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Neues Kunstwerk für Buch:Ungünstige Assoziationen

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Ein Bild der goldenen Abstraktion der Bucher Kirche hatte für Irritationen gesorgt.

(Foto: oh)

Im Rahmen des Erdinger Holzbildhauer-Symposiums soll Buch am Buchrain ein neuen Kunstwerk bekommen. Es soll an die Kirchen des Ortes erinnern, manche denken dabei aber an etwas ganz anderes.

Klein wird das Kunstwerk nicht: Zwischen 1,50 und 1,80 Meter wird es groß sein, 90 Zentimeter im Durchmesser, schwer wird es sein und aus dem Stamm einer Roteiche geschnitzt. "Über 1200 Jahre Buch" wird der Name des Werkes sein, und die Bürger der Gemeinde Buch am Buchrain werden bestimmt viel reininterpretieren können, wenn es dann vor dem Gemeindehaus aufgestellt wird. Nur eine Assoziation soll auf jeden Fall vermieden werden: dass das Werk aussieht wie ein riesiger Phallus.

Ganz unbegründet ist diese Angst nicht. Eine erstes Bild von dem Werk, das im Rahmen des Holzbildhauersymposiums in Isen während der kommenden Woche entsteht, hatte im Vorfeld der Veranstaltung für Aufregung gesorgt. Das Bild zeigt die goldene Abstraktion der Bucher Kirche. Die Abbildung - die einzige, die bisher von dem Werk existierte - hat zuerst für ungünstige Assoziationen gesorgt in Buch und dann zu einer längeren Diskussion über Sinn und Unsinn von Kunst während der letzten Gemeinderatssitzung vergangenen Dienstag.

Wolfgang Fritz nimmt die Sache mit Humor. Er organisiert das Symposium, das von heute an im Isener Meindlpark stattfindet. Künstler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum werden eine Woche lang Werke erschaffen, die dann jeweils einer teilnehmenden Gemeinde übergeben und dort im öffentlichen Raum ausgestellt werden. Florian Bunner heißt der Künstler, der für Buch arbeiten sollte. Mit seinem Werk will der Landshuter auf die lange Geschichte des Ortes eingehen: Als die kleine Holzkirche des Ortes zum ersten Mal Erwähnung fand, und als die Gemeinde wuchs, auch eine zweite, größere Kirche entstand. Beide Kirchen sind auf dem ersten Entwurf zu sehen, den die Bucher zuerst durch den Flyer zum Symposium zu Gesicht bekamen; den er in den teilnehmen Gemeinden verteilt.

Blöd gelaufen, sagt Organisator Fritz: Die Kommunikation in Buch habe nicht richtig funktioniert. Bürgermeister Ferdinand Geisberger habe zwar die Modalitäten mit Fritz besprochen, den Gemeinderat aber nicht richtig informiert. Die Räte bekamen den ersten Entwurf erst durch die Postwurfsendung zu sehen - der Aufruhr war da.

Vergangenen Dienstag war der kleine Skandal dann noch einmal Thema im Gemeinderat, und offenbar gab es noch einigen Redebedarf, eine Stunde lang wurde diskutiert. Auch Wolfgang Fritz und der Künstler Florian Bunner waren auch dabei. Der wollte sein Werk aus der Schmuddelecke wieder ins rechte Licht rücken: Er brachte Skizzen mit, die das Werk in Gänze zeigen soll, und nicht nur den einen unanständigen Ausschnitt des Flyers. Die große und die kleine Kirche werden darauf von zwei Händen umgeben, die zum einen den Bischof von Freising symbolisieren, der vor mehr als 1200 Jahren die kleine Holzkirche gestiftet hatte; zum anderen stehen sie für den Zusammenhalt der Bürger des Ortes.

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Eine Skizze sollte diesen Eindruck relativieren.

(Foto: oh)

Am Ende stimmten die Räte dann ab über den Entwurf: Neun stimmten dafür, zwei dagegen. Damit ist die Diskussion ist jetzt erst einmal beendet in Buch. Und der Künstler kann endlich mit seinem Werk beginnen.

© SZ vom 07.05.2015
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