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Sputnik-Impfstoff:Alte und neue Reflexe

Die vorläufigen Daten zum russischen Impfstoff sind vielversprechend.

Von Werner Bartens

Geht doch! Das möchte man den Wissenschaftlern aus Moskau zurufen, die soeben Daten zu "ihrem" Impfstoff veröffentlicht haben, dessen Name Sputnik V zuverlässig alte anti-russische Reflexe aktiviert. Vergangenen Sommer hatten die Virologen im staatlichen Forschungsinstitut Russlands Wissenschaft wie Politik verärgert. Putins Coup, das Vakzin in großem Stil zu verimpfen, ohne dass ausreichend Daten vorlagen, galt als skrupellos und schien einzig dem Ziel zu dienen, vor den USA, Europa und China "Erster" rufen zu können. Als intransparent und unsicher wurde die Spritze aus Moskau abgestempelt.

Nun liegen Daten von mehr als 20 000 Probanden aus Sputnik-Studien vor, sie sind hochrangig publiziert - und klingen vielversprechend. Die Wirksamkeit liegt bei mehr als 90 Prozent und erreicht damit fast jene der "westlichen" Impfstoffe von Biontech und Moderna. Der Ost-West-Konflikt ist vorbei, doch Ressentiments leben fort. Höchste Zeit, Vorurteile abzuschütteln und angesichts des hiesigen Impfstoffmangels bei Bedarf Sputnik V zu bestellen - wenn sich die Ergebnisse bestätigen.

Vorsicht ist weiterhin angebracht. Noch ist die Datenbasis recht dünn, noch sind es vorläufige Resultate einer Zwischenanalyse. Dass die russischen Forscher betonen, die abschließende Bewertung stehe noch aus, stärkt das Vertrauen in das Vakzin.

© SZ/fzg
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