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Endspurt im Landratswahlkampf:Das Ohr bei den Leuten

Toni Ried (Freie Wähler) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Vaterstetten.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Toni Ried (Freie Wähler) gibt sich bodenständig und bürgernah.

Von Wieland Bögel

Am Eingang zur Gaststube achtet der Kandidat darauf, ja keinen seiner Besucher unbegrüßt zu lassen. Gut 60 Hände schüttelt Toni Ried an diesem Abend in Vaterstetten, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Emine. Noch zehn Tage sind es bis zur Landratswahl, und der Kandidat bereitet sich "auf die letzte und entscheidende Phase" vor, wie er anschließend selbst sagt.

Dabei ist es ihm wichtig, dass dieser Wahlkampf vor allem ein Verdienst seiner Freunde und Unterstützer war und ist. Diese hätten ihn in diesem "klimatisch etwas schwierigen Wahlkampf" unterstützt, er dankt allen, die mit ihm "im Morgengrauen bei Eiseskälte vor den Supermärkten gestanden sind". Denn dass man sich für eine Sache einbringt, sei längst nicht mehr selbstverständlich, beklagt Ried und sichert zu, als Landrat werde er sich dafür einsetzen, das Ehrenamt zu stärken. "Ich bin in den Vereinen zuhause, ich bin selbst Vereinsvorsitzender", sagt der Kandidat. Auch ein anderes Versprechen gibt er seinen Gästen an diesem Abend: "Ich werde nicht abheben." Auch ein Landrat Toni Ried werde sich, genau wie der Kandidat Toni Ried, "unter die Leute mischen und mir die Probleme anhören, die da sind, und nicht nur mit dem Auto vorbeirauschen".

Überhaupt, das ewige Mit-dem-Auto-Vorbeirauschen möchte Ried auch anderen gerne abgewöhnen, zumindest wenn es auf Umgehungsstraßen und in Richtung großer Einkaufszentren an den Rändern der Städte und Gemeinden passiert. "Ich bin ein Befürworter der Regionalität, die müssen wir erhalten", fordert er. Als Landrat werde er sich "für kleinräumige Strukturen und gegen Zersiedelung durch Großkonzerne" stark machen. Er wolle auf die Gemeinden einwirken, nicht länger "ihren eigenen Stiefel" zu machen, indem jede Kommune "Flächen ausweist und Umgehungen baut, in einem Tempo, dass der Landkreis sein Gesicht zu verlieren droht".

Dass er den Gemeinden natürlich nichts vorschreiben kann, sei ihm bewusst, trotzdem werde er auch Stellung beziehen, wenn es formell nicht seine Aufgabe sei. Etwa beim Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft, den Ried kategorisch ablehnt. Zu dem Thema habe der Noch-Amtsinhaber stets geschwiegen, mit dem Verweis, dass er nicht zuständig sei. "Da hat er schon Recht, aber ich werde mich dazu trotzdem äußern." Denn sein Wort werde doch gehört und könne die Menschen vielleicht zum Umdenken anregen, zeigt sich Ried überzeugt: "Wir müssen bewusster werden und dürfen uns nicht den Lobbys und Konzernen ergeben."

Bei den Zuhörern kommt diese Agenda sichtlich gut an, der Kandidat genießt den Dialog mit seinen potenziellen Wählern und lässt sich auch zu gelegentlichen Scherzen auf Kosten seiner Mitbewerber hinreißen. Etwa als ein Besucher spottet, einer der Gegenkandidaten habe noch Monate vor seiner Nominierung behauptet, nicht Landrat werden zu wollen. Er fragt Ried, ob er denn wenigstens schon immer dieses Amt angestrebt habe. Die Antwort bringt dem Kandidaten einige Lacher aus dem Publikum ein: "Landrat zu werden war über viele Jahre nicht mein erstes Lebensziel", meint er schmunzelnd und fügt hinzu: "Bis ich gesehen habe, wer sich sonst noch um das Amt bewirbt."

© SZ vom 08.04.2013
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