Buga-Geschäftsführer Faas: "Unser Konzept will neu sein"

Der gelernte Gärtner und Landschaftsarchitekt Hanspeter Faas, 51, hat mehrere bayerische Landesgartenschauen organisiert und ist einer der beiden Geschäftsführer der Bundesgartenschau 2005.

Von Interview: Jan Bielicki

SZ: Droht die Bundesgartenschau ein Flop zu werden? Hanspeter Faas: Die Bundesgartenschau München ist kein Flop und wird kein Flop. Klar war immer: Unser Konzept will neu sein. Es will anders sein. Es will sich außer mit den traditionellen gartenbaulichen Inhalten, die eine Gartenschau natürlich haben muss, auch mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinander setzen, besonders mit dem Thema Nachhaltigkeit. Damit wird diese Gartenschau etwas sperriger, als wir es von Bundesgartenschauen bisher kennen. Die Besucher müssen sich mit dieser Gartenschau auseinander setzen und sich informieren. Aber Pflanzen und Blumen gibt es hier eben auch in Hülle und Fülle! Gerade im Moment haben wir eine unheimlich schöne, blumige, blühende Schau.

SZ: Es scheinen nur die Besucher zu fehlen. Warum kommen nicht genug? Faas: Es ist nicht neu, dass die Besucherzahlen hinter unseren Erwartungen zurückliegen. Das hängt insbesondere mit dem sehr schlechten Wetter im Frühjahr zusammen. Wir hatten einen ganz miesen Mai. Doch die Zahlen sind im Moment in einem Aufwärtstrend. Nur zum Vergleich: Im Mai kamen rund 1000 Omnibusse, im Juni waren es fast 3000. Es ist also guter Zuspruch da.

SZ: Aber reicht der aus, um zu verhindern, dass die Stadt Millionen draufzahlen muss? Faas: Sobald die Besucherzahl bei 3,2 Millionen liegt, werden wir eine schwarze Null schreiben. Das heißt auch: Selbst wenn wir unser Ziel, also 3,7 Millionen Besucher bis Anfang Oktober, nicht erreichen, sind wir die meistbesuchte und damit erfolgreichste Bundesgartenschau der vergangenen 15 Jahre.

SZ: Heißt das, dass die Stadt auch dann kein Geld zuschießen muss, wenn nur 3,2 Millionen Besucher kommen? Bisher hieß es immer, die Schau trage sich bei 3,7 Millionen verkauften Tickets. Faas: Ich will mich nicht ganz genau auf eine Zahl fixieren. Dazu gibt es noch zu viele Unbekannte: Wie viele Besucher sind Erwachsene, wie viele Kinder, wie wird das Abendticket angenommen? Tatsache ist: Wenn wir bei mehr als 3,2 Millionen Besuchern landen, ist die Chance extrem hoch, dass wir mit einer schwarzen Null in der Kasse abschließen. Die Schau wird also kein Desaster werden. Und selbst wenn wir doch nicht auf so viele Besucher kommen sollten, werden wir höchstens von einem Defizit in Höhe von ein paar hunderttausend Euro sprechen müssen, aber auf keinen Fall von Millionen. So hoch würde das Defizit nur sein, wenn von morgen an keine Besucher mehr kommen würden. Und das erwarte ich wirklich nicht.

SZ: Trotzdem: Die erste Hälfte der Schau ist fast gelaufen, aber erst ein Drittel der prognostizierten Besucher sind bislang gekommen. Faas: Die aktuelle Zahl liegt bei 1,25 Millionen Besuchern. Wir denken, dass der Juli genau so stark, wenn nicht stärker wird als der Juni. Und wir hoffen, dass die Ferienzeit eine gute Zeit sein wird. Ich räume ein: Das ist eine Hoffnung. Aber wir haben eben ein unglaublich gutes Kinder- und Jugendprogramm. Schon in den Pfingstferien haben wir darum deutlich mehr Besucher als in den Wochen davor oder danach verzeichnet. Darum gehen wir davon aus, das wir in den Ferien auch an den Werktagen gute Zahlen schreiben werden. Und wenn das geschieht, bin ich sicher, dass wir insgesamt über drei Millionen Besucher bekommen. Ich rechne jedenfalls fest damit, dass wir die Drei-Millionen-Grenze überspringen.

SZ: Was macht Sie so sicher? Faas: An einem Tag mit idealem Gartenschau-Wetter wie heute sind wir voll. Wir hatten am Vormittag tausende Kinder da, und das ergibt einfach eine gute Stimmung. Am Anfang gab es ja viele Beschwerden, die im Grunde darauf zurückzuführen waren, dass die Vegetation sich wegen des Wetters so verspätet hat. Aber wer sich heute intensiv umschaut, wird blühende Flächen, Gärten und viele Informationen finden.

SZ: Hat die Gartenschau nicht die Blumenliebhaber vernachlässigt? Faas: Nein. Das gärtnerisch interessierte Publikum kommt voll auf seine Kosten. Dass unser Konzept in Teilbereichen sperrig ist, wissen wir. Da haben wir aber ganz stark nachgebessert. Inzwischen bieten wir viel mehr Informationen an, auch weil wir gemerkt haben, dass Besucher, die etwa an unseren Führungen teilnehmen, gar nicht mehr enttäuscht, sondern begeistert sind. Und manche Kritik trifft ja nicht eigentlich die Bundesgartenschau, sondern den Riemer Park, mit dessen strenger Gestaltung sich noch viele Menschen schwer tun.

SZ: Sind nicht die Eintrittspreise zu hoch? Faas: Ich glaube nicht. Für 14 Euro können Sie ja nicht nur hinein in die Gartenschau, Sie können auch kostenlos mit der U-Bahn hinfahren und bis auf drei unserer 5000 Veranstaltung kostet keine etwas extra. Und Sie müssen auch sehen, dass ein Kinderticket nur drei Euro kostet. Das ist aus meiner Sicht ein supersensationeller, familienfreundlicher Preis. Im übrigen liegt unser Preisniveau damit nicht höher als etwa bei der Internationalen Gartenschau in Rostock vor zwei Jahren.