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Findiger Erfinder:Tonnenschwere Matten als Feuerlöscher

Der Kirchseeoner Hubert Reinhardt hat sich eine Idee zur Waldbrandbekämpfung patentieren lassen

Die Waldbrandkatastrophe auf den Kanarischen Inseln verfolgt Hubert Reinhardt derzeit mit einem besonderen Interesse, das sich nicht aus Sensationsgier speist, sondern aus geradezu fachmännischer Anteilnahme. Der Kirchseeoner muss wieder beobachten, wie hilflos der Mensch ist, wenn Feuer in unwegsamen Gelände wütet. Was Hubschrauber über lange Strecken an Wasser heranschaffen und über dem Brandherd ablassen, ist meist nicht mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. "Es ist ein mühsames Geschäft", sagt der Forstingenieur, der weiß, wovon er spricht: Er war ehrenamtlich 20 Jahre in der Luftrettungsstaffel Bayern aktiv. So kennt er die brenzlige Situation durch Beruf wie Freizeitengagement aus jeder Perspektive, aus der Luft wie vom Boden aus. Und Reinhardt hat die oftmalige Machtlosigkeit keine Ruhe gelassen. Seit Jahren denkt er über eine "effektivere Waldbrandbekämpfung" nach - nun hat der 62-Jährige eine Idee ausgearbeitet und sich patentieren lassen.

Die Flammen will Reinhardt durch "Sauerstoffentzug" eindämmen und ersticken - mit Hilfe von "Löschmatten aus feuerfestem Gewebe mit eingearbeiteter Füllungsstruktur", wie es in der Schutzurkunde des Deutschen Patentamtes formuliert ist. Werden seine Pläne realisiert, legen Hubschrauber 30 Meter lange und vier Meter breite Matten auf oder vor das Feuer.. Letzteres, um eine weitere Ausbreitung zu stoppen. Das Problem bei der Sache, über das der Kirchseeoner lange gegrübelt hat: "Wie wird das Tuch abgeworfen, dass es sich nicht überlappt?" Reinhardt kam auf die Idee, die Matten mit Sand zu füllen und damit zu beschweren. Auf zwei bis drei Tonnen schätzt er eine Einheit. Das Ergebnis fast die Schutzschrift detailliert zusammen: "Die Neuheit der Erfindung ist auch darin begründet, dass es galt, die Ausformung und Stabilisierung der Tücher beziehungsweise Matten so zu gestalten, dass damit auch gleichzeitig ein geeignetes Abwurfverfahren entwickelt werden kann, um eine bestmögliche Abdeckung des Feuers zu erzielen."

Ob sein patentiertes "Gebrauchsmuster" einmal im großen Stil hergestellt wird, kann Reinhardt noch nicht absehen: "Ich bin überzeugt, dass dies ein gangbarer Weg ist, die Waldbrandbekämpfung wirksamer zu machen." Als nächsten Schritt testet der Kirchseeoner das Ganze im Miniaturformat: An einem Modellhubschrauber ist eine Rolle mit einem feuerfestem Gewebe angebracht, aus dem auch die Schutzanzüge der Feuerwehrmänner gefertigt sind. Die Löschversuche will er gemeinsam mit seinem 16-jährigen Sohn, der im Fliegen des Mini-Flugkörpers geschickter als er ist, auf einem Video festhalten und dokumentieren. Dann hat der Förster und gelernte Flugnavigator wohl genügend Material zusammen, um Hubschrauber-Transportunternehmen und staatlichen Stellen wie das Innenministerium von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Reinhardt findet seine Idee jedenfalls "klar und einfach".

© SZ vom 14.08.2012
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