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Aktuelles Lexikon:Langer Marsch

Was Chinas Mond-Mission mit dem Heldenmythos der KP zu tun hat.

Von Christoph Giesen

China hat ein unbemanntes Raumschiff auf den Weg zum Mond geschickt. Dort soll es landen und erstmals seit mehr als 40 Jahren wieder Gesteinsproben zur Erde holen. Am frühen Dienstagmorgen hob vom Kosmodrom in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan die Rakete vom Typ Langer Marsch 5 ab. Benannt ist die Trägerrakete nach dem zentralen Heldenmythos der Kommunistischen Partei Chinas. Unter der Führung des späteren Staatsgründers Mao Zedong zogen von Oktober 1934 an die Truppen der Roten Armee, der Vorgängerorganisation der Volksbefreiungsarmee, 370 Tage durch unwegsames Gelände im Westen Chinas. Sie waren während des chinesischen Bürgerkriegs auf der Flucht vor der Armee von Chiang Kai-shek. Von 90 000 Soldaten erreichten angeblich nur 7000 Mann das Ziel in der zentralchinesischen Stadt Yan'an. Sie legten dabei etwa 12 500 Kilometer zurück. Trotz der hohen Verluste verschaffte der Lange Marsch der Parteiführung die Möglichkeit eines Neuaufbaus im Norden Chinas. Am Ende des Zweiten Weltkriegs vertrieb die Rote Armee Chiang Kai-shek und dessen Organisation, die Kuomintang, nach Taiwan. In den Sechzigerjahren entschied die Führung in Peking, die in China entwickelten Trägerraketen Langer Marsch zu nennen. Der erste erfolgreiche Start gelang am 24. April 1970 vom Weltraumbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi, als ein Experimental-Satellit ins All geschossen wurde.

© SZ/gie
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