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Kollegen mit langer Anreise:Personalsuche in Slowenien

Kreisklinik will mit neuer Strategie Pflegekräfte gewinnen

- Der Wettbewerb um gute Mitarbeiter in der Pflege wird ständig härter. Um gute Pflegekräfte zu halten und neue in den Landkreis zu locken, geht die Kreisklinik neue Wege: Erstmals wird es einen bezahlten Rufdienst in der Pflege geben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an freien Tagen damit rechnen müssen, spontan für Kollegen einzuspringen, bekommen auch für die Wartezeit Geld. 250 000 bis 300 000 Euro kostet das die Klinik nach Kalkulation von Geschäftsführer Stefan Huber pro Jahr. Um Personalengpässe zu vermeiden, gehen externe Berater für die Klinik darüber hinaus in Spanien, Slowenien und Ungarn auf die Suche nach Pflegekräften.

"Wir können nur Mitarbeiter aus der Champions League bekommen, wenn wir Champions-League-Bedingungen bieten", machte der Geschäftsführer in der jüngsten Sitzung des Kreistags deutlich. Es sei ein massives Problem, dass häufig die besten Mitarbeiter abgeworben würden. Das liegt laut Huber vor allem daran, dass privat geführte Krankenhäuser auch mit finanziellen Anreizen locken können. Dies sei der an Tarifverträge gebundenen Kreisklinik nicht möglich. Deshalb versucht das Krankenhaus nun, auf andere Weise zu punkten. Zumba- oder Yogakurse für die eigenen Mitarbeiter sind seit einiger Zeit im Angebot - mit großem Zuspruch, wie Huber erläuterte. Auch innerbetriebliche Fortbildungen zur Stressbewältigung, Gesundheitsvorsorge oder auch zum Umgang mit schwierigen Patienten werden angeboten. Neu ist auch die Bereitschaft, Rufdienste zu honorieren. "Jeder Station werden jeden Tag Mitarbeiter zugewiesen, die gegebenenfalls einspringen können. Diese Dienste werden den Mitarbeitern auch bezahlt", sagte Huber in der Kreistagssitzung. Er setzt auch große Hoffnungen auf die Pflegekräfte, die im Ausland rekrutiert werden sollen. In Ungarn, Spanien und Slowenien gehen Fachleute für die Kreisklinik auf die Suche. Vor vielen Jahren habe man beste Erfahrungen mit Pflegekräften aus Mazedonien gemacht, erläutert Huber. Daher sei er zuversichtlich, dass auch die Personalrekrutierung in anderen Ländern sich erfolgreich gestalten werde. "Am schnellsten werden wir wohl in Slowenien Personal bekommen. Dort lernen die Menschen teilweise schon in der Schule Deutsch, daher gibt es weniger Sprachbarrieren", so Huber.

Insgesamt ist die Zahl der Stellen an der Klinik in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Genau 642,45 Vollzeitstellen seien derzeit besetzt, so Huber, etwa 16 mehr als im Jahr zuvor und fast 50 mehr als noch 2010. Auch die Zahl der Patienten nimmt laut Huber zu. Etwa 16 000 Menschen wurden 2012 stationär behandelt, vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dazu kamen etwa 20 000 ambulante Fälle. Die Steigerung der Patientenzahlen hat freilich nicht zur Folge, dass die Klinik auch immer mehr Geld einnehmen würde - im Gegenteil: Die Krankenkassen fordern dann auch einen immer größeren Anteil der Einnahmen von der Klinik zurück. Das macht auch die Situation in Ebersberg zunehmend schwierig. Nach Einschätzung Hubers wird das Krankenhaus in diesem Jahr noch ein Plus von 350 000 Euro erzielen, weniger als 2011, als noch 768 000 Euro eingenommen wurden und 2010, als sogar noch 3,76 Millionen Euro übrig blieben.