TV-Tipps zum Wochenende Zersplittert

Ein Mann mit 23 verschiedenen Persönlichkeiten und ein Maler, der immer wieder neu ansetzt für ein Porträt: Die besten Filme im TV-Programm verweigern eindeutige Antworten.

Von Arnold Hohmann

Final Portrait

Eigentlich sollten es nur ein paar Stunden in einem Pariser Hinterhof-Atelier werden. Mehr brauche er nicht, meint der Schweizer Bildhauer und Maler Alberto Giacometti, um ein Porträt des jungen Autors und Kunstliebhabers James Lord anfertigen zu können. Doch dann werden zwei Wochen daraus, in denen Maler und Modell eine ungewöhnliche Beziehung eingehen. So ungewöhnlich, dass der Schauspieler und Regisseur Stanley Tucci daraus ein faszinierendes Biopic geformt hat. Der Zuschauer nimmt teil an den lähmenden Zweifeln und der Zerrissenheit des alternden Giacometti (äußerlich erstaunlich ähnlich: Geoffrey Rush) und der wachsenden Geduld des Modells (Armie Hammer). Die braucht er ohne Zweifel, denn immer wieder übermalt der Künstler das Bild. "Es ist unmöglich, ein Porträt zu beenden", lautet dessen Maxime. "Es ist nur ein Versuch."

Biopic, 3SAT, Samstag, 21.45 Uhr

Doctor Strange

Mit Filmen aus dem Marvel-Universum und dem Reich der DC Comics ist das so eine Sache. Entweder ist man Fan und goutiert alles. Oder man hat längst aufgegeben, sich all die Superhelden und deren originale Storys merken zu wollen. Bei diesem Marvel-Film jedoch merkt man auch als Skeptiker auf. Nicht etwa weil Benedict Cumberbatch als Neurochirurg anfangs wieder den arroganten Schnösel gibt. Eher schon, dass er sich auch als Magier an seinen hippokratischen Eid hält. Das verhindert Konflikte und die übliche Ballerei. Man staunt gerne darüber, dass diesem Superhelden mit seinen Superhänden einmal der ganze Kosmos um die Ohren fliegt und Parallelwelten sich vor ihm öffnen. Tatsächlich aber wird man neugierig auf Tilda Swinton, die eine 500 Jahre alte, glatzköpfige Lehrmeisterin mit besonderen Kräften spielt.

Superhelden, Pro Sieben, Sonntag, 20.15 Uhr

Kreuzweg

Der Film lässt nicht nur die Hauptfigur, sondern auch den Betrachter leiden. Denn er wird Zeuge der Qualen eines 14-jährigen Mädchens, das eigentlich nur Gott gefällig sein will. Doch die strengen Eltern und die katholische Priesterbruderschaft, der sie angehören, brandmarken Maria als Sünderin. Und das nur, weil sie sich mit einem Jungen aus der Klasse getroffen hat. Dietrich Brüggemanns Film zeigt die Grausamkeit, mit der strenge Traditionalisten der Kirche arbeiten, zeigt aber vor allem das Ergebnis. Maria nämlich ist nun entschlossen, sich für ihren kleinen Bruder zu opfern, der mit vier Jahren noch kein Wort gesprochen hat. Auch der Film ist episodisch als Kreuzweg aufgebaut, ohne Schnitte und Kamerafahrten, dafür mit Kapitelüberschriften. Vielleicht ist es gerade diese Kargheit, die den Film so bestürzend sein lässt.

Drama, SWR, Sonntag, 23.35 Uhr

Split

Nach einer Party werden drei Frauen von der Straße weg entführt. Dass sie sich in einem Keller wiederfinden, ängstigt sie weniger als ihr Gastgeber (James McAvoy). Denn der besteht aus nicht weniger als 23 verschiedenen Persönlichkeiten. Die Gefangenen wissen nicht, in welcher Identität der Kerl als Nächstes auftreten und was er verlangen wird. Der Regisseur M. Night Shyamalan produziert nicht gerade wenig und verschießt auch manches. Hier ist er in guter Form, weiß die Spannung voranzutreiben und vergisst auch nicht ein überraschendes Ende. Angst empfinden auch Mutter und Tochter in David Finchers Panic Room. Eingeschlossene im hauseigenen Schutzbunker, werden sie von Einbrechern belagert, können nicht fliehen und spüren die Luft schwinden (Super RTL, Samstag, 20.15 Uhr).

Thriller, Pro Sieben, Sonntag, 22.35 Uhr