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Auch bei der Nahrung sind sie wenig wählerisch:Eldorado für Waschbären

Waschbär verwüstet Büroräume einer Autowerkstatt

Ein putziges Tier, aber nicht unumstritten.

(Foto: Polizeipräsidium Nordhessen/dpa)

Im Landkreis Erding gibt es mittlerweile eine kleine Population. Die ursprünglich in den USA beheimateten Tiere finden entlang von Sempt und Schwillach beste Bedingungen, sagt Biologe Thomas Schreder

Waschbären sehen zwar putzig aus, sorgen aber seit mehreren Jahren für Diskussionen. Ob sie den Lebensraum der heimischen Tierwelt und die Artenvielfalt bedrohen, darin sind sich die Fachleute uneinig. Auch im Landkreis Erding hat sich eine kleine Population etabliert. Bereits zu Beginn der 2000er Jahre haben Jäger im Landkreis die pelzigen Kleinbären gesichtet. Die Besiedelung begann laut den Daten des Wildtiermonitorings im südlichen Landkreis: in Dorfen, Walpertskirchen, Buch am Buchrain, Pastetten und Forstern. Mittlerweile erstrecken sich die Sichtungen auch auf angrenzende Reviere.

Das aus Nordamerika stammende Tier breitet sich seit den Sechzigerjahren in Bayern von Norden her aus. Optimale Lebensbedingungen, fehlende natürliche Feinde und die schnelle Anpassungsfähigkeit des Waschbären begünstigen seine stetige Verbreitung auch in urbanen Räumen. Thomas Schreder, Biologe und Chef des Kreisjagdverbandes: "Die Tiere sind nicht gebunden an einen Wald. Im Süden finden sie ein naturbelassenes Eldorado entlang von Sempt und Schwillach. Das ist ein perfekter Lebensraum." Mittlerweile gingen bayerweit in jeder Kreisgruppe des Jagdverbandes Meldungen über gesichtete Waschbären ein. Im Rahmen des Wildtiermonitorings, das die Jäger erheben, könne man die flächendeckende Besiedelung nachvollziehen. Mittlerweile laufe die vierte Auflage des Monitorings, die Zahlen zu den Waschbärsichtungen seien sehr valide.

Waschbären stellen aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit für die heimischen Tiere eine starke Konkurrenz dar. Im Gegensatz zum Fuchs, ihrem direkten Wettbewerbskonkurrenten, können sie klettern und sich ihre Nahrung von Bäumen holen. Auch bei der Nahrung sind sie wenig wählerisch. Zu ihrem Speiseplan gehören Wurzeln, Gräser, Beeren, aber auch Fleisch und Schnecken. Presseberichten zufolge sollen Waschbären vereinzelt auch schon Bienenhäuser aufgebrochen haben. Im Landkreis Erding ist den Jägern aber noch kein einziger Schaden gemeldet worden, der auf einen Waschbären zurückzuführen ist.

Pro Wurf gebären Waschbären zwei bis vier Junge. Thomas Schreder rechnet damit, dass sich die Population langsam, aber stetig im Landkreis Erding ausbreiten wird. Der Biologe schätzt den Bestand auf einen niedrigen zweistelligen Bereich. Diese vergleichsweise geringe Zahl sei beispielsweise auch mit ein Grund, warum man bislang noch nichts von Wildunfällen mit Waschbären gehört hat. Im Vergleich zu Füchsen oder Dachsen sind sie hier sehr stark unterrepräsentiert.

Die klammheimliche Invasion der Waschbären in Deutschland begann 1934 am nordhessischen Edersee. Ein deutscher Züchter hatte die Idee, die aus Amerika stammenden bis zu 60 Zentimeter langen Kleinbären in Deutschland auszusetzen, um die örtliche Flora und Fauna zu bereichern. Die vom Reichsjägermeister und späteren Reichsluftmarschall Hermann Göring geleitete Jagdbehörde gab grünes Licht - und man setzte zwei Waschbärenpärchen aus.

In Deutschland dürften mittlerweile etwa eine Million Bären leben, schätzen Biologen. Als deutsche Waschbärenhauptstadt gilt dabei Kassel in Nordhessen. Am wohlsten fühlen sie sich in der Umgebung innerstädtischer Parkanlagen und in Villenvierteln. Ein ähnliches Szenario, dass Waschbären durch Erding oder Dorfen streifen, hält Schreder jedoch nicht für naheliegend: "Dazu bedarf es einer hohen Population. Davon sind wir weit entfernt. Es gibt genügend Lebensräume für die Waschbären außerhalb der Städte."

Ein weiterer Neuankömmling im Erdinger Land ist zudem der Marderhund. Er ähnelt dem Waschbären optisch und verfügt über die gleichen Fähigkeiten. Gesichtet wurde er im Landkreis bisher in Taufkirchen, Buch am Buchrain, Pastetten und Forstern.