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Bauprojekt:Ein Kraftakt

hochwasser aufhausen

So sah es im Juni 2013 in Aufhausen aus. So ein Bild soll es nicht mehr geben. Für den Hochwasserschutz für Erding liegt eine neue Planung vor.

(Foto: oh)

Das Wasser­wirtschafts­amt plant den Hochwasser­schutz für Erding nun allein in der Stadt. OB Gotz fordert Bürgerbeteiligung

Beim Sempt-Hochwasserschutz für die Stadt Erding hat das Wasserwirtschaftsamt München eine Kehrtwende eingelegt. Das umstrittene Rückhaltebecken in Niederwörth ist vom Tisch, jetzt wird innerstädtisch mit Deichen und Schutzwänden geplant. Die IG Wörth, die lange gegen das Bauwerk vor Ort gekämpft hat, zeigt sich erleichtert. Der Erdinger Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) pocht darauf, dass im weiteren Verfahren auf jeden Fall eine maximale Bürgerbeteiligung erfolgt, auch der Stadtrat werde sich positionieren müssen. "Wir müssen die Diskussion öffentlich führen."

Die Pressemitteilung des Wasserwirtschaftsamts München erreichte die Redaktion am Freitag, 27. März, am späten Vormittag. "Es wird kein Becken in Wörth geben", hieß es in der Überschrift: "Die Schutzanlagen werden in der Stadt gebaut". Zur Begründung führt das Wasserwirtschaftsamt an, dass die sogenannte lineare Variante mit Deichen und Schutzwänden entlang der Sempt zum einen die kostengünstigste Lösung sei. Zum anderen habe die innerstädtische Variante den geringsten Flächenbedarf.

Von der neuen Planung sind in Erding zahlreiche Grundstückseigentümer betroffen und sicher auch überrascht worden. Eine öffentliche Veranstaltung werde es wegen Corona erst mal nicht geben, schreibt das Wasserwirtschaftsamt. Allerdings sollen alle Grundstückseigentümer, auf deren Grund Bauwerke errichtet werden sollen angeschrieben werden. Sie bekämen dann "eine vertiefte Information". Ziel sei es, "einvernehmliche Lösungen vor Ort zu finden, die auf das jeweilige Grundstück zugeschnitten sind".

Oberbürgermeister Gotz wollte sich zu dem Thema nicht allzu ausführlich äußern. Man müsse sich die Planung noch mal "ganz genau anschauen". Es müsse dazu eine Diskussion geführt werden "und zwar öffentlich und mit maximaler Bürgerbeteiligung." Dies könne am Ende, "wenn's gute Argumente sind", zu einer "Befriedigung beitragen". Auch der Stadtrat werde sich positionieren müssen. Er wolle vor allem auf Sachlichkeit setzen, sagt Gotz.

Nach dem Hochwasser 2013 war mit den die Planungen für den Schutz vor der Sempt begonnen worden. Lange standen Varianten mit einem Rückhaltebecken bei Niederwörth im Fokus. Anwohner rannten Sturm, sie befürchteten eine Zerstörung der unberührten Natur im Schwillach- und Sempttal, eine eigene Interessensgemeinschaft zur Verhinderung des Baus wurde gegründet. Die IG Wörth äußert sich in einer Pressemitteilung am Montag zu den neuen Plänen des Wasserwirtschaftsamts. Die Mitglieder hätten die Entscheidung "erfreut zur Kenntnis genommen". Sie verweisen auf die zunächst falschen Berechnungen bei der Planung des Damms bei Wörth. Wie sich herausstellte, hatte das Wasserwirtschaftsamt die erforderlichen Rückhaltemenge falsch berechnet. Ein externes Ingenieurbüro war mit dem Konzept für den Hochwasserschutz für Erding beauftragt worden. Dessen Prüfung liegt nun vor. Das Ergebnis beruhe "auf Fakten und umsetzbaren Möglichkeiten und nicht auf optischen Erwägungen", lobt die IG Wörth. Dabei erklären die Vorsitzenden der IG Wörth auch, dass ein Gesamtkonzept für die Flüsse Sempt und Schwillach erstrebenswert sei. "Sinnvoller und effektiver Hochwasserschutz ist letztlich nur im Zusammenwirken aller, also auch Ober- und Unteranlieger von Erding, möglich." Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl (ÜPWG) habe sich "entgegenkommend geäußert", lobte Gotz. Er erkenne "Signale, auch von anderen, dass schon gesehen wird, dass die Stadt allein das Problem nicht lösen kann".

© SZ vom 31.03.2020

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