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TV-Tipps zum Wochenende:Von Zwängen befreit

The Green Mile

Der verurteilte Mörder Coffey (Michael Clarke Duncan, r.) zeigt dem Wärter Edgecomb (Tom Hanks) Dinge, die kaum möglich scheinen.

(Foto: ZDF/NBC-U)

Denzel Washington, Forest Whitaker, Michael Clark Duncan: Starke schwarze Schauspieler dominieren das Filmprogramm, in dem es viel um Selbstbehauptung geht. Weiße Figuren führen diesmal eher Randexistenzen oder gerieren sich gleich als Trottel.

Green Mile

Gefängnisdrama, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr

Dieser Mann ist unheimlich: riesenhaft, mit rätselhaften Fähigkeiten, von einer unerschütterlichen Gutmütigkeit, er soll zwei Mädchen vergewaltigt und ermordet haben und ist - auch das - schwarz. Dieser Coffey (Michael Clarke Duncan) ist in Louisiana inhaftiert, wo Edgecomb (Tom Hanks) für ihn zuständig ist - vorerst als sein Aufseher, irgendwann auch als sein Henker. Die beiden verbindet bald eine fesselnde Beziehung; und Edgecomb begreift, dass Coffey womöglich freier ist als er selbst. Zwei Männer, gefangen in Zwängen, die sie sich selbst auferlegen, weil die Gesellschaft genau das erwartet, stehen auch im Zentrum von Brokeback Mountain: Zwei Cowboys (Heath Ledger, Jake Gyllenhaal) verlieben sich ineinander, lassen das auch zu - beugen sich dann aber der heterosexuellen Norm (Arte, Sonntag, 20.15 Uhr).

Anthony Zimmer: Fluchtpunkt Nizza

Thriller, Servus TV, Samstag, 22.05 Uhr

Die Côte d'Azur, eine hübsche Frau, ein Hotelzimmer - François (Yvan Attal) fühlt sich für einen Abend wunderbar. Doch am nächsten Morgen ist Chiara (Sophie Marceau) verschwunden, und François hat die Polizei an den Hacken, die in ihm einen anderen sieht, als er ist. Ein cooler Film in einem hitzigen Setting, über einen Mann, der sich selbst zu verlieren droht. Vollkommen aus der Bahn geworfen wird auch ein britischer Tourist (Rowan Atkinson), der sich in den französischen Süden wagt und mit der Lebensart nicht zurande kommt - was vor allem daran liegt, dass er ein verklemmter Hinterwäldler ist. Zugleich ist er aber furcht- und hemmungslos, ein großer Naiver des Kinos. Mr. Bean macht Ferien ist kindisches Chaos und doch eine Verbeugung vor dem Slapstick und dem wundersamen Mr. Hulot (Vox, Samstag, 20.15 Uhr).

Der Butler

Drama, Sat 1, Sonntag, 20.15 Uhr

Das Weiße Haus in Washington ist ein Ort der Weißen. Lee Daniels hat seinen Film zwar während der Präsidentschaft Barack Obamas gedreht, aber er spielt in der Zeit von 1952 bis 1986, in der alle US-Präsidenten - selbstverständlich - Weiße waren. Acht von ihnen steht Cecil Gaines (Forest Whitaker) zur Seite - ein schwarzer Butler. Ein starker Film über Loyalität; vor allem auch unter Schwarzen: Gaines' Sohn engagiert sich in der Bürgerrechtsbewegung, der Vater zieht die eigene Lebensentscheidung immer stärker infrage. Ridley Scott hat 2007 American Gangster gedreht, der Ende der 1960er spielt: Es ist die Geschichte des New Yorker Drogenbosses Frank Lucas (Denzel Washington) - sie handelt auch davon, dass Schwarze es außer als Sportler, Musiker oder Komiker lange nur als Kriminelle ganz nach oben geschafft haben (ZDF, Samstag, 23 Uhr).

Nerve

Thriller, Pro Sieben, Sonntag, 20.15 Uhr

Eine Mutprobe: Vee küsst einen Jungen. Irgendeinen - das heißt: Er liest zufällig ihr Lieblingsbuch. Früher hätten vielleicht ein paar kichernde Freundinnen um die Ecke gelauert, denn eine Mutprobe braucht Zeugen. Hier aber ist die Öffentlichkeit global - der Kuss wird gefilmt und ist ganz schnell auf ganz vielen Smartphones zu sehen. Er ist der Beginn eines Spiels, auf das Vee sich eingelassen hat und in das der Junge hineingezogen wird. Ihr Publikum verlangt immer neue Mutproben, die Sensationsgier steigt und damit das Risiko für die Spieler. Ein Film über die Gegenwart, der optisch überzeugende Lösungen anbietet für die Darstellung von Digitalisierung. Das Sci-Fi-Drama Der Tag, an dem die Erde Feuer fing ist von 1961, es führt uns aber ebenfalls unsere aktuelle Gegenwart vor - in Bezug auf den Klimawandel (Tele 5, Sonntag, 18.10 Uhr).