bedeckt München 15°

Widerstand gegen Mobilfunk in Pöring:Fachfremdes Engagement

Um einen Sendemast wegzubekommen, rufen Vogelschützer zur Kündigung von Handyverträgen auf

- Rainer Förderreuther ist vor einigen Jahren gelungen, wovon viele Mobilfunk-Kritiker träumen: Der Zornedinger hat dafür gesorgt, dass die Raiffeisenbank Zorneding ihre Verträge mit drei Mobilfunkanbietern nicht verlängert hat und die Antenne 2003 vom alten Siloturm auf dem Pöringer Raiffeisen-Gelände verschwand. Im September nun hat Vodafone - seither ohne Standort in Pöring - eine neue Anlage zur Versorgung des Unterdorfs in Betrieb genommen. Der Mast steht auf einem Privathaus in der Eglhartinger Straße, rund 200 Meter entfernt vom neu errichteten Kinderhaus Sankt Georg. Viele Eltern sind deshalb um die Gesundheit ihrer Kinder besorgt - und haben sich Hilfe suchend an Förderreuther gewandt.

Der 64 Jahre alte Professor für Personalführung im Ruhestand wohnt selbst in Pöring, in der Anzinger Straße. Er hat der früheren Familienministerin Renate Schmidt, die seit vier Jahren als Vertrauensfrau für Datenschutz für Vodafone arbeitet, geschrieben, dass das Unternehmen "leider keinerlei soziale Verantwortung zeigt, insbesondere für Kinder". Förderreuther will einen alternativen Standort für die Antenne ins Gespräch bringen, wie er sagt. Er hat deshalb die rund 550 Mitglieder des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) im Landkreis aufgerufen, ihre Verträge mit Vodafone zu kündigen. Ein Druckmittel, das ihm schon einmal Erfolg beschert hat: Rund 100 Bankkunden hatte eine Zornedinger Bürgerinitiative unter Förderreuther damals mobilisiert, die drohten, ihre Konten zu kündigen. "Das hat Wirkung gezeigt", davon ist Förderreuther überzeugt. Raiffeisenbank-Vorstand Martin Schottenheim betont hingegen, die Bank hätte "selbst entschieden", die Verträge mit den Mobilfunkunternehmen nach zehn Jahren nicht zu verlängern.

Was aber hat der Vogelschutz mit den Zornedinger Kindern zu tun? Tatsächlich arbeitet die Kreisgruppe mit der Kita in Pöring zusammen und hat Nistkästen an der Fassade angebracht. Doch um den Naturschutz geht es Förderreuther in seiner Korrespondenz mit dem Unternehmen nicht, sondern um "das Wohl der Menschen". "Wir sind deshalb entsetzt, wie bedenkenlos sich Vodafone über die Gesundheit von Kleinkindern hinwegsetzt", schreibt er im Namen der Mitglieder. Für den ersten Vorsitzenden der Kreisgruppe, Richard Straub, absolut legitim. Schließlich sei der LBV "dazu da, die Welt besser zu machen". Ein Blick über den Tellerrand schade nicht.

Rainer Förderreuther hofft nun auf ein Gespräch mit Vodafone, der Gemeinde und Vertretern des Kindergartens, um einen neuen Standort auszumachen. Denn auch Bürgermeister Piet Mayr und der Gemeinderat sind mit der neuen Antenne nicht glücklich und haben ihre Missbilligung in einer einstimmigen Protestnote zum Ausdruck gebracht. "Den laufenden Vertrag wird man deshalb nicht kündigen", vermutet Förderreuther. Aber man müsse ihn ja nicht verlängern, wenn bis zum Ende der Laufzeit ein verträglicher Standort gefunden ist, mit dem alle einverstanden sind.

Wie lange der Vertrag läuft, will weder der Besitzer des Privathauses in der Eglhartinger Straße, Günter Aneder, verraten, noch Vodafone. Laut einem Sprecher des Unternehmens handelt es sich um eine "grundsätzlich langfristig angelegte Basisstation". Aneder ist einfach nur froh, dass sein Handy wieder guten Empfang hat - wie auch andere Pöringer. Auf die Sorgen der Eltern angesprochen sagte Aneder im August der SZ: "Die sollen erst einmal alle ihre Handys und die ihrer Kinder wegschmeißen." In die gleiche Richtung zielt die Antwort-Mail von Renate Schmidt an Rainer Förderreuther: "Nach meinen Erfahrungen gibt es den einvernehmlichen Standort nicht, denn, auch, wenn wir alle mobil telefonieren wollen, wollen wir nur selten die dafür notwendigen Einrichtungen akzeptieren." Sie will dem Pöringer aber einen Ansprechpartner vermitteln. Förderreuther setzt derweil auf die LBV-Mitglieder. Er selbst hat einen Handy-Vertrag bei der Telekom.