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Alles sauber:Ungetrübter Badespaß - nur die Insektenlarven stören

Auch das Seepferdchen-Thermometer beweist es: Der Wörther Weiher ist in diesen Tagen mit mehr als 26 Grad der wärmste Badesee im Landkreis Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Trotz heißer Temperaturen und einer ersten Blaualgenblüte in bayerischen Gewässern ist die Wasserqualität in den Badeseen des Landkreises Erding ausgezeichnet. Dem Sprung ins Wasser steht kaum etwas im Wege

Von Thomas Jordan, Erding

Trotz der extremen Hitze und vieler Badegäste ist die Wasserqualität der Badeseen im Landkreis Erding nach wie vor ausgezeichnet. Nur im Kronthaler Weiher können Insektenlarven zu Hautrötungen und Juckreiz führen. Wegen der anhaltend hohen Temperaturen überprüft das Landratsamt die Wasserqualität in der Badesaison aktuell nicht mehr nur im Zwei-Wochen-Rhythmus, sondern jede Woche neu. Laut dem aktuellen Befund ist der Wörther Weiher mit 26,4 Grad der wärmste Badesee im Landkreis. Groß ist der Unterschied zu den fünf anderen großen Badeseen im Landkreis allerdings nicht. Auch im Kronthaler Weiher, Langenpreisinger Weiher, Moosinninger Weiher, Thenner See und Erlensee Lain beträgt die Wassertemperatur mehr als 26 Grad. Damit zählen die Badeseen im Landkreis Erding zu den wärmsten Seen in ganz Bayern. Sie sind beinahe so stark aufgeheizt wie der Waginger See im Landkreis Traunstein, der mit knapp 27 Grad im Moment der wärmste bayerische See ist. Die Gründe dafür, wie stark sich ein Gewässer erwärmt, sind vielfältig: Wichtige Faktoren sind die Sonneneinstrahlung, die Gewässertiefe und die Höhenlage. So sind Seen im Flachland oftmals wärmer als Gebirgsseen.

Mit den steigenden Wassertemperaturen in den bayerischen Badeseen kann sich auch das Risiko erhöhen, dass ein See umkippt. Das bedeutet, dass der Sauerstoffgehalt eines Gewässers rapide absinkt. In der Folge verenden Fische, die sich nicht mehr mit Sauerstoff versorgen können. Außerdem sterben immer mehr Pflanzen im Ökosystem ab. Soweit ist es in den Erdinger Gewässern allerdings noch nicht.

Laut Pressesprecherin Daniela Fritzen vom Landratsamt Erding liegt der Bakterienbefall in den Badeseen des Landkreises aktuell weit unterhalb der zulässigen Werte. Bisher haben Badegäste in Erdinger Seen auch noch einen recht guten Durchblick beim Schwimmen: Die Sichttiefe im Wasser beträgt überall mehr als einen Meter. Allerdings warnt die Stadt Erding vor einem Befall des Kronthaler Weihers mit Zekarien. Die Larven von Saugwürmern können sich während des Schwimmens in die Haut von Badegästen bohren. Die Folgen davon sind "harmlose Hautrötungen" wie es Christian Wanninger von der Stadt Erding formuliert. Dennoch hat die Stadt ein Schild am Ufer des größten Badeseens im Landkreis Erding angebracht, das vor den Insektenlarven warnt. Sie lösen an den betroffenen Stellen starken Juckreiz aus. Bei Menschen, die schon mehrmals mit Zerkarien infiziert waren, kann es auch zu einer Badedermatitis kommen. Dabei bilden sich an den betroffenen Stellen rote Punkte, die erst nach zehn bis zwanzig Tagen wieder verschwinden, wie es in der Ärztezeitung heißt.

Ein immer wiederkehrendes Thema an Badeseen im Sommer ist auch der Algenbefall. Besonders Blaualgen vermehren sich bei hohen Wassertemperaturen außergewöhnlich stark. Schon jetzt verzeichnet der Niedrigwasserlagebericht des Landesamts für Umwelt eine erste Blaualgenblüte in bayerischen Gewässern und warnt vor "Nutzungsbeeinträchtigungen", die damit verbunden sind. Ein starker Blaualgenbefall kann auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Badegäste führen. So heißt vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: "Bei gehäuftem Auftreten von Blaualgen können Augen- und Schleimhautreizungen entstehen, besonders empfindliche Personen leiden eventuell an vorübergehender Übelkeit, wenn sie stark blaualgenhaltiges Wasser schlucken." Oberbayerische Seen seien von diesen gesundheitlichen Gefahren laut allerdings nur selten betroffen.

Gegenüber Flüssen haben Badeseen noch einen weiteren Vorteil: Kalte und warme Wasserschichten mischen sich in Seen weniger stark. So können Fische den aktuell hohen Wassertemperaturen an der Oberfläche trotzen, indem sie in tiefere und damit kältere Wasserschichten ausweichen.

Auch die Wasserverschmutzung der Erdinger Seen durch die Badegäste selbst, die bei den heißen Temperaturen zahlreich den Weg ins Wasser suchen, hält sich bisher im Rahmen. Dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist "kein oberbayerischer See bekannt, in dem derzeit erhöhte Konzentrationen an Fäkalbakterien vorliegen." Auf seiner Homepage bittet das Landratsamt Erding allerdings aus aktuellem Anlass Badegäste darum, an Seeufern und Liegewiesen keinen Abfall und keine Essensreste herumliegen zu lassen. Zudem erinnert das Amt daran, dass es sich bei dem Wasser der Badeseen trotz seiner ausgezeichneten Qualität keinesfalls um Trinkwasser handelt. Dem Sprung ins Wasser steht dagegen im Landkreis nichts im Wege, "solange wir kein Verbotsschild aufstellen", sagt Daniela Fritzen vom Landratsamt.

© SZ vom 08.08.2018

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