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Endspurt im Landratswahlkampf:Politik in großen Kategorien

SPD-Kandidat Ernst Böhm will die Wirtschaft im Landkreis stärken

Barbara Mooser

Der Kellner bringt schwarzen Tee. Dabei bräuchte Ernst Böhm doch dringend Kamillen- oder wenigstens Pfefferminztee für seinen rauen Hals. Elf Wochen Wahlkampf liegen an diesem Abend im Poinger Hof hinter ihm. Das hat dem SPD-Landratskandidaten nicht nur viel Energie, sondern mittlerweile auch die Stimme gekostet. Um Stimmen werben, das gelingt dennoch noch ganz gut - wenn auch nicht jeder der etwa 50 Zuhörer, die nach fast zwei Stunden den Saal verlassen, am Wahltag sein Kreuzchen bei Böhm setzen wird. "Ich werde ohne jeden Zweifel für Robert Niedergesäß stimmen", sagt Joachim Saam. Immerhin aber hat der Poinger CSU-Vorsitzende den Ausführungen des SPD-Bewerbers mit großem Interesse gelauscht. "Sympathischer Mann", sagt er. "Ein Mann der Wirtschaft, ganz klar."

Tatsächlich nimmt das Thema breiten Raum ein in der Rede des Kandidaten, und ein bisschen plaudert er im nüchternen Ambiente des Tagungsraums auch aus dem Nähkästchen über sein Leben als erfolgreicher Unternehmer: heute hier, morgen da, mit Frequent-Flyer-Karten von Fluggesellschaften in Gold und Platin. Heute, sagt der 55-Jährige, fahre er "nach Diktat lieber mit dem Radl in den Biergarten". Für eine dritte Startbahn am Flughafen macht er sich dennoch stark, anders als viele andere SPD-Politiker im Landkreis. Denn wer wirklich viel in der Welt zu tun habe, "der mag nicht umsteigen", so Böhm: "Direkte Verbindungen sind Gold wert." Und bereits in der Vergangenheit habe das schlechte Angebot am Flughafen München Unternehmen abgeschreckt.

Viel für die Unternehmen tun, das hat sich Böhm explizit vorgenommen, sollte er Landrat werden. "Ich würde den Landkreis sehr wirtschaftsfreundlich machen", sagt er. "Ich würde den Landkreis bewerben lassen als den Wirtschaftsstandort in Europa." Viele gute Unternehmen in der Region, das bedeute auch viele Arbeitsplätze. "Ich wüsste, wie man mit Investoren umgeht und wie man in der Bevölkerung das nötige Bewusstsein dafür schafft", unterstreicht Böhm. Beim Thema Wohnungsbau scheut er sich nicht, in großen Kategorien zu denken. Selbst für das Geld, das beim Verkauf der Wohnungen der Bayerischen Landesbank hereinkommen wird, hat er schon genaue Vorstellungen: "Mit einer Milliarde Schulden tilgen, mit einer Milliarde Wohnungen bauen." Im Landratsamt würde sich der Grafinger eher aufs Sparen konzentrieren. Dies gelänge beispielsweise durch die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt: "Da hat sich bisher politisch nicht wirklich einer darum gekümmert." 60 bis 80 der Langzeitarbeitslosen könnten beim Flughafen oder bei örtlichen Unternehmen untergebracht werden. Letztere würden, so glaubt Böhm, vor allem dann gerne Entgegenkommen zeigen, wenn sie auf Baurecht oder Aufträge hofften. Auch bei der Sparkasse und der Kreisklinik würde Böhm einiges ändern wollen: Mehr Fachleute, weniger Politiker in die Aufsichtsräte, das sei sein Ziel.

Doch auch wenn Böhm viele Themen anspricht an diesem Abend, alles kann er dann doch nicht, wie er einräumen muss: zum Beispiel Draußerholzer und Drinnerholzer in völliger Harmonie zu vereinen. Darauf hatte eine Frage aus dem Publikum abgezielt. Eine andere Aufgabe hingegen traut er sich zu: die Reihen der CSU im Kreistag zu lichten. "Momentan hat die CSU 27 Kreisräte. Sieben oder acht würde ich bekehren, fünf verliert die CSU bei der nächsten Wahl, dann bleiben noch 15. Eine gesunde Opposition, die ist was wert", sagt er. Das Selbstbewusstsein scheint auch nach elf Wochen Wahlkampf noch durchaus intakt zu sein.

© SZ vom 08.04.2013
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