"Aquarium live" mit Alfons Schuhbeck "Ich liebe Currywurst"

Alfons Schuhbeck ist einer der erfolgreichsten Köche Deutschlands. Mit sueddeutsche.de sprach er über sein tägliches Arbeitspensum, den Boom der Kochshows im Fernsehen, warum er den FC Bayern München bekocht und wieso manche Gewürze gut für das Gehirn sind.

Interview: Hans-Jürgen Jakobs Video: Marcel Kammermayer

Alfons Schuhbeck, 58, ist auf dem Weg zum Münchner Wahrzeichen. Bekannt geworden war er in den Achtzigern, als Starkoch in Waging am See. Einen Neuanfang wagte er 2003 in München und übernahm hier die neben dem "Hofbräuhaus" gelegenen "Südtiroler Stuben". Mittlerweile kontrolliert Schuhbeck eine ganze Nahrungskette und hat ein kleines Gastronomie-Reich aufgebaut. Er hat drei Kinder, der älteste Sohn besucht ein englisches Internat.

Starkoch Schuhbeck und die Currywurst

mehr...

sueddeutsche.de: Herr Schuhbeck, Sie betreiben in München Restaurants, haben Läden für Eis, Schokolade und Gewürze, kochen im Fernsehen und bei Dinnershows, schreiben Bücher und betreiben einen Partyservice. Wie wichtig ist es für einen sogenannten Promiwirt, selbst prominent zu sein?

Alfons Schuhbeck: Ich bin selbst eher menschenscheu und suche nicht den Auflauf. In diese Rolle bin ich im Laufe der Jahre reingewachsen, und jetzt ist es so. Deshalb gehört es auch dazu, das sich Passanten mit mir fotografieren lassen wollen, wenn ich die paar Schritte übers Platzl von meinem Restaurant in die Kochschule gehe.

sueddeutsche.de:Ein Leben mit Präsenzpflicht sozusagen?

Schuhbeck: Präsenz ist extrem wichtig. Ich gehe jeden Tag durch das Restaurant - zu jedem Tisch. Und für mich ist jeder Tag voller Abwechslung - von sieben Uhr in der Früh bis zwei Uhr in der Nacht. Jammerei mag ich nicht, das Wort "Nein" kenne ich nicht. Ich kenne nur das Wort "Lösung".

sueddeutsche.de: "Ja" sagen Sie beispielsweise auch zum FC Bayern München. Sie bekochen die Fußballer bei Auswärtsspielen in europäischen Wettbewerben. Sie lassen nichts aus.

Schuhbeck: Ich mache das seit 20 Jahren. Manchmal bin ich Schuld gewesen, wenn sie verloren haben.

sueddeutsche.de: Weil Sie falsch gekocht haben?

Schuhbeck: Vielleicht hätten wir die Gewürzmischungen anders dosieren und die Wadln mit mehr Cayenne-Pfeffer einreiben müssen. Spaß beiseite, meine Küche gehört zur Rundumbetreuung. Die Spieler kriegen alles, um alles geben zu können. Wenn die ihre Leistung voll abrufen können, müssten sie jedes Spiel 4:0 gewinnen.

sueddeutsche.de: Offenbar kochen Sie auch privat für FC-Bayern-Größen wie Manager Uli Hoeness.

Schuhbeck: Auch für Präsident Franz Beckenbauer oder Vorstand Karl-Heinz Rummenigge. Ich kaufe alles ein und reise selbst manchmal mit 20 Kisten an. Das macht auch Freude. Wer solche VIPs bekocht, kennt sie anders.

sueddeutsche.de: Wie kompliziert ist es, für Prominente privat zu kochen?

Schuhbeck: Am Schwierigsten sind die, die eine Zwei-Minuten-Rolle in einem Privatsender gehabt haben, der gerade eingestellt wurde. Bei wirklichen Prominenten ist es einfach. Auch beim Partyservice neigt der Trend zum Normalen, nicht mehr zum Aufgeblasenen. Viele Leute wollen nicht diesen Klimbambim, wichtiger wird auch hier der Zug zur Gesundheit.

sueddeutsche.de: Was macht Ihrer Meinung nach den Spitzenkoch aus?

Schuhbeck: Er muss jeden Tag die volle Leistung abrufen und das den eigenen Leuten vorleben. Man muss mit allen Mitarbeitern sprechen, auch mit dem kleinen Koch. Das ist mehr wert als jede Lohnerhöhung. Als ich den Michelin-Stern bekommen habe, freute sich die ganze Küche darüber. Und Spitzenküche allein macht noch nicht das Spitzenrestaurant. Wir müssen perfekten Service anbieten, das geht bei der Reservierung los und hört beim Abschied auf, wenn dem Gast in den Mantel geholfen wird. Wenn er Gast einmal mit etwas unzufrieden ist, aber nicht darüber redet, kommt er wahrscheinlich nicht mehr wieder.

sueddeutsche.de: Sind Sie ein Kontrollfreak in Ihrem Imperium?

Schuhbeck: Sagen Sie nicht Imperium! Das ist ein Taubenschlag. Ich rede mit allen über alles - vor allem über eventuelle Reklamationen der Kunden. Und ich frage auch immer, was die Gäste beispielsweise in meiner Kochschule erwarten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Politiker Alfons Schuhbeck schon bekocht hat.

Premiere mit Prominenz

mehr...