Comic-Festival:Buntes von der Front

Lang gekämpft bis zur Anerkennung: Auf dem Comic-Festival zeigen Ausstellungen, Gespräche, Zeichenkurse und Comic-Börsen die Vielfalt und Kunstfertigkeit des Genres.

Barbara Wopperer

Comics und Filme haben viele Gemeinsamkeiten - und das nicht erst, seit das Gros der Action-Blockbuster sich aus Comic-Stoffen speist. Nicht nur wird in beiden eine Geschichte in Bildern erzählt: für beide mussten lange Kämpfe ausgefochten werden, bis sie als Kunstform und nicht nur als reines Entertainment Anerkennung fanden. Ein Blick auf Universitäten und Feuilletons zeigt allerdings, dass der Comic noch einen weiteren Weg vor sich hat als der Film.

Letzterer ist in Studiengängen und Berichterstattung mittlerweile etabliert, während der Comic erst in den letzten Jahren langsam als Gegenstand der Wissenschaft Fuß fassen konnte. Der Auftrieb der Anerkennung ist nicht zuletzt einer neu in den Fokus gerückten Form des grafischen Erzählens zu verdanken: der Graphic Novel. Die abgeschlossenen bildlichen Erzählungen rücken den Comic näher ans Buch und damit weiter ins Zentrum.

Dennoch ist die Graphic Novel nur eine Spielform einer äußerst vielfältigen Kunstgattung - was von Donnerstag, 23.Juni, an in München einmal mehr beim Comic-Festival eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden wird. In zahlreichen Locations werden in vier Tagen die vielen Seiten der Comic-Kunst präsentiert. Eine Ausstellung bei BMW Lenbachplatz (Lenbachplatz 7a) beispielsweise nimmt nicht nur die verschiedenen Interpretationen, die der düstere Superheld Batman über Jahre und Zeichner hinweg erfuhr, unter die Lupe, sondern - passend zum Ort - auch die unterschiedlichen Umsetzungen des Batmobils.

Ein Haus weiter, im Festival-Zentrum, dem Künstlerhaus (Lenbachplatz 8), sind nicht nur Großmeister Miguelanxo Prado und andere Künstler aus dem diesjährigen Gastland Spanien ausgestellt (weiterer Ausstellungsort: Instituto Cervantes, Alfons-Goppel-Straße 7), sondern auch Uli Knorrs bildliche Aufarbeitung der Familiengeschichte "Herzlicher Gruß aus dem Krieg" oder die Grimm-Interpretationen der gebürtigen Japanerin Kei Ishiyama, die die Märchen im Manga-Stil bebildert hat. Auch die allseits bekannten Schlümpfe werden dort ausgestellt, sowie das "Porträt eines berühmten Unbekannten" - ein Comic-Buch über den Autor B. Traven. Im Jüdischen Museum (St.-Jakobs-Platz 16) wird eine Ausstellung über "Das Jüdische im Superheldencomic" durch diverse Künstler-Gespräche ergänzt (siehe Meldung unten) und im Christian Fischbacher Showroom (Ottostraße 10) zeigt eine Ausstellung mit Bildern von Ulrich Schröder und Daan Jippes, wie berühmte Modedesigner aussähen, wären sie in Entenhausen geboren.

Weil das Festival aber nicht nur Lese-Nachwuchs, sondern auch Nachwuchskünstler befördern soll, gibt es neben der Möglichkeit zum Betrachten der Comic-Kunst auch Angebote zum Erlernen derselbigen. Am Freitag, 24.Juni, gibt es um 13.30 Uhr im Künstlerhaus die Möglichkeit, mit Howard Chaykin das Batmobil-Zeichnen zu üben und Ulrich Schröder führt um 14.30 Uhr in Disneys Kosmos ein. Lernen kann man zudem auch von Comic-Veteran Helmut Nickel. Der mittlerweile als Pensionär in Florida lebende Winnetou-Zeichner ist extra angereist, um am Samstag, 25.Juni, 13.30 Uhr, im Jagd- & Fischereimuseum (Neuhauser Straße 2) seine Arbeiten zu erläutern, bevor er am Abend um 19.30 Uhr im Künstlerhaus den Peng-Preis entgegen nimmt.

Comic-Festival München, Do., 23. Juni, bis So., 26. Juni, rund um das Künstlerhaus am Lenbachplatz, Infos unter www.comicfestival-muenchen.de

© SZ vom 22.06.2011/sonn
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