Markt Indersdorf Chlorgas-Unfall im Wellnessbad: 17 Verletzte

In einem Schwimmbad in Markt Indersdorf ist Chlorgas ausgetreten. 17 Menschen erlitten Atemwegsreizungen - unter den Verletzten sind auch Kinder. Nun bleibt das Bad erst einmal geschlossen.

Von Daniela Gorgs

In dem Wellnessbad "Blubb" in der Ortsmitte von Markt Indersdorf sind am Samstagmittag aufgrund eines technischen Defektes in der Mischanlage Chlorgase ausgetreten. 17 Menschen, darunter auch Kinder, erlitten Atemwegsreizungen, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt mitteilte. Im Schwimmbad hatte gerade ein Eltern-Kind-Schwimmkurs stattgefunden. Der Badespaß wurde gegen 12:45 Uhr abrupt unterbrochen. Nachdem die Teilnehmer über Atembeschwerden klagten, wurde der Pool geräumt, Feuerwehr und Rettungsdienste wurden alarmiert.

Die Feuerwehr bei ihrem Einsatz in Indersdorf.

(Foto: Kreisbrandinspektion Dachau)

Nach Angaben der Polizei ergab eine erste Überprüfung der Wasseraufbereitungsanlage eine Überkonzentration der Chlorbeimischung im Badewasser. Dadurch geriet das Chlor auch in die Atemluft. Wie Kreisbrandmeister Maximilian Reimoser vermutete, standen die Gase Schwefelsäure, Aluminium-Eisen-Hydrochlorid und Hypochloridlösung in einem falschen Mischungsverhältnis. Weitere Tests werden kommende Woche vorgenommen, bis dahin bleibt das Bad geschlossen.

Als Reimoser am Einsatzort eintraf, waren die verletzten Badegäste schon selbständig in ein benachbartes Hotel-Restaurant gegangen. Nach einer ersten Untersuchung wurden die 17 Verletzten vorsorglich in umliegende Krankenhäuser gebracht. Von den 16 Teilnehmern des Kurses waren acht Kinder im Alter zwischen etwa 1,5 und 15 Jahren. Ob und wie viele der Badegäste die Nacht stationär im Krankenhaus verbringen mussten, konnte Polizeisprecher Peter Grießer am Sonntag noch nicht sagen. Nach seinem Wissen war der Angestellte des Bades am schlimmsten betroffen. "Er hat das meiste Chlorgas abbekommen." Lebensgefahr habe aber für niemanden bestanden.

Ein Großaufgebot von Feuerwehr und Rettungsdienst traf gegen 13 Uhr am Marktplatz ein. Vorsorglich wurde die benachbarte Gaststätte vorübergehend evakuiert. Das Bad befindet sich im Untergeschoss eines Wohn- und Geschäftshauses. Im ersten und zweiten Stock leben viele Senioren im Betreuten Wohnen. Eine Evakuierung des Gebäudes sei nicht notwendig gewesen: Erste Überprüfungen hätten ergeben, dass außerhalb des Schwimmbades keine auffälligen Messwerte festzustellen waren, teilte das Polizeipräsidium mit.

In schweren Chemikalienschutzanzügen brachten die Feuerwehrmänner die noch im Bad befindlichen Chemikalien ins Freie und nahmen Messungen vor. Nach der Belüftung des Gebäudes wurde erneut gemessen, anschließend übergaben die Einsatzkräfte das Schwimmbad wieder an die Betreiber.

Am Einsatzort waren etwa 110 Feuerwehrleute der Feuerwehren Markt Indersdorf, Dachau, Weichs, Hebertshausen, Röhrmoos, Kollbach, Vierkirchen udn der Berufsfeuerwehr München sowie 35 Einsatzkräfte der Rettungsdienste vor Ort. Aufgrund der hohen Zahl an Rettungsfahrzeugen musste der Marktplatz für vier Stunden abgeriegelt werden; der Verkehr wurde umgeleitet.

Der letzte Chlorgasunfall im Landkreis Dachau ereignete sich im Jahr 2003. Neun Kleinkinder und zwölf Erwachsene waren bei einem Chlorgasunfall im Hallenbad des Dachauer Friedrich-Meinzolt-Altenheims mit dem Schrecken davongekommen. Grund des Unfalls während des Babyschwimmens war ein technischer Defekt an der Chlorpumpe.

Chlorgas reizt die Atemwege, führt zu tränenden Augen und unstillbarem Husten. Bei sehr hoher Konzentration kann das Einatmen zum Tod führen.