Aktuelles Lexikon:Libertär

Ein Denken, das "Freiheit" so weit auslegt, dass es sie am Ende sogar gefährden könnte.

Eigentlich könnte doch alles ganz einfach sein: Liberale sind Menschen, deren politisches Denken sich vor allem an der Freiheit orientiert, liberalitas im Lateinischen. Wenn das aber so wäre: Warum sind "Liberals" in rechten US-Medien des Teufels, Freiheit ist doch ein uramerikanisches Prinzip? Weil die US-Demokraten in diesem Denken eher als "Sozialisten" gelten, wozu genügt, den Staat aktiv gesellschaftliche Reformen angehen zu lassen. Um die Verwirrung zu vergrößern, treten noch die Libertarians auf den Plan, die Libertären, wie der neue Twitter-Chef Elon Musk, der den Kurznachrichtendienst "befreien" und fast völlige Redefreiheit gewähren will, ohne sich wie bisher zu verpflichten, Hass und Hetze zu löschen (was ohnehin nur sehr begrenzt geschah). Eben darauf dringen aber viele Regierungen, etwa in der EU. Libertäre Ideen sind extrem heterogen, aber vor allem auf die Wirtschaft fixiert, der Staat soll eine geringe Rolle spielen, nach Ansicht einer "Anarchokapitalisten" genannten Untergruppe am liebsten fast gar keine. Das Individuum ist wichtiger als der Staat oder andere Gemeinschaften, es hat ein Recht auf die Freiheit von etwas, nämlich staatlichen Eingriffen. Kritiker sehen das anders: Demokratische Regeln sind immer auch eine Beschränkung grenzenloser Freiheit, wer diese Regeln ablehnt, gefährdet am Ende die Freiheit.

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