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Nach dem Vorwurf der Schauspielerei gegenüber Beamten:Übler Scherz

Bei der Poinger Polizei stößt es auf Erstaunen und Unverständnis, dass sich Anzinger Gemeinderäte abfällig über den Sicherheitseinsatz bei einer chaotischen Faschingsveranstaltung geäußert haben

Die Polizei in Poing ist befremdet von den teilweise scharfen Aussagen, die im Anzinger Gemeinderat über das Verhalten der Einsatzkräfte bei Veranstaltungen des örtlichen Burschenvereins gefallen sind. "Nachwuchsschauspieler, die sich profilieren wollen", hatte Anzings zweiter Bürgermeister Peter Moossmann (CSU) die Einsatzkräfte genannt, und Gerhard Strasser (ABA) sagte, die Polizei sei "selbst schuld", wenn es zu Konflikten zwischen Gästen und Beamten bei Veranstaltungen komme. Der stellvertretende Leiter der Poinger Polizei, Manfred Winter, reagiert mit Erstaunen: "Bisher ist mir kein Fall bekannt, wo sich ein Gemeinderat zu einer solchen Äußerung hat hinreißen lassen, zumindest nicht in öffentlicher Sitzung. Objektiv gesehen, kann ich mir vorstellen, dass das eine Beleidigung ist."

Am Dienstagmorgen hatte der Anzinger Burschenverein, um dessen Veranstaltungen es geht, seinen traditionellen Rosenmontagsfasching abgesagt. Die Party findet seit einigen Jahren im Bauhof in der Schwaigerstraße statt. Grund für die Absage ist, dass die Burschen die Auflagen der Gemeinde nicht akzeptieren wollen, etwa die Sperrfrist um 3 Uhr oder das Verbot von Glasflaschen. Daraufhin war es im Gemeinderat am selben Abend zu einer hitzigen Debatte gekommen.

Gerhard Strasser verlangte von der Gemeinde als zuständige Genehmigungsbehörde, "sich hinter die Burschen zu stellen". Wenn es zu Aggressionen gegen die Einsatzkräfte käme, sei die Polizei selbst schuld. Denn werfe man feiernde Menschen abrupt hinaus, so sei klar, dass es nicht ruhig bleibe. Auch die präventive Maßnahme der Polizei, bei der "Laufstallparty" der Burschen im Oktober 2012 mit drei Einsatzwagen schon um 20 Uhr vor Ort zu sein, nannte Peter Moossmann eine "Provokation". Zu der Sperrfrist sagte er: "Ich verstehe die strikten Regularien ums Verrecken nicht."

Auslöser des Konflikts zwischen Burschen, Gemeinde und Polizei war die Faschingsparty des Burschenvereins am Rosenmontag im vergangenen Jahr, als das Fest aus dem Ruder gelaufen war. Die Streifen der Poinger Polizei stellten um 3 Uhr morgens die Überschreitung der Sperrfrist fest. "Die Polizei hat Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen", so Winter. Selbst um 3.30 Uhr waren laut Winter noch mehr Personen vor Ort, als für die Veranstaltung zugelassen waren, etwa 20 davon stark betrunken. Auf der Straße vor dem Bauhof herrschte Chaos, einige Festgäste hielten Autos von Unbeteiligten auf und stiegen ein, andere warfen mit Flaschen auf die Polizisten. "Das ist versuchte gefährliche Körperverletzung", sagt Winter, doch konnten die Beamten die Täter nicht feststellen, weshalb keine Anzeige erfolgte. Wie die Polizeidienststelle Poing nun auf die Äußerungen vor allem Moossmanns reagieren wird, ist noch unklar. "Wir können das auf sich beruhen lassen oder reagieren", so Winter.

Peter Moossmann äußerte sich am Donnerstag auf Nachfrage der SZ zu seinen Vorwürfen: "Die waren dem Inhalt nach eigentlich nicht falsch, in der Form aber zu heftig." Er wolle sich nun beim Dienststellenleiter der Polizei Poing entschuldigen. Indes distanzierte sich Bürgermeister Franz Finauer (UBA) von den Aussagen einiger Gemeinderatsmitglieder. Vor allem kritisierte er die Wortwahl seines Stellvertreters: "Gerade die Aussage von Moossmann kann ich nicht akzeptieren."

Leonhard Spitzauer, der Sprecher des Burschenvereins, gibt zu, dass bei der Faschingsparty Fehler passiert seien. "Es waren zu viele Leute da." Ähnliche Veranstaltungen deshalb aber nicht mehr auf Facebook anzukündigen, lehnt der Burschenverein ab, das mache heute jeder. Es wäre damals zu keinen Problemen gekommen, so Spitzauer, wenn die Leute nicht um 3 Uhr hätten gehen müssen. "Dann sind halt ein paar Flascherl auf dem Teer vor den Füßen der Polizisten gelandet."