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Der nächste Kandidat:Grüne schlagen Reinhard Oellerer vor

Der Anzinger Gemeinde- und Kreisrat will die Nachfolge von Gottlieb Fauth antreten - wenn die Mitglieder für ihn stimmen

- Für die voraussichtlich im April kommenden Jahres stattfindende Landratswahl gehen die Grünen mit einem erfahrenen Kommunalpolitiker ins Rennen. Reinhard Oellerer aus Anzing ist seit fast 30 Jahre im Landkreis für seine Partei aktiv. Bevor der 60-Jährige allerdings offiziell als Kandidat der Grünen um Stimmen werben darf, müssen ihn die Mitglieder des Kreisverbandes ihn wählen.

"Bei uns wählt jedes Mitglied, nicht nur die Delegierten", so Waltraud Gruber. Wie die Sprecherin des Kreisvorstandes und der Kreistagsfraktion bei der Vorstellung des Kandidaten am Dienstag in Ebersberg mitteilte, werde die Kreisversammlung am 31. Januar über den Bewerber für das höchste Amt im Landkreis entscheiden. Dass sich die Mitglieder dabei für Oellerer entscheiden werden, gilt als sicher, ein Gegenkandidat ist bislang nicht in Sicht.

Dass Fraktion und Kreisverband den Gymnasiallehrer aus Anzing vorgeschlagen haben, liege an dessen "politischer Allgemeinbildung", wie Gruber lobte. Besonders in der Kommunalpolitik habe der 60-Jährige Erfahrung, bereits 1986 hat Oellerer die "Grünen - Nördlicher Landkreis" mit begründet, bevor es in den Gemeinden Poing, Anzing und Markt Schwaben eigene Ortsverbände gab. Seit 1996 sitzt Oellerer im Gemeinderat seines Heimatortes Anzing, vor vier Jahren wurde er Kreisrat.

Der Kandidat selbst möchte im Fall seiner Wahl die Themen aufgreifen, die seine Fraktion im Kreistag schon auf den Weg gebracht hat. Besonders in der Finanzpolitik möchte Oellerer Akzente setzen. Man müsse bei den Ausgaben sparen, die kürzlich auf den Weg gebrachte Finanzleitlinie sei dazu ein guter Weg. Oellerer betonte hier die Verdienste seiner Fraktion, die Grünen hätten seit Jahren auf Einsparungen gedrungen. Dies sei mittlerweile fraktionsübergreifend Konsens.

Oellerer wies aber auch darauf hin, dass viele Investitionen, etwa die Sanierungen der Schulen, unbedingt nötig gewesen seien. "Wir haben nicht viel Luft beim Sparen", der Abbau der Schulden des Kreises, derzeit sind es fast 70 Millionen Euro, sei deshalb "nur über die Einnahmenseite" zu schaffen. "Die CSU hat immer versucht, die Schmerzen für die Kommunen so gering wie möglich zu halten", diesen Kurs werde er nicht fortsetzen. Das bedeutet, Oellerer wird sich für die von seiner Fraktion bereits seit Jahren geforderte Erhöhung der Kreisumlage einsetzen.

Ansonsten setzt Oellerer auf die klassischen Grünen-Themen, etwa weniger Flächenverbrauch. Dabei sei seine Heimatgemeinde "leider ein Negativbeispiel", meint Oellerer in Hinblick auf das Gewerbegebiet an der Autobahn. Aber auch der in der Nachbargemeinde Vaterstetten geplante Gewerbepark sei nicht optimal: "Wir planen etwas und kümmern uns nicht um die Folgen", etwa mehr Verkehr, für den der Kreis dann neue teure Straßen bauen müsse. Oellerer ist sich aber auch im Klaren, dass der Landrat darauf nur wenige Einflussmöglichkeiten hat, denn solche Vorhaben liegen in der Planungshoheit der Kommunen. Trotzdem könne der Kreis hier etwas bewegen, ein Landrat müsse das Gespräch mit den Gemeinden suchen. Dafür sieht sich Oellerer gut gerüstet: "Es gehört zu meinem Beruf als Lehrer, komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen."

Dies will Oellerer auch im Landratsamt tun. Zwar sei dort "trotz der Abwesenheit des Landrates meist gut gearbeitet worden". Auch der Kreistag habe gute Projekte angestoßen, findet der Kandidat. Allerdings habe in den vergangenen Jahren "zu oft die aktive Unterstützung des Landrates" gefehlt. Deshalb werde es die erste Aufgabe des neuen Landrates sein, "sich für die Dinge einzusetzen".