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Vorzeigeprojekt ist Geschichte:Mehrgenerationenhaus wird abgewickelt

Vaterstettens Gemeinderat beschließt das Ende. Einige Angebote sollen ins Jugendzentrum verlegt werden.

- Nach sechs Jahren endet in der Großgemeinde das Projekt Mehrgenerationenhaus (MGH). Der Gemeinderat hat am Donnerstag einstimmig beschlossen, von Januar an aus der staatlichen Förderung auszusteigen. Die jetzt noch im MGH angesiedelten Aktivitäten sollen dann im derzeit oft leer stehenden Jugendzentrum stattfinden. Träger des neuen gemeinsamen Projektes soll der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) werden.

Das Ende des MGH hatte sich schon lange abgezeichnet. Nach heftigen Querelen im Verein aktiver Bürger, der als Träger der Einrichtung fungiert, hatte Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU) dem Projekt Anfang September die Zusammenarbeit mit der Gemeinde aufgekündigt. Bislang wurde das MGH mit jährlich 60 000 Euro unterstützt, weitere 30 000 Euro kamen aus Fördermitteln des Bundes und der EU. Eine Weiterführung des MGH unter einem anderen Träger hatte Niedergesäß damals ausgeschlossen, "in einer solch verfahrenen Situation ist das keinem anderen Träger mehr seriös zumutbar."

Grund für diese Situation war das schlechte Verhältnis zwischen einigen Vereinsmitgliedern und dem Vorstand. Konkret ging es um angebliche Verstöße gegen die Vereinssatzung und Vorwürfe, der Vorstand würde die von der Gemeindebezahlte MGH-Leiterin Renate Bress mobben. Diese reichte im August ihre Kündigung ein, wenige Wochen später trat der Vorstand um die umstrittene Vorsitzende Christiane Warnke geschlossen zurück.

Ein bisschen diplomatischer als noch vor drei Monaten formulierte Niedergesäß am Donnerstag die Gründe für das Scheitern des Projekts MGH. Die Vorgaben, um weiter Fördermittel aus dem EU-Sozialfonds zu erhalten, seien deutlich strenger geworden, sagte der Bürgermeister. So müsse ein Antragsteller inzwischen neben ehrenamtlicher Bürgerarbeit auch nachweisen, dass er spezielle Bildungs- und Hilfsangebote im Programm habe. Doch mit Volkshochschule und Nachbarschaftshilfe sei der Bereich Bildung und Unterstützung in der Gemeinde bereits abgedeckt, zudem "ist der Verein dazu auch nicht in der Lage."

"Bevor wir irgendwann Zuschüsse zurückzahlen müssen", sei es besser, ab dem kommenden Jahr aus dem MGH-Programm auszusteigen und keine Fördermittel mehr zu beantragen, schlug Niedergesäß vor. Dies sei auch mit dem neuen Vorstand des Vereins aktiver Bürger abgesprochen. Dieser will sich aus der Trägerschaft zurückziehen, und künftig als reiner Förderverein ehrenamtliche Projekte unterstützen. Auch das Haus in der Zugspitzstraße soll so bald als möglich aufgegeben werden. Die Aktivitäten des Vereins sollen dann im Jugendzentrum (Juz) stattfinden, so der Bürgermeister, denn dort gebe es viel Platz. Dies liegt daran, dass oft Leerstand herrscht, da im Gegensatz zu den Kursen, die sogenannten offenen Angebote des Juz kaum Resonanz bei den Jugendlichen finden. Wie man die Reste des MGH mit dem Juz zusammenbringt, soll der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt koordinieren. Mit diesem verhandelt die Gemeinde derzeit um eine Übernahme der Trägerschaft für das neue Projekt.

Wie Niedergesäß erklärte, könne die Gemeinde langfristig durch die Zusammenlegung "deutliche Einsparungen" erwarten, da man das MGH nicht länger bezuschussen müsse, und das Juz effektiver genutzt werden könne. Zuvor wird es aber noch einmal richtig teuer: Denn es steht eine Sanierung des alten Juz-Gebäudes an der Johann-Sebastian-Bach-Straße an. Auf Anregung von SPD-Gemeinderat Jo Neunert soll diese aber erst dann beschlossen werden, wenn die Awo der Gemeinde ein überzeugendes Konzept für den Betrieb der neuen Einrichtung liefert.