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Internationales Restaurant Lehel "Cube":Schalentier und Edelgeflügel

Das Cube gibt sich mit hellem, eher kühlem Ambiente trendbewusst, weiß aber durch feines Essen und angenehmen Service zu überzeugen.

Dieser Text ist leider veraltet, das Restaurant gibt es inzwischen nicht mehr.

Klare Linien und wenig Farbe, dafür aber umso mehr Gaumenfreuden wie Hummer-Pfifferlingsragout oder Nougatcreme mit Blattgold.

(Foto: Foto: Schellnberger)

Weinberger ist gewiss kein Modegockel, doch er hat gelernt, dass in einer Weltstadt wie München der Style einfach zum Life dazugehört. Wenn es alle so wollen, dann trinkt auch er mal seinen Aperol-Sprizz im Straßencafé, lässt beim Abendbrot, so es denn ein Dinner sein soll, biegsame Akrobaten über sich ergehen und nimmt seine Mahlzeit sogar im Liegen ein, wenn es dem trendigen Wirt gefällt. Ein Freund des Schweinswürstel-Sorbets und der Leberkäs-Tiramisu ist er zwar nicht geworden, aber der Event-Gastronomie hat er sich nie verschlossen.

Die Neugierde hat ihn deshalb auch in ein vor Jahresfrist neu eröffnetes Lokal im Lehel namens CUBE getrieben, das für sich laut zu klingeln weiß. Hierbei handelt es sich laut Eigenwerbung nicht einfach nur um ein Restaurant, sondern um ein "Restaurant by lifestyle", praktischerweise mit einer angeschlossenen "Vinothek by lifestyle" im denkmalgeschützten Kellergewölbe, alles mit perfekt durchkomponierter Lounge-Atmosphäre, versteht sich.

Der Wirt, den wir einfach einmal so nennen, obwohl er sicher so was wie ein Gastro-Artist by lifestyle ist, heißt überraschend schlicht Markus Mensch und hat die Ideen für seine erste eigene Location bei Lehr- und Wanderjahren im Hotel Vier Jahreszeiten und im Lenbach gesammelt. Folglich ist auch hier viel vom "Premiumbereich" die Rede, und für den kleinen Schampus-Durst zwischendurch gibt es die 1,5-Liter-Flasche Veuve Clicquot inklusive Fingerfood schon für 130 Euro.

Der Coolness zum Trotz - herzlicher Service

Ein wenig überkandidelt kam Weinberger das Ganze schon vor, marktgerecht zugeschnitten auf die Party-People vom um die Ecke gelegenen P1. Er war also gespannt aufs Publikum, erwartete Olli und Anhang samt Krethi und Plethi, doch die erste Überraschung war, dass es kaum Publikum gab.

Die Tische bleiben oft leer. Wer also zum Sehen und Gesehenwerden kommt, der kommt vergeblich. Doch je öfter Weinberger an solch einsamen Abenden das Cube besuchte, desto ungerechter empfand er das vor allem im Vergleich mit anderen Lokalitäten dieses Anspruchs.

Denn bei aller Lifestyle-Huberei ist der Service im Cube äußerst angenehm - der sonst oft üblichen Coolness zum Trotz sogar ein wenig herzlich, schnell und kompetent. Wem es nicht zu viel wird, dem kann die Bedienung zu allem und jedem eine Geschichte erzählen wie übers selbstgebackene Brot oder irgendwie handgestreichelte Oliven.

Altbekanntes mit neuen Ideen vermischt

Vor allem aber weiß die Küche, die recht souverän Altbekanntes mit neuen Ideen vermischt, vom Amuse-Gueule bis zum Dessert schon oft genug zu überraschen, bevor dann die Rechnung kommt. Preiswert nämlich ist das Cube sicher nicht. Die Vorspeisen kosten von 8,50 bis 14,50 Euro, Hauptgerichte um die 20 Euro und Nachspeisen etwa 10 Euro. Für 0,2 Liter Wein, der von Australien bis Zypern aus aller Herren Länder angeboten wird, schlagen 7,50 bis 15,50 Euro zu Buche.

Für solche Preise kann man Premiumqualität erwarten, und wer sein Menü mit einem wunderbar marinierten Thunfisch auf Zuckererbsen-Salat beginnt, kann eigentlich kaum noch enttäuscht werden. Auch die ausgelösten Wachteln, zart und fein in Kräuteröl gebraten, wussten zu überzeugen.

Natürlich darf es auch immer wieder Hummer sein, da zeigt die Küche Ehrgeiz und Phantasie. Mal wurde er als Hummerschwanz gegrillt und mit grünem Spargel präsentiert, mal als Hummer-Pfifferlingsragout - ein Hochgenuss in jedem Fall. Die Cube-Starters mit Chickenwings, Frühlingsrollen und Saté-Spießchen wirkten dagegen vergleichsweise fast ein wenig gewöhnlich.

Authentische Geschmackserlebnisse

Hocherfreut war Weinberger jedoch, als er zwischen Schalentier und Edelgeflügel ein ganz einfaches Wiener Schnitzel auf der Karte entdeckte - ehrlich, und knusprig. Ähnlich unspektakulär und doch fast perfekt schmeckten ihm die zart-rosa gebratene Lammkrone sowie die Entenbrust auf Blattspinat. Gleiches hatte er dann vom Spanferkelrücken erwartet, war allerdings arg enttäuscht, als er auf dem Teller viel mehr Fett als Fleisch vorfand.

Entschädigt wurde er nur ein wenig vom beigelegten Kartoffel-Apfelgratin und dem Karotten-Minzpüree. Der Loup de Mer kam als frischer, schöner und so dezent gewürzter Fisch auf den Tisch, dass der Gaumen sensibilisiert wurde fürs authentische Geschmackserlebnis. Die Portionen waren, fast lifestyle-untypisch, durchweg reichlich bemessen.

Ein paar Höhepunkte hat sich die Küche dann noch für den Nachtisch aufgehoben - zum Beispiel das Mango-Minz-Parfait im Schoko-Pistazienmantel, bei dem süß-herb-fruchtig alle Sinne angesprochen wurden. Als dann allerdings eine Nougatcreme mit essbarem Blattgold serviert wurde, kam Weinberger dieser Lifestyle doch ein wenig protzig by nature vor. Genossen aber hat er auch dieses Dessert.

© SZ vom 11.08.2008/jh
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