Welttag der Internetzensur Sag es mit Musik

Ihr Liedtext „Hunger Games“ kritisiert die Ungleichheit in Ägypten: Schriftstellerin Basma Abdelaziz.

(Foto: Nariman El-Mofty/AP)

"Reporter ohne Grenzen" nutzt ein Schlupfloch, um zensierte Texte zu veröffentlichen: Sie werden als Popsongs über Streaming-Dienste verbreitet.

Zum Welttag gegen Internetzensur an diesem Montag verschafft die Organisation Reporter ohne Grenzen ingesamt zehn in den Ländern ihrer Autoren verbotenen Texten internationales Gehör. Auch dort, wo sie eigentlich niemand sehen sollte, können die texte empfangen werden. Als Träger für die Schriften benutzt sie die Musik, als Transportmittel Streaming-Dienste. So entstand die "Uncensored Playlist".

Journalisten aus China, Ägypten, Thailand, Usbekistan und Vietnam haben mithilfe lokaler und internationaler Künstler jeweils zwei ihrer Texte zu Pop-Songs gemacht. Über die Streaming-Dienste Spotify, Deezer und Apple Music lassen sich die zehn Songs weltweit anhören, auf englisch und in der jeweiligen Originalsprache. Jeweils mindestens einer dieser Dienste ist auch in den Heimatländern der Journalisten freigeschaltet. So lässt sich die Zensur dort umgehen. Der Hashtag der Kampagne lautet #truthfindsaway.

Mitwirkende an dem Projekt sind vier Autorinnen und Autoren sowie ein Netzwerk. Der in Deutschland lebende Exil-Journalist Chang Ping aus China, ein Kritiker der Tibet-Politik seiner Heimat, darf dort schon seit 2008 nicht mehr arbeiten. Er hat unter anderem seine Dankesrede für den International Press Freedom Award 2015 vertont. Neben ihm finden sich auf der Playlist Texte der Usbekin Galima Bukharbaeva, der Ägypterin Basma Abdelaziz, des Bloggers Bui Thanh Hieu aus Vietnam und von Prachatai, ein Netzwerk für unabhängigen Journalismus aus Thailand. "Wir nutzen mit dieser Kampagne eine Hintertür", sagt Matthias Spielkamp, Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzne. "In vielen Ländern verwehren die Machthaber den Menschen freien Zugang zum Internet, doch Musik-Streaming-Dienste sind fast überall frei zugänglich." Das freie Wort und die Wahrheit ließen sich nicht unterdrücken.