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Showdown in Forstern:Einer wird gewinnen

Der Frauenneuhartinger Kreisrat Andreas Lenz bewirbt sich an diesem Samstag um die CSU-Bundestagskandidatur - doch Erding schickt einen starken Konkurrenten

So an die 15 bis 20 Minuten wird er wohl Zeit haben. 15 bis 20 Minuten, in denen er seine Ziele formulieren soll, was ihn antreibt, was ihn geprägt hat. "Gar nicht so leicht", sagt Andreas Lenz und lacht. Der 31-Jährige Frauenneuhartinger würde gerne für die CSU in den Bundestag einziehen - doch das strebt auch Josef Widmann aus dem Nachbarlandkreis Erding an. Wer letztlich Kandidat wird, das entscheiden an diesem Samstag je 80 Delegierte aus den Landkreisen Erding und Ebersberg bei ihrer gemeinsamen Versammlung in Forstern.

Es wird spannend, denn nie zuvor hatten beide Landkreise gleich viele Stimmen. Sollte nur ein Erdinger für den Ebersberger Kandidaten stimmen, würde das reichen - und umgekehrt natürlich ebenso. Sollte keiner der Bewerber eine absolute Mehrheit finden, müsste sogar das Los entscheiden, so sieht es die Satzung vor. Andreas Lenz hofft freilich, dass es nicht dazu kommt: "Ich würde mich freuen, wenn ich als Person überzeugen könnte."

In der Region, die er als Bundestagsabgeordneter vertreten würde, ist Andreas Lenz jedenfalls fest verwurzelt: Seine Eltern führen einen Milchviehbetrieb in Frauenneuharting, er ist in dem kleinen Dorf aufgewachsen und lebt noch heute dort. Die Bewahrung der Tradition sei für ihn ein wichtiges Ziel, wie er sagt: "Ich stehe für Tradition und Ehrenamt. Ich denke, dass die Gesellschaft von den Menschen lebt, die mehr leisten als man ihnen abverlangt." Eine aktive Bürgergesellschaft zu fördern, die Bürger bei Entscheidungen einzubinden, das ist Andreas Lenz nach eigenen Angaben wichtig. Er selbst ist Wirtschaftsfachmann: Er hat Betriebswirtschaftslehre studiert, außerdem eine Zusatzausbildung an der bayerischen Eliteakademie absolviert, die herausragende Studenten für Führungsaufgaben qualifiziert. Lenz hat darüber hinaus promoviert und arbeitet momentan als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Politisch engagiert er sich im Kreistag und als Ortsvorsitzender der Frauenneuhartinger CSU.

Dass er sich nun als Nachfolger des bisherigen CSU-Abgeordneten Max Lehmer bewirbt, hatten Mitglieder der Jungen Union Lenz vorgeschlagen. Ursprünglich hatte es auch noch zwei Mitbewerber gegeben: Sabine Heimbach und Jan Patrick Fischer, die allerdings ihre Kandidaturen zurückgezogen hatten, nachdem bekannt geworden war, dass es einen Gegenkandidaten aus Erding gibt. Andreas Lenz bleibt bei seiner Entscheidung: "Ich habe mir das ernsthaft überlegt und denke, dass ich eine wählbare Alternative bin", sagt der 31-Jährige. In den vergangenen Wochen und Monaten hat er sich bereits einigen Delegierten für den Landkreis Ebersberg vorgestellt, dabei habe er viele positive Rückmeldungen erhalten. Er habe den Eindruck, dass der Rückhalt aus der Ebersberger Delegation sehr groß sei, sagt Lenz. Sein Ziel sei es freilich nicht, einen Gegensatz Ebersberg-Erding aufzubauen - daher habe er, wie er sagt, auch "kein Problem" damit, an diesen Samstag in einen Saal zu treten, in dem die Hälfte der Besucher tendenziell eher nicht für ihn sind. "Aber sie sind auch nicht gegen mich", sagt Lenz. Er sehe generell eher die Gemeinsamkeiten, denn die beiden Landkreise verbinde sehr viel: In unmittelbarer Nähe zur Metropole München seien beide Kreise vom Zuzug, andererseits aber auch noch von ländlichen Strukturen geprägt. "Wir müssen in beiden Welten daheim sein", findet Lenz.

Prognosen darüber, ob sich der junge Frauenneuhartinger in Forstern durchsetzen kann, sind schwierig - schließlich wartet auch Erding mit einem beeindruckenden Kandidaten auf. Der 46-jährige Jurist Max Widman war unter anderem bereits als stellvertretender Geschäftsführer der CSU-Landtagsfraktion tätig und ist derzeit Leitender Ministerialrat im Landtagsamt. Nicht immer verhalten sich die Delegierten auch berechenbar, das hat in der Vergangenheit Martin Lechner zu spüren bekommen. Der Straußdorfer Kreisrat hatte sich 2005 um die Bundestagskandidatur für den Wahlkreis beworben, war aber seinem Konkurrenten Max Lehmer unterlegen. Mindestens fünf Ebersberger hatten sich damals nicht für den eigenen Kandidaten, sondern für den Bewerber aus dem Nachbarlandkreis ausgesprochen.