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Archäologische Funde in Erding:Überreste aus der Steinzeit

Auf dem Gelände des künftigen Hospiz in Erding haben Archäologen diese Keramikscherben und Tierknochen entdeckt. Die Funde lagen in Lehmgruben. Nun werden sie von einer Steinzeit-Expertin untersucht.

(Foto: Renate Schmidt)

Jahrtausende alte Scherben und Knochen bei Grabungen entdeckt

Bereits vor 5500 Jahren lebten Menschen unterhalb des Fuchsbergs am Sternweg. In den 50er Jahren entdeckte die Familie Ippisch beim Ausbau ihrer Gärtnerei die Jahrtausende alte Siedlung aus der sogenannten Altheimer Kultur der späten Jungsteinzeit. Nun haben Archäologen auf dem Gelände des neuen Hospiz oberhalb der Siedlung weitere 25 Scherben, Tierzähne und -knochen gefunden. Am Donnerstag stellten Stadtheimatpfleger Archäologie Wilhelm Wagner und Leiter des Museums Erding Harald Krause die Funde vor.

Auf Wunsch von Oberbürgermeister Max Gotz hatten Ehrenamtliche des Archäologischen Vereins und des Archäologischen Arbeitskreises am Museum Erding auf dem Baugrund nach Zeugnissen aus der Vergangenheit gegraben. Archäologische Untersuchungen vor dem Baubeginn sind in Erding Vorschrift. Durch die ehrenamtliche Arbeit hätte die Hospizstiftung der Familie Folger allerdings viel Geld gespart, sagte Gotz. In insgesamt 150 Stunden haben die Helfer im Herbst zunächst den Oberboden vorsichtig abgetragen. Vergangene Woche wurden die Funde unter Aufsicht und mit Hilfe der Grabungsfirma Planateam gesichert.

Bei den archäologischen Funden handelt es sich um Keramikscherben und Tierknochen, die in Lehmgruben lagen. Die Bewohner der Siedlung brauchten Lehm für ihre Häuserwände und zur Herstellung von Keramik, erklärte Wagner. "Und auf dem Weg zu den Gruben haben sie dann scheinbar ihren Hausmüll mitgenommen und dort entsorgt." Die Archäologen hätten sozusagen "einen Müllzyklus entdeckt".

Bis Ende der Woche graben die Ehrenamtlichen und Planateam noch die letzten Funde aus, "sonst würde die Geschichte beim Bau des Keller eliminiert werden", sagte Krause. Dann geht es an die wissenschaftliche Aufarbeitung. Die Steinzeit-Archäologin Barbara Limmer unterstützt das Museum Erding dabei. Auch die Altfunde aus den 50er Jahren wird sie miteinbeziehen. Denn an einigen Scherben hatte sie Spuren einer anderen, älteren Kultur entdeckt, die vorher übersehen wurden. "Kulturübergänge sind fließend", erklärte sie. "Einige Keramikscherben sind verziert, was untypisch für die Altheimer Kultur ist." In der Münchofer Kultur, die vor der Altheimer datiert ist, seien Verzierungen aber gang und gäbe gewesen. Die Siedlung am Fuchsberg könnte also älter als gedacht sein und zum Übergang zwischen Münchofer und sehr früher Altheimer Kultur gehören. Im Herbst wollen Limmer und das Museum Erding bereits bei einem öffentlichen Vortrag die Ergebnisse vorstellen.