es weiter geht, sei jedoch ein Blick in eine trübe Glaskugel: "Wir wissen nicht, wann wir wieder aufmachen dürfen und unter welchen Bedingungen. Wir wissen nicht, wie viel Personal wir dann noch haben oder brauchen werden. Wenn man nur ein Drittel an Gästen haben darf, müssten die eigentlich das Dreifache zahlen, um einigermaßen wirtschaftlich zu sein." Nur kurzfristige und vorübergehende Öffnungen machten für einen Kulturbetrieb wie ein Kino jedoch keinen Sinn.

Alle Rücklagen des Familienunternehmens seien aufgebraucht, sagt Fläxl. Sie müsse ans Privatvermögen gehen oder einen Kredit aufnehmen, wenn die staatlichen Hilfen zu wenig, zu spät oder gar nicht kommen. Kredite zu erhalten sei jedoch nicht einfach, da die Banken sehr restriktiv seien, wenn keine Sicherheiten da seien. Die staatlichen Hilfen seien nicht so geflossen, wie es zugesagt war, sagt Fläxl, das sei nicht nur bei ihnen der Fall gewesen. Von der Novemberhilfe sei noch gar nichts angekommen. Es gebe zwar verschiedene Töpfe, die man anzapfen könne. Die Formalien seien aber teils sehr kompliziert und das Geld käme von verschiedenen Stellen und Programmen. "Vor allem kleinere Betriebe tun sich da bestimmt sehr schwer."

"Im Moment wird bei allen Betrieben Geld verbrannt, in rauen Mengen", sagt Fläxl, "aber ich kann ja nicht einfach darauf verzichten, meinem Vermieter Geld zu geben, oder die Versicherungen, Strom oder das Telefon zu zahlen. Wir haben deshalb zuletzt extrem auf die Kostenbremse getreten und das Geld sehr, sehr stark zusammengehalten. Dementsprechend stehen wir nicht pleite da, aber das Konto ist sehr leer." Bisher sei eben doch irgendwann die nächste Fördersumme eingetrudelt und es habe gerade so gereicht. Das werde auch in den kommenden Monaten so sein. Der Jahreswechsel sei für viele Unternehmen allerdings bitter, sagt Fläxl, weil die zugesagte staatliche Unterstützung noch nicht da sei. Aus rechtlicher Sicht müssten eigentlich viele Betriebe Insolvenz anmelden.

Veronika Fläxl hofft auf ein versöhnliches Jahr. 2021 habe ein sehr schönes Filmangebot, da ja 2020 viele Filmstarts auf dieses Jahr verschoben wurden. "Es liegt vieles in der Schublade. Und es kommt noch viel dazu, da sind ein paar echte Schmankerl dabei. Es wird nicht aufhören Kino zu geben."

© SZ vom 13.01.2021
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