Abschied vom Karolinenplatz Die Umziehung der Lottozahlen

Bürogebäude statt Palais, mit Blick auf die Wiesn statt auf den Obelisken: Die Lotterieverwaltung zieht vom Karolinenplatz auf die Theresienhöhe.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Mehr als 60 Jahre war am Karolinenplatz der Sitz der Staatlichen Lotterieverwaltung. Nun muss die Behörde Platz für die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften machen - und zieht um.

Glücksspiel ist beliebt im Freistaat. Zweieinhalb Millionen Tippscheine werden jede Woche in den 3700 bayerischen Lotto-Annahmestellen abgegeben. Unscheinbares Zentrum der Hoffnungen aller Spieler war über mehr als sechs Jahrzehnte das Palais Toerring-Seefeld am Karolinenplatz - der Sitz der Staatlichen Lotterieverwaltung. Doch damit ist es am Mittwoch vorbei. Künftig residiert die Behörde in einem modernen Bürogebäude auf der Theresienhöhe. "Das Glück zieht um", so formuliert es Finanzminister Markus Söder (CSU).

Statt auf den großen Obelisken in der Mitte des Karolinenplatzes haben die Angestellten der Lottozentrale künftig perfekte Sicht auf die Wiesn und die Bavaria. "Der Standort ist attraktiv, weil er für Geschäftspartner, Kunden und Gewinner bequem zu erreichen ist", sagt Verena Ober von der Lotterieverwaltung. Aus der Zentrale heraus koordinieren die 300 Mitarbeiter nicht nur den Spielbetrieb in Bayern, auch neue Lotterien zu entwickeln und Aufreißlose zu produzieren, gehört zu den Aufgaben. Neben den dafür nötigen Büros wird auf den etwa 12 000 Quadratmetern an der Theresienwiese auch eine neue Kundenzentrale Platz finden. Für die "Glücksspirale" wurde zudem ein neuer Ziehungssaal geschaffen, in dem weiterhin samstags die Gewinnzahlen öffentlich ausgelost werden.

Glücksspiel ist ein lohnendes Geschäft

Nötig geworden war der Umzug, weil 2015 die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) an den Karolinenplatz ziehen soll. Nur so habe die für den Technologie- und Wissenschaftsstandort bedeutende Einrichtung dauerhaft in München gehalten werden können, sagt Söder. Ihren ursprünglichen Plan, die Acatech im Amerikahaus unterzubringen, hatte die Staatsregierung nach Protesten fallen gelassen. Vom kommenden Jahr an soll die ehemalige Lottozentrale zudem das israelische Generalkonsulat beherbergen.

Als die Umzugspläne 2011 bekannt wurden, rief vor allem die angedachte Verlegung in eine andere bayerische Region bei den Angestellten der Lottozentrale große Widerstände hervor. Umso positiver wurde schließlich die Nachricht aufgenommen, dass der Umzug doch nur von der nördlichen in die südliche Innenstadt erfolgen werde. Die Grünen kritisieren dies trotzdem als Verschwendung: "Denn die Acatech darf das staatliche Gebäude mietfrei nutzen, während die staatliche Behörde hohe Miete für ein Privatgebäude zahlen muss", sagt Grünen-Finanzexpertin Claudia Stamm. 281 500 Euro werden demnach in Zukunft pro Monat fällig.

Hinzu kommen 7,3 Millionen Euro, mit denen sich die Lotterieverwaltung laut Finanzministerium an der Renovierung ihrer neuen Büros beteiligt. Für Bayern ist das Glücksspiel trotzdem ein lohnendes Geschäft. Allein im ersten Halbjahr hat die Lotterieverwaltung einen Umsatz von 563,2 Millionen Euro gemacht. 209 Millionen flossen als Lotteriesteuer oder Gewinnabführungen in die Staatskasse.