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Neues Angebot:Frauenärzte starten Bereitschaftsdienst

Oft werde man den Patientinnen bereits am Telefon weiterhelfen können, in dringenden Fällen können sie in die Praxis kommen: Im Februar starten 13 Gynäkologinnen und Frauenärzte einen gynäkologischen Bereitschaftsdienst.

Am Montag, 2. Februar, starten 13 Gynäkologinnen und Frauenärzte aus dem Landkreis Erding, aus Markt Schwaben und Poing einen gynäkologischen Bereitschaftsdienst. Fortan ist stets eine Frauenärztin oder ein Kollege auch außerhalb der üblichen Praxiszeiten telefonisch erreichbar. Jeden Samstag wird es zudem von 9 bis 11 Uhr in der Praxis des diensthabenden Arztes eine Sprechstunde für dringende Fälle geben. Den Kontakt zu den Gynäkologen erhalten Patientinnen über die Zentrale des allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdiensts, der in ganz Deutschland ohne Vorwahl unter der Telefonnummer 116 117 zu erreichen ist.

Seit 2012 haben sich die Erdinger Frauenärztin Angela Gmelin und ihre Kollegen bemüht, einen eigenen Bereitschaftsdienst anbieten zu können: "Wir haben drei Jahre lang dafür gekämpft." Die Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) habe sich lange gesträubt, schließlich aber doch ihre Zustimmung erteilt. Martin Eulitz, Pressesprecher der KVB, erklärt warum: Die KVB habe erst den allgemeinen Bereitschaftsdienst reformieren müssen. Dazu wurden neue, größere Dienstbezirke eingeteilt. Außerdem sind nicht mehr nur die Hausärzte, sondern alle Fachärzte zum Bereitschaftsdienst verpflichtet. Die Neustrukturierung zeigte auch Auswirkungen im Landkreis Erding. Der Dienstbereich Isen, der auch die Gemeinden Lengdorf, Walpertskirchen, Sankt Wolfgang, Buch und Forstern umfasste, wurde vor einem Jahr aufgelöst und auf die umliegenden allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienstgruppen Erding, Dorfen, Haag und Markt Schwaben/Poing aufgeteilt.

Die 13 Ärztinnen und Ärzte, die nun einen eigenen gynäkologischen Bereitschaftsdienst auf die Beine stellen, müssen nicht mehr bei der allgemeinmedizinischen Bereitschaft mitmachen. Frauenärztin Gmelin ist ganz froh darüber, dass sie nur noch das machen muss, worauf sie spezialisiert ist. Dafür nimmt sie in Kauf, öfter Dienst zu haben. Bei 13 Medizinern in ihrer Gynäkologie-Dienstgruppe ist jeder insgesamt an vier Wochen im Jahr abends und nachts sowie an vier Wochenende dran.

In vielen Fälle werde man Patientinnen bereits am Telefon weiterhelfen können, sagt Gmelin. Wenn es zum Beispiel um die Pille danach gehe, könne man das zunächst telefonisch besprechen. Die Bereitschaftsdienstärztin könne schließlich aber auch bei der nächstgelegenen Notdienstapotheke anrufen und dort die noch rezeptpflichtige Pille für die Patientin freigeben. In sehr dringenden und unaufschiebbaren Fällen, bei denen eine Untersuchung notwendig ist, werde der Frauenarzt im Bereitschaftsdienst die Patientin in seine Praxis bitten. "Hausbesuche machen wir nicht", sagt Gmelin. In den Nachbarlandkreisen gibt es keinen Frauenarzt-Bereitschaftsdienst. In ganz Oberbayern gibt es ihn bislang nur in sechs Landkreisen sowie in München, Ingolstadt und Rosenheim.

Der gynäkologische Bereitschaftsdienst ist der jüngste, aber nicht der einzige fachärztliche Bereitschaftsdienst im Landkreis Erding. Augenärzte und HNO-Ärzte habe schon seit Jahren einen eigenen Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxiszeiten organisiert, der ebenfalls über die zentrale Telefonnummer 116 117 zu erreichen ist. Bei den HNO-Ärzten arbeiten Kollegen aus Erding, Freising, Moosburg und Neufahrn zusammen. Bei den Augenärzten ist das Gebiet noch größer: Hier teilen sich Augenärzte aus Erding, Dorfen, Freising, Ebersberg, Grafing, Markt Schwaben, Poing, Baldham, Haag und Wasserburg die Dienste.

Mit nunmehr drei spezialisierten Bereitschaftsdiensten ist das Angebot im Landkreis Erding überdurchschnittlich gut. Der einzige Facharztdienst, der andernorts bereits angeboten wird, wäre eine Bereitschaft der Kinder- und Jugendärzte.

© SZ vom 27.01.2015
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