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Landtagswahlkampf:Auf Partnersuche

Die SPD bringt Hubert Aiwanger bei seinem Auftritt in Markt Schwaben viel Sympathie entgegen

Es müssen deprimierende Zeiten für Markt Schwabens SPD gewesen sein. Zum regelmäßigen Stammtisch kamen nie mehr Mitglieder, wie eben an einen solchen Tisch passen. Die Geschichtsschreibung in den Worten von Georg Hohmann spricht von "fünf bis zehn Personen" , die sich dort über die Gemeindepolitik austauschten. Doch mit der Öffnung der altehrwürdigen Parteieinrichtung für "unsere Mitbewerber aus der Opposition" verdoppelte sich die Teilnehmerzahl zunächst, als im November hochrangige Piraten zu Gast waren. An diesem Abend nun kann der Ortsvorsitzende und zugleich Bürgermeister mehr als glücklich sein: An die 100 Zuhörer drängen im Nebenzimmer der Gaststätte der örtlichen Brauerei zu den Tischen. Der prominente Gast beschert dem Ortsverein einen Besucherrekord. Denn mit Hubert Aiwanger hat sich der bekannteste Vertreter aus den Reihen der "Mitbewerber" auf Landesebene angesagt, was zur Folge hat, dass die Anhänger von SPD und Freien Wähler in ziemlich ausgewogener Verteilung das Publikum bilden, darunter die Kandidaten für Landrats-, Landtags- und Bundestagswahl.

Die Durchmischung in der Sitzverteilung scheint dann geradezu symbolisch für den hohen Grad der Zustimmung aus beiden Lagern zu dem, was der Gastredner an von ihm als "klare Botschaften" titulierte politische Positionen formuliert. Der Bundes- und Landesvorsitzende der Freien Wähler lehnt bekanntermaßen Studiengebühren, die Donaustaustufe bei Deggendorf, die dritte Startbahn und eine Privatisierung des Trinkwassers ab. Er warnt davor, die Energiewende weiterhin "madig" zu machen, fordert eine Abkehr von der Monopolstellung der großen Energieerzeuger hin zu einer Dezentralisierung. Er will einer weiteren "Metropolisierung" entgegenwirken, das Land stärken und attraktiver machen. Den Euro-Rettungsschirm stellt er in Frage, die Großbanken will er in die Haftungspflicht nehmen. Die Bundesregierung sieht er "ausgebrannt" und die Landesregierung nur noch am Verhindern und Verzögern.

Gut eine Stunde springt Aiwanger durch die Themen der Bundes- und Landespolitik, reiht dabei eine griffige Aussage an die andere: "Jedes Problem ist lösbar, wenn man nur will." Wenig überraschend, dass seine Rede immer wieder von Applaus aus dem gesamten Publikum unterbrochen wird. Die einheitliche Stimmung bleibt auch in der anschließenden Diskussionsrunde, die gegensätzliche Positionen kaum erkennen lässt. Im Gegenteil: Ebersbergs SPD-Landtagskandidatin findet die passenden Worte für die harmonische Atmosphäre: "Ich stimme Ihnen zu annähernd 100 Prozent zu", pflichtet Doris Rauscher dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Landtag bei. Und macht gewissermaßen eine Koalitionszusage: "Lassen Sie uns einfach gemeinsam Politik machen. So könnten wir mehr erreichen." Der CSU würde sie in Bayern dazu einen Zustand der Regeneration wünschen, also die Rolle in der Opposition.

Aiwanger enttäuscht freilich alle, die eine eindeutige Koalitionsaussage erwartet hatten. Da ist der 42-jährige Niederbayer schon Politprofi genug, als dass er sich festlegen ließ. "Wen wollt Ihr?", werde er immer wieder gefragt: "Schwarz oder Rot?" Das sei ihm egal, gibt Aiwanger vor und betont: Hauptsache es werde gute Politik gemacht. Die Gastgeber müssen sich so mit einer allgemein gehaltenen Sympathiebekundung zufrieden geben: "Wir arbeiten gerne mit der SPD zusammen", erwidert Aiwanger der Ebersberger SPD-Kandidatin. Es konnte aber auch wirklich niemand damit rechen, dass an einem Markt Schwabener Stammtisch eine mögliche künftige Regierungskoalition für Bayern geschmiedet wird.