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Grafinger Faschingsbären küren Prinzenpaar:Närrische Karrieren

Maria Saißreiner und Stefan Lankus geben heuer das Prinzenpaar der Grafinger Faschingsbären. Für sie ist das zeitaufwendige Amt der Höhepunkt einer spaßigen Laufbahn

- Als kleiner hüpfender Löffel fing alles an. Schon im Alter von drei Jahren tanzte Maria Saißreiner mit der Kinderturngruppe beim Faschings-Varieté des TSV Grafing mit. Damals spielte die heute 22-Jährige einen Löffel im Stück "Die Schöne und das Biest". Seitdem steht Maria Saißreiner jedes Jahr wieder auf der Bühne - inzwischen allerdings als Mitglied der Garde. Und im kommenden Jahr wird das Varieté für sie etwas ganz besonderes werden. Dann steht sie nicht, wie immer, nur auf der Bühne, sondern schaut sich die Aufführung auch von den Zuschauerrängen aus an - als royale Persönlichkeit. Denn der Löffel hat sich inzwischen in eine Prinzessin verwandelt. Seit dem 11. November ist sie Prinzessin Maria I. Zusammen mit Stefan Lankus, ihrem langjährigen Partner, bildet sie das Prinzenpaar der Grafinger Faschingsbären. Und wie im Märchen darf natürlich auch der Narr nicht fehlen. Diese Rolle übernimmt Liane Fleck. Gemeinsam bilden sie für eine Saison das Dreigestirn des Grafinger Faschingsvereins.

Jedes Jahr wird bei den Grafinger Faschingsbären ein neues Prinzenpaar und ein neuer Narr ins Amt eingesetzt. Ein Jahr lang repräsentieren diese drei den Verein durch Auftritte bei Veranstaltungen wie Vereinsabenden oder Bällen. "Einmal Prinzenpaar sein, gehört eigentlich fast schon dazu. Es ist der Höhepunkt für richtige Faschings-Fans", sagt Liane Fleck. Die 44-Jährige ist seit langem faschingsverrückt. Vor Jahren war sie selbst einmal Prinzessin und erinnert sich immer wieder gerne an die schöne Zeit.

Eigentlich stammt die Närrin aus Hessen. Sowohl ihre Großmutter als auch ihre Mutter waren faschingsbegeistert. Deshalb stand Liane Fleck auch schon mit fünf Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Seitdem gehören Büttenreden ebenso zu ihrem Repertoire wie Tanzeinlagen mit der Garde. Und auch hinter der Kulisse dreht sich bei Liane Fleck fast alles um die närrische Zeit. 15 Jahre lang war sie im Vorstand eines hessischen Vereins tätig und trainierte dort auch die komplette Tanzgarde. Vor neun Jahren ist sie dann der Liebe wegen nach Grafing gezogen. Seitdem bringt sie sich dort voll und ganz als Mitglied der Faschingsbären ein. "Liane ist einfach Fasching", beschreibt Maria Saißreiner sie kurzum.

Ähnlich sieht es auch bei Maria selbst aus. Ihre Faschingskarriere begann ebenfalls in der frühen Kindheit. Sie wurde geradezu in eine Faschingsfamilie hineingeboren, denn alle ihre Angehörigen gehörten zu den Grafinger Faschingsbären. "In unseren Familienalben ist schon mein Opa verkleidet zu sehen", erzählt Maria und lacht. Bei dieser Narren-Laufbahn ist es wohl einfach der nächste Schritt gewesen, nun als Prinzessin zu gehen. Für ihre Mutter ist es allerdings etwas ganz besonderes. Für sie sei es wohl das Schönste gewesen, sagt Maria, als sie am 11. November von ihrer Prinzessinnen-Tochter erfahren habe.

Ganz anders stellt sich da Stefan Lankus' närrischer Werdegang dar. Als Kind war er zwar auch in der Kindergarde. Dann aber setzte er eine ganze Weile lang aus. Erst vor gut einem Jahr hat er in den Kreis der Faschingsbären zurückgefunden. Doch trotz der relativ kurzen Zeit im Verein bringt sich der 26-Jährige voll ein. Denn als Maria und Stefan gefragt wurde, ob sie nicht das nächste Prinzenpaar sein möchten, war er derjenige, der zugestimmt hat. Obwohl der Schlossergeselle momentan an der Meisterschule ist, wollte er das zeitaufwendige Amt gerne übernehmen. "So etwas macht man ja nur ein Mal im Leben." Und stressen lässt er sich ohnehin nicht - es geht schließlich vor allem um den Spaß.

Doch auch wenn sich das Dreiergespann nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt - eine anstrengende Zeit kommt in jedem Fall auf Maria, Stefan und Liane zu. Im Januar beginnt die heiße Phase. Von da an verbringt das Dreigestirn jedes Wochenende bis zum Ende der Faschingszeit auf Veranstaltungen. Noch ist es aber mit den Vorbereitungen beschäftigt - und auch die sind zeitintensiv. Sie kosten meist drei Abende pro Woche: Der Tanz des Prinzenpaares muss einstudiert, die Reden geschrieben und alle Kostüme geschneidert werden. Dabei haben sie vom Verein aus sehr viel kreative Freiheit. "Unser Kostüm wird wirklich etwas Einmaliges sein", sagt Maria Saißreiner und die Freude auf die kommenden Ereignisse ist ihr sichtlich anzusehen.

Liane Fleck freut sich ebenso - besonders auf den 11. Januar. Denn dann richtet ihr Verein zum ersten Mal das Gardefest in Grafing aus. "Es wird ein megamäßiges Programm", sagt die Rechtsanwaltsfachangestellte voller Enthusiasmus. Maria Saißreiner kann hingegen den Stadtball in Grafing kaum erwarten. Denn dies ist einer der ersten Termine, an dem das Prinzenpaar zum ersten Mal ihren Tanz vorführen wird. Ein bisschen nervös sei sie schon, aber es sei eine freudige Aufregung, so die Friseurmeisterin. Ihr Freund Stefan Lankus sieht der Sache vollkommen gelassen entgegen. "Das haben schon so viele vor uns geschafft. Dann werden wir es auch packen."