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Abschied vom Fliegerhorst Erding:Total entspannt

Brigadegeneral Helmut Dotzler entbindet den Standort-Ältesten von seiner Verantwortung. Oberst Stefan Schmid-Schickhardt zeigt Rührung, nur OB Max Gotz (CSU) ist aufgebracht

Das war kurz und schmerzlos: Am Donnerstagabend hat Brigadegeneral Helmut Dotzler den bisherigen Fliegerhorstkommandeur, Oberst Stefan Schmidt-Schickhart, von seiner Verantwortung entbunden und sie Oberstleutnant Robert Rummel übertragen, dem Leiter des untergeordneten Instandsetzungszentrums 11. Eine Übergabe "ohne Stillgestanden und ohne Hackenzusammenschlagen", wie Dotzler sagte. Es war der letzte Empfang am Fliegerhorst. Mit Schmid-Schickhardt zieht der Stab des Waffensystemunterstützungszentrums nach Manching um. Der Fliegerhort wird von nun an von dort aus dirigiert.

Brigadegeneral Helmut Dotzler (links) ernannte Oberstleutnant Robert Rummel, Leiter des Instandsetzungszentrum 11, zum Standortältesten.

(Foto: Renate Schmidt)

Schon den früher fest zum Jahresprogramm der Stadt Erding gehörenden Neujahresempfang hatte die Bundeswehr in diesem Jahr ausfallen lassen, stattdessen bat sie am Donnerstag zum "Last call" ins Casino und rief dazu letztmalig Vertreter von Politik, Wirtschaft und Verbänden zusammen. Die Stimmung war locker - bis OB Max Gotz (CSU) zum wiederholten Mal die von seinem Parteifreund, dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu verantwortende Bundeswehrreform als "gravierende Fehlentscheidung" bezeichnete. Die Schließung des Standorts hatte damals für große Unruhe gesorgt, endgültig abgezogen wird die Bundeswehr wohl nicht vor dem Jahr 2021 sein. Deutschland sei "entkleidet, was die Sicherheit betrifft", und dies in einer Zeit, in der "Dinge wie die Vergiftung von Spionen" passierten, "von denen man dachte, dass es sie nicht mehr gibt", sagte Gotz. In Nordkorea herrsche "ein Verrückter", in China gebe es einen Machthaber auf Lebenszeit, und im Verhältnis zur USA gehe es "auch nicht nur um den Handel".

Oberst Stefan Schmid-Schickhardt fiel der Abschied schwer.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Offiziere am Rednerpult ließen dagegen keine Kritik durchscheinen, sie erinnerte vielmehr an die großen Leistungen, die in den vergangenen Jahrzehnten am Standort Erding vollbracht worden seien. Der Luftwaffe komme in der sich verändernden Bundeswehr und unter dem Kommando der Nato eine größere Bedeutung zu als den anderen Teilstreitkräften, sagte Oberst Gerhard Hewera, der Kommandeur der Unterstützungsverbände beim Luftwaffentruppenkommando, der aus Köln gekommen war. Die Luftwaffe sei stets "in besonderem Maße gefordert", ob im Kalten Krieg, bei Auslandseinsätzen oder jetzt in der Phase der "Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung". Nach mehr als sechzig Jahren verabschiede sich das Regiment von Erding, es seien "Jahre der Verbundenheit und der Wertschätzung" gewesen, das betonten auch Schmid-Schickhardt und Gotz. Als Beleg dafür galt stets der Erfolg der Aktion "Soldaten helfen", besser bekannt als Aktion Erbse, die im vergangenen Jahr zum letzten Mal in der Verantwortung der Bundeswehr stattgefunden hat; künftig ist das BRK verantwortlich. Beispielgebend und zukunftsweisend waren laut Hewera auch die Kooperationen der Bundeswehr mit der Industrie, wie sie erstmals am Fliegerhorst Erding gewagt worden waren. Dass es den Soldaten nicht so leicht fällt, Erding zu verlassen, merkte man vor allem dem sichtlich gerührten Oberst Schmid-Schickhardt an. Er dankte seinen Mitarbeitern dafür, dass sie diese einschneidenden Veränderungen mitgetragen hätten. Er rühmte die Leistungen, die über Jahrzehnte hinweg in Erding erbracht worden seien, und sagte schließlich: "Als letzter Standort-Ältester melde ich mich ab." Nur kurz dauerte die Zeremonie der Kommandoübergabe. Dotzler fasste sich kurz, pries ebenfalls die großartige Geschichte des Standorts und kündigte schließlich an, dass dies noch "ein schöner Abend" werde.

© SZ vom 17.03.2018
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